Auf dem Weg zur Fair-Trade-Town hat Eltmann jetzt den nächsten Schritt getan. Im Rathaus traf sich die Steuerungsgruppe, um sich offiziell zu formieren und die weitere Agenda abzustimmen. "Die meisten Kriterien erfüllen wir schon sehr gut", freute sich Bürgermeister Michael Ziegler über das bereits verankerte Bewusstsein für fairen und regionalen Handel in seiner Stadt. Fair Trade bezieht sich nämlich nicht nur auf Entwicklungsländer, sondern auch auf die Schonung von natürlichen Ressourcen - und auch in Europa ist faire Entlohnung durchaus ein Thema.

Elisabeth Müller-Förtsch ist die Taktgeberin für den Prozess, der im Stadtrat einstimmig beschlossen wurde. Sie organisiert seit vielen Jahren zusammen mit ihrem Team der Kolpingsfamilie den Weltladen in Eltmann. Und sie rührt unermüdlich die Werbetrommel, damit auch bei Vereinsfesten Waren aus fairem Handel eingesetzt werden. So ist fairer Kaffee bei Veranstaltungen der Pfarrei längst selbstverständlich, aber auch beim Gesangverein, wenn dieser an den Biertagen die Kaffeestube bewirtschaftet, oder beim Obst- und Gartenbauverein bei dessen Spätsommerfest.

Die gesellschaftliche Verankerung des Fair-Trade-Gedankens und das Bemühen um die weitere Verbreitung sind Kriterien für den Anerkennungsprozess. "Wir sind da schon recht gut, aber es ist natürlich schön, wenn noch mehr Vereine mitmachen. Es gibt ja auch viel mehr als Kaffee aus fairem Handel", sagt Bürgermeister Michael Ziegler und verteilte Kekse aus dem Weltladen.

Er beschäftigt sich mit diesem Thema seit einiger Zeit intensiver und hat beispielsweise auch für den neuen Multifunktionscourt der Stadt neben dem Freibad Bälle aus fairem Handel eingekauft. Es sei schließlich nicht nachvollziehbar, für die eigene Jugend eine neue Freizeitanlage für viel Geld zu schaffen und darauf womöglich mit Bällen zu spielen, für die Kinder in Entwicklungsländern ausgebeutet wurden.

Eine gute Basis für die Bewerbung ist auch die Tatsache, dass die Wallburg-Realschule seit einigen Jahren Fair-Trade-Schule ist und gerade wieder das Siegel erhielt. Susanne Müller betreut das Thema an der Realschule und macht in der Steuerungsgruppe mit, ebenso wie Cornelia Winterstein-Bötsch von der evangelischen Kirchengemeinde und Harald Gutbrod. In seinem Lebensmittelgeschäft finden sich im Sortiment verschiedene fair gehandelte Waren bis hin zur Milch "und regional ist bei uns schon immer ein starkes Thema", erklärte er bei der Gründungs-Zusammenkunft. Mit an Bord ist Brigitte Kieslinger, die in Eltmann den Bioladen betreibt.

"Jetzt gehen wir noch auf die Gastronomie zu", erklärte Bürgermeister Michael Ziegler. In einer Fair-Trade-Town sollten nämlich mindestens zwei gastronomische Betriebe den Fair-Trade-Gedanken umsetzen. Regional aufgestellt sind mehrere Gastwirte in Eltmann und den Stadtteilen, machen bei "Natürlich von hier" mit. "Ich bin sicher, dass auch einige den Fair-Trade-Prozess mittragen werden", ist Michael Ziegler zuversichtlich, dass er positive Antworten auf seinen Brief bekommen wird.

Nachdem sich nun die Steuerungsgruppe etabliert hat, gilt es noch, ein paar Punkte abzuhaken, dann kann Eltmann das Siegel offiziell erhalten. "Uns geht es aber nicht um ein weiteres Siegel, sondern darum, dass das Wesen von Fair Trade gelebt wird und sich immer stärker in den Köpfen der Menschen verfestigt", betonte der Bürgermeister.