Ibind
Kabarett

Die "Limmerin" lässt's in Ibind krachen

Mit einem pointenreichen Programm, Eugenspiegelei und Wortjonglagen brachte die Niederbayerin Andrea Limmer die Ibinder zum Lachen.
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Sichtlich wohl fühlt sich die niederbairische Kabarettistin Andrea Limmer vor dem fränkischen Wappen bei ihrem Auftritt in Ibind, auch wenn sie freimütig bekannte: "I bin die Limmerin, und da bin i niet dahoam". Klemens Albert
Sichtlich wohl fühlt sich die niederbairische Kabarettistin Andrea Limmer vor dem fränkischen Wappen bei ihrem Auftritt in Ibind, auch wenn sie freimütig bekannte: "I bin die Limmerin, und da bin i niet dahoam". Klemens Albert
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Mal derb dreinhauend, dann wieder durchaus einfühlend besinnlich präsentierte sich und ihr Programm die niederbayerische Kabarettistin Andrea Limmer im voll besetzten "Iwinner Tunnelsaal" des Gasthauses Rädlein. Wer von den Besuchern sich eingebildet hatte, sich einfach zurückzulehnen und berieseln zu lassen, hatte sich geirrt. Das war weniger drin, denn mal musste das Publikum einfach zum Klang der kleinen Ukulele mitsingen, und dann forderten die Texte den Geist. Zum einen musste jeder alles aus dem Niederbairischen in sein jeweiliges Fränkisch übersetzen und dann hatten die Texte auch noch inhaltlichen Geist. Was Andrea Limmer tunlichst mied, waren Witze und Pointen, die man schon aus vielen anderen Mündern kennt.


Alles verstanden?

Allzu grobe Schimpfwörter aus dem für Iwinner Franken fremden Sprachgebrauch übersetzte die Limmerin gerne in die Sprache, die in "Hochdeutschland" verstanden wird. Und sie vergewisserte sich auch immer wieder, ob die Zuhörer alles verstanden hätten. Da gab es in der Regel keinen, der das verneint hätte, denn sonst wäre er ein für die Kabarettistin hoch interessanter Gesprächspartner geworden.

Ein Charakteristikum für Andrea Limmer sind ihre zahlreichen Wortschöpfungen und nicht erwartete Wortbedeutungen, die sie ihrer Sprache verleiht. Sie jongliert förmlich mit ihrer Sprache. Sind zum Beispiel junge Menschen in der Selbstfindungsphase, so steuern alte Menschen auf die "Heimfindungsphase" zu, weil sie ein Heim finden wollen. Das erinnert ein wenig an Till Eulenspiegel, der in seinem Schalk ja auch Gesagtes gerne ganz anders versteht.


Mann, Frau und die Liebe

Vielfältig waren Limmers Themen. Natürlich an erster Stelle das Thema Mann und Frau und was man Liebe zwischen den beiden nennt. Dabei bezog sie durchaus auch ihre Person, oder besser gesagt ihr Persönchen mit ein und ihre besondere Beziehung zu ihrem Obsti. Als sie einmal mit ihm darüber diskutierte, ob Vegetarier Muscheln essen dürfen, diese seien doch Tiere, meinte eben dieser Obsti ja, denn die könnten sich doch nicht fortbewegen. Da habe sie entgegnet: Nach dieser Logik könnte man dann ja deine ganze Familie essen. Die Frage, warum sie dann immer noch bei ihm (Obsti) sei, meinte sie, die Liebe habe eben viele Gesichter. Diese könne man nicht schlauer machen und "Alleinsein macht deppert". Und in Niederbayern heiße es nicht ledig oder unverheiratet, sondern übriggeblieben.


Mit lästerlicher Zunge

Immer wieder wetzte Andrea Limmer auch ihre "Lästerbabbn", etwa wenn sie Seehofer als Lustkiller bezeichnete oder den Tegernsee als Rentner-Preußen-Auffangbecken. Und sie offenbarte auch einen Nachtgebets-Stoßseufzer: "Herr rette uns vor Hagel und Wind und Liedern die der Hansi Hinterseer singt." Von einer Freundin redete sie, einer "linksorientierten Psychologiestudentin, also einer angehende Taxifahrerin". Den negativen Einfluss des Fernsehens wies Limmer dadurch nach, dass die meisten Menschen die Frage nach dem bekanntesten neugeborenen Kind beantworten mit "das Kind von Daniela Katzenberger".


Ein Schuss Selbstironie

Doch nicht nur gegen andere teilte sie aus, auch gegen sich selbst, etwa als sie aus ihrem Büchlein vorlesen wollte. Ihr Verleger habe ihr noch ausdrücklich gesagt, sie solle nichts daraus vorlesen, wenn sie welche verkaufen wolle. Auch ihre niederbayrische Heimat nahm sie aufs Korn. Dort merke man den Unterschied zwischen Ostern und Weihnachten nur daran, ob es gerade Schokoladehasen oder -weihnachtsmänner gibt.

Jung, frisch frech, körperlich und geistig überaus beweglich, stets in engem, Sympathie weckenden Kontakt zum Publikum, so hinterließ Andrea Limmer einen ausgezeichneten Eindruck bei ihrem erstmaligen Auftritt in Ibind. Eine Werbung für die Wirtshauskultur auf den Dörfern.
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