Haßfurter Kämmerer ist jetzt Finanzspezialist
, Montag, 23. April 2012
Stolz sein darf Wolfgang Hömer auf das Erreichte. Der Haßfurter Kämmerer hat sich in zwei Jahren nebenberuflich dem Studiengang "Public Management" gewidmet und erhielt jetzt durch Bürgermeister Rudi Eck offiziell die Urkunde überreicht. Damit ist der 49-Jährige ausgewiesener Finanz-Fachmann.
Das war ein Kraftakt: Zwei Jahre lang hat der Kämmerer der Stadt Haßfurt, Wolfgang Hömer, nicht nur das Geld der Kreisstadt verwaltet und mit jeder Menge Zahlen jongliert, sondern auch noch ein Studium absolviert. Und zwar erfolgreich. Mit der Note 1,7 hat Hömer den Weiterbildungsstudiengang "Public Management" an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Deggendorf und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern in Hof abgelegt.
Vier Semester lang hat er das Studium neben seinem Beruf durchgezogen und nicht nur freitags und samstags die Vorlesungen in Deggendorf und Hof besucht, sondern auch nach Feierabend und am Wochenende kräftig gepaukt. "Zwei Jahre geht", sagt der Kämmerer. Mehr möchte er sich, seiner Familie und wohl auch der Stadt nicht zumuten. Vor seinem 50. Geburtstag, den er heuer feiert, will er das Kapitel abgeschlossen haben.
Hömer kommt aus der Finanzverwaltung. Manches Wissen bei Kommunalthemen fehlte ihm bislang, wie er freimütig zugibt. Das ist jetzt anders. Er hat "vieles dazugelernt", wie er sagt, was über Zahlen hinausgeht.
Aus dem Finanzamt
Wolfgang Hömer war vor seinem Eintritt in die Kämmerei der Stadt Haßfurt im Jahr 2000 im Finanzamt Zeil tätig und hatte bereits ein Studium zum Diplom-Finanzwirt abgeschlossen. Die Themen wie europäischer Einfluss auf das Kommunalmanagement, Beteiligungsmanagement, Personalmanagement und Kommunikation sowie Projektmanagement hätten ihn von den insgesamt 16 Fächern sehr interessiert, gibt der 49-Jährige an.
Seine Masterarbeit trägt den Titel "Möglichkeiten der finanziellen Bürgerbeteiligung an kommunalen Projekten zur Erzeugung regenerativer Energien am Beispiel einer Windkraftanlage". "Dieses Thema habe ich gewählt, weil es für unseren Landkreis und die Stadt Haßfurt von großer aktueller Bedeutung ist", teilte der "Master of Arts" mit. "Jeder Bürger sollte schließlich die Chance bekommen, sich an Windkraftanlagen zu beteiligen."
Suche nach neuer Herausforderung
Dass Wolfgang Hömer das Studium in Angriff genommen hat, begründete er zum einen mit der Suche nach einer neuen Herausforderung. Zum anderen hätten ihm aber auch die rechtlichen Grundlagen der inneren Verwaltung für seine Tätigkeit als Kämmerer gefehlt, und drittens habe die Umstellung der Finanzverwaltung der Stadt Haßfurt auf das Doppik-System eine zusätzliche Ausbildung geradezu erforderlich gemacht.
"Jeder Arbeitgeber kann sich freuen, wenn seine Mitarbeiter sich fortbilden", sagte Bürgermeister Rudi Eck (parteilos) bei der Überreichung der Urkunde über den erfolgreich abgelegten Studiengang. "Ich rechne es Wolfgang Hömer hoch an, dass er sich weiterentwickeln wollte und so unglaublich viel Freizeit geopfert hat. Denn unsere Verwaltung braucht solche Leute für die Zukunft."
"Ich kümmere mich ums Geld der Stadt"
Damit wäre Wolfgang Hömer ja ein bestens geeigneter Bewerber für das Bürgermeisteramt, das 2014 in Haßfurt frei wird. Rudi Eck tritt nicht mehr an. "Nein", sagt Wolfgang Hömer, der schon häufiger mit der Frage konfrontiert worden ist, ob er sich das Amt des Bürgermeisters vorstellen könnte. Er will es nicht, versichert er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ich kümmere mich ums Geld der Stadt", sagt er. "Das ist auch viel wert."