Ebern
Kontroverse

Wirbel um Windkraft

Eberns Stadtrat war mit vehementem Prostest aus Kirchlauter konfrontiert. Dennoch entschied er für das Energie-Projekt auf dem Tonberg im Bürgerwald.
Artikel einbetten
Zuhörer Pro und Kontra Windkraft bei der Sitzung des Stadtrates Ebern am Donnerstag in der Rathaushalle. In der ersten Reihe hatten sich Befürworter des Projekts mit Altbürgermeister Robert Herrmann (Dritter von rechts),zugleich Vorsitzender der Bürgerwaldkörperschaft, postiert. Auf Bürgerwaldgelände sollen die Windräder entstehen. Foto: Helmut Will
Zuhörer Pro und Kontra Windkraft bei der Sitzung des Stadtrates Ebern am Donnerstag in der Rathaushalle. In der ersten Reihe hatten sich Befürworter des Projekts mit Altbürgermeister Robert Herrmann (Dritter von rechts),zugleich Vorsitzender der Bürgerwaldkörperschaft, postiert. Auf Bürgerwaldgelände sollen die Windräder entstehen. Foto: Helmut Will
+8 Bilder
So viele Zuhörer wie am Donnerstagabend hatte der Stadtrat Ebern wohl noch nie. Aus der Gemeinde Kirchlauter waren Windkraftgegner gekommen, um mit ihrer Demonstration den Stadtrat von Ebern zu einer Entscheidung kontra Windräder auf dem Tonberg im Bürgerwald zu bewegen (Über den Protest auf der Straße haben wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichtet).

Aber auch eine Gruppe Windrad-Befürworter um Altbürgermeister Robert Herrmann (CSU), Vorsitzender der Bürgerwaldkörperschaft Ebern, zeigte Flagge. Die Rathaushalle, wohin Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) die Sitzung des Stadtrates verlegt hatte, war mit Zuhörern proppenvoll. Mit 14:6 Stimmen entschied der Stadtrat letztlich pro Windräder.

Das Projekt Windpark "Tonberg" wurde vom Vertreter der GUT Haßberge, Gunther Häckner, vorgestellt. Vor der Entscheidung des Stadtrates kam auch Herbert Barthel vom BUND zu Wort, der belange des Klima- und Naturschutzes beleuchtete und sich eindeutig hinter das Projekt stellte.


Nur Zuhören erlaubt

Bevor die beiden Referenten das Wort ergriffen, wies Bürgermeister Hennemann eindringlich auf die Regularien hin, die bei einer Sitzung des Stadtrates gelten. Er bat um Fairness und verbat sich jegliche Einmischung aus den Reihen der Zuhörer. "Beifalls- oder Missfallensäußerungen möchte ich nicht hören", sagte der Rathauschef und verwies auf sein Hausrecht. Ab und zu waren aus den Reihen der Windkraftgegner verhalten Protestlaute zu vernehmen, aber insgesamt lief die Sitzung "gesittet" ab. Nur einmal musste Hennemann zur Ordnung rufen. "Wenn das noch einmal vorkommt, lasse ich die Rathaushalle räumen", warnte er. Die Eskalation blieb aus.


Und die Wildkatze?

Herbert Barthel bezeichnete die Kommunen als wichtigen Partner bei der Umsetzung der Energiewende. Hier befinde man sich auf einem brauchbaren Weg und man könne Ebern im konkreten Fall nur unterstützen. Naturparke seien grundsätzlich keine Ausschlusskriterien für Windräder.

Zweiter Bürgermeister Harald Pascher (FDP) sagte: "Ich kann nicht verstehen, dass der BN durch Schlagen von Schneisen die nachgewiesene Wildkatze vertreibt, das widerspricht doch der Grundeinstellung des BN." Er erhielt hierfür Beifall und auch vorher war zu merken, dass die Zuhörer mit den Aussagen des BN-Vertreters nicht einverstanden waren.

Gunther Häckner stellte dar, wie sich die GUT entwickelt habe und er erläuterte das Prozedere eines Genehmigungsverfahrens für Windkraftanlagen. Der Tonberg bei Kirchlauter sei ein exponierter Standort, der beste im Landkreis insgesamt. Die in Zeitung vor einigen Tagen nach der Versammlung der Initiative "Pro Natur Tonberg" in Kirchlauter dargestellte Simulation der Windräder, sei nicht zutreffend, sagte Häckner. "Das war nicht wirklichkeitsgetreu." In der Realität würden sie nicht so hoch zur Geltung kommen, wie auf der Simulation dargestellt.


Noch viel Klärungsbedarf

Stadtrat Thomas Limpert (FWE) blickte voraus und fragte, ob man sich bei der GUT schon Gedanken gemacht habe wie das mit der Stromeinspeisung- oder Speicherung, bzw. mit den Stromtrassen funktionieren soll. Da müsse ein "Systemdenken" entstehen, sagte Häckner und Speichertechnologien müssten erprobt werden. Zweifelsohne habe eine Änderung des EEG-Gesetzes Auswirkungen, sagte Häckner auf Vorhalt von Stadtrat Dieter Gerstenkorn (CSU), aber es werde für benachteiligte Anlagen Ausgleichsleistungen geben, mutmaßte er.
Wie gesichert das Ergebnis des TÜV-Gutachtens hinsichtlich der Windhöfigkeit sei, wollte Stadtrat Philipp Arnold (FWE) wissen. Ertragsmessungen würden durchgeführt und auf Grund bekannter Daten im Computermodell errechnet, antwortete Häckner. Ertragsmessungen im Vorfeld kosteten 100 000 Euro und müssten über den Zeitraum eines Jahres vorgenommen werden. Weitergehende Ausführungen durch Häckner wollte der Stadtrat dann auf Frage des Bürgermeisters nicht mehr hören.

Isabell Kuhn (JL) sprach sich gegen die Windkraft bei Kirchlauter aus: "Das sind enorme Eingriffe in die Natur und ich sehe auch noch das Problem der Speicherkapazität, was nicht geklärt ist." Brunhilde Giegold (SPD) hingegen gab ein klares Votum pro Windkraft ab. "Kein Platz ist günstiger als der auf dem Tonberg und wäre das näher an Ebern, wären wir auch dafür."

Thomas Limpert, Sprecher der FW: "Unsere Meinung steht. Eine Flut von Mails und Anrufen ist auf uns eingestürmt und man will eine Wollmilchsau aus einfachen Stadträten backen. Jeder von uns konnte sich hinreichend informieren und jedem wird man es nicht recht machen können." Vor allem störte er sich an einer Mail von "Pro Natur Tonberg", die nach Mitternacht einging und in der es hieß, dass derjenige, der für das Windenergieprojekt stimme, sich nicht über die Folgen der Wirkung in der Bevölkerung und der Wählerschaft wundern müsse. "Das geht zu weit", so Limpert.

Für Windkraft sprach sich Klaus Schineller (EAL) aus. Der Landwirt legte dar, dass er den Klimawandel spüre und er deshalb für regenerative Energien sei. Dieter Gerstenkorn (CSU) sprach sich ebenfalls für Windkraft aus, aber jeder solle im konkreten Fall eigens nach seinem Gewissen entscheiden.
Eine namentliche Abstimmung, wie von Harald Pascher gefordert, lehnte das Gremium mit 10:8 Stimmen ab. Die Abstimmung ergab 14 Ja- und sechs Neinstimmen ,und es wurde beschlossen beim Landratsamt den Antrag auf Herausnahme der benötigten Flächen aus dem Naturpark Haßberge zu stellen, eine Änderung des Flächennutzungsplanes herbeizuführen und die Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein "Sondergebiet Wind" zu erwirken.


Pfeifkonzert von draußen

Die Windkraftgegner aus dem Bereich Kirchlauter verließen danach die Sitzung und machten eine gute Viertelstunde lang ihrem Unmut über diese Entscheidung vor dem Rathaus mit Trillerpfeifen Luft, bevor sie ein "Doppelstöckerbus" abholte und nach Kirchlauter zurückbrachte.
Wie zu hören war, will sich die Initiative "Pro Natur Tonberg" mit dieser Entscheidung nicht abfinden.


Verwandte Artikel
3 Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren