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Umwelt

Wind bläst Planern in Buch und Geruth von vorn ins Gesicht

Bucher und Gereuther ließen sich über vier geplante Windräder informieren. Das Projekt hat nicht nur Freunde.
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Von der Bebauung des westlichen Ortsrands in Buch liegt der Wald und die dort künftig etwas im Wald stehenden Windräder durchaus in "greifbarer" Nähe.  Fotos: Helmut Will
Von der Bebauung des westlichen Ortsrands in Buch liegt der Wald und die dort künftig etwas im Wald stehenden Windräder durchaus in "greifbarer" Nähe. Fotos: Helmut Will
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Im Gemeinderat Untermerzbach waren Anfang April die geplanten Windräder auf dem Höhenzug zwischen Buch und Lichtenstein schon einmal Thema. Diplomingenieur Gunter Häckner von der Landkreis-Energiegesellschaft GUT stellte sie vor. Der Gemeinderat beschloss daraufhin, beim Landratsamt den Antrag zu stellen, dass der Standort für die Windräder aus dem Gebiet der Schutzzone des Naturparks Haßberge herausgenommen werden solle: eine Voraussetzung, um überhaupt die Planung weiter betreiben zu können.

Auf der Informatiosveranstaltung von Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) gab es bei den Buchern und Gereuthern viele skeptische Gesichter. Unter die Gereuther hatten sich auch Auswärtige, die sich im Laufe der Veranstaltung als erklärte Windkraftgegner outeten, "geschlichen". Einer davon, seinen Worten zufolge kommt er aus Forchheim, nutzte die "Bühne" der Bürgerversammlung in Gereuth, um seine Ideen kontra Windkraft zum Besten zu geben.


Gäste nicht willkommen

Franz Pohley aus Gereuth zeigte kein Verständnis, dass Leute von außerhalb anreisen und die Veranstaltung stören. Auch Bürgermeister Helmut Dietz war über den "Störer aus Forchheim" nicht glücklich, ließ ihn jedoch einige Zeit gewähren.

Deutlich wurde, dass Windkraft nicht verteufelt wird, aber keiner sie direkt vor seiner Nase haben möchte. Häckner verdeutlichte, dass Windkraft eine der saubersten Energien sei und man sich erst am Anfang eines langen Dialogprozesses befinde: "Mit diesem Projekt möchte die GUT die Wertschöpfung der Energie im Landkreis behalten." Das wurde von Windkraftgegnern in der späteren Diskussion angezweifelt.

Aus Ebern war Peter Finzel gekommen, der bei Verwirklichung des Projekts "seinen Hauswald" in Gefahr sieht. "Wer hat eigentlich Nutzen und Wertschöpfung?", fragte er und beantwortete seine Frage gleich selbst: "Nur die Grundeigentümer durch Pachteinnahmen."

Sogenannter Ultraschall, der beim Betrieb von Windrädern entsteht, wurde als nicht wahrnehmbar aber als gesundheitsschädlich bezeichnet. Rolf Ospel, Elektroingenieur im Ruhestand, wohnt in Buch. Er entpuppte sich als Sprecher der Ortschaft.

Gut vorbereitet überraschte er den Referenten mit vielfältigen Fragen und Ausführungen und kam zum Resümee, dass sich die Gemeinde genau überlegen sollte, ob sie dem Projekt letztlich zustimme.

Seiner Meinung nach habe der Gemeinderat vorschnell beschlossen, die betroffenen Flächen aus dem Naturpark auszugliedern. Gegen Windenergie sei er nicht, aber die Bucher meinen, der Standort sei falsch. Er hatte Standorte ausgemacht, wo die sogenannte 10H-Regel (der zehnfache Abstand der Höhe der Windräder zu Ortschaften) eingehalten werden könnte. Er nannte z.B. die Ortschaften Hafenpreppach, Unterelldorf, Rothenberg, Lichtenstein oder Rabelsdorf. "Buch hätte auf drei Windräder Sicht, die relativ nahe am Ort wären und "bedrückende Wirkung" hätten.


Drei Hektar Wald weg

Wie Häckner erläuterte, müssten für die vier geplanten Windräder gut drei Hektar Wald eingeschlagen werden. Ausgleichsflächen würden geschaffen. 4,5 Meter breite Straßen mit einer Traglast von zwölf Tonnen müssten errichtet werden, um Material und Baugeräte vor Ort bringen zu können.

Gunter Häckner sagte, er kenne viele Argumente gegen die Windenergie. Aber die meisten können nicht greifen, weil keine andere Lösung möglich wäre, um dem Ausstieg aus Kernenergie und Kohle nahezukommen. Der Rückbau der Windräder wäre relativ problemlos, falls das anstünde.

Auf Vorhalt eines Bürgers aus Ebern, dass die 10H-Reglung nicht eingehalten werde, sagte Häckner: "Wenn es hiervon keine Ausnahme gäbe, könnten wir im gesamten Landkreis keine Windräder bauen."

Bürgermeister Dietz hielt ein Plädoyer für Windkraft. "Der Gemeinderat hat sich seine Gedanken gemacht und nicht aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, sondern mit Blick auf die Zukunft."

Der Gleusdorfer Ortssprecher Norbert Lohneiß sagte, dass in Norddeutschland "Windräder wie Spargel" stehen und er dort 15 Jahre in unmittelbarer Nähe wohnte. "Die hörte ich fast nicht, vielleicht manchmal oder wenn man bis auf 50 Meter dran war." Im Hinblick auf den angesprochenen Ultraschall sagte er, dass er trotzdem noch gesund wäre. "Was wollen wir, keine Atomkraftwerke, keine Stromtrassen, wollen wir weiter teuren Strom aus dem Ausland beziehen?"


Ökologische Überlegungen

Viele Redner, auch Gemeinderat Martin Mölter (SPD), zeigten Verständnis für die Bucher, die gegen Windkrafträder sind. Von Geld oder Wertschöpfung möge er nicht sprechen. "Für mich steht ökologisch erzeugte Energie im Vordergrund." Er warb dafür, sich Windkraftanlagen anzuschauen und vor Ort mit Menschen zu sprechen. "Ich denke, dann kann man sich besser eine Meinung bilden."

Zu Wort meldete sich auch Udo Küchler aus Gereuth: "Mir sind vier Windräder vor meiner Nase lieber als ein Kernkraftwerk in 50 Kilometern Entfernung."

Einer, der Nutzen hat, falls die Windräder gebaut werden, ist Stefan Dinkel aus Buch. "Ja, ich bin derjenige aus Buch, auf dessen Fläche ein Windrad entstehen würde. So eine heile Welt wie hier zu hören ist, gibt es auch in Buch nicht, da auch der Klimawandel zu spüren ist. Als Landwirt merke ich das deutlich, deshalb bin ich für erneuerbare Energien."

Nachdem mehrfach der Wunsch laut wurde, gemeinsam eine Windkraftanlage zu besichtigen, wird das, wie Dietz im Schlusswort sagte, ins Auge gefasst.

Häckner ist bereit, eine Veranstaltung mit Fachleuten zum Thema Ultraschall durch Windräder zu organisieren oder auch einen "Runden Tisch" einzurichten.



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