Ebelsbach
Kabarett

Was Pfarrern zum Hals raushängt

Vier evangelische Kirchenleute bringen in Ebelsbach die Schattenseiten der Seelsorge auf den Punkt.
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Die vier Akteure Beate Frankenberger, Hannes Schott, Irene Geiger und Olaf Stegmann (betrachteten die Situation der Pfarrer und der evangelischen Kirche mit Selbstironie und viel schauspielerischem Können. Foto: Maria Egglseder
Die vier Akteure Beate Frankenberger, Hannes Schott, Irene Geiger und Olaf Stegmann (betrachteten die Situation der Pfarrer und der evangelischen Kirche mit Selbstironie und viel schauspielerischem Können. Foto: Maria Egglseder
Die Kirche als Lachnummer, auch das darf sein, wenn es gut gemacht ist. Zu einem vergnüglichen Samstagabend begrüßte Dieter Eisenacher die Zuhörer im vollbesetzten Ebelsbacher Bürgersaal.

Der evangelische Posaunenchor Gleisenau hatte anlässlich seines 90-jährigen Bestehens zu einem Kabarettabend mit dem Ensemble "Das weißblaue Beffchen" eingeladen. Es ist das älteste und bekannteste Kirchenkabarett Deutschlands und feiert in der Saison 2015/16 sein 40-jähriges Bühnenjubiläum.

Mit ihrem Programm "Das weißblaue Beffchen und der Stein der Weisen" sind die klerikalen Kabarettisten, die aus verschiedensten Teilen Bayerns kommen, derzeit in ganz Süddeutschland unterwegs, zuletzt auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart.

Dezent und doch treffend

Die Pfarrerinnen Beate Frankenberger und Irene Geiger und ihre Pfarrkollegen Olaf Stegmann und Hannes Schott nehmen mit hintersinnigem, dezentem und doch sehr treffendem Humor ihre tägliche Erfahrung und die Situation der Kirche aufs Korn.

Schnell wird klar, dass sie mit ihren selbstgeschriebenen Texten ganz nahe am Puls der Zeit sind. Auf die Frage, was denn ein Beffchen ist, kommt vom Chef der Truppe, Harald Richter, die knappe Antwort: "Das ist das, was dem evangelischen Pfarrer zum Halse heraushängt."

Mit großem Bogen

Das Programm besteht aus 28 einzelnen Auftritten, die jedoch von einem großen Bogen überspannt sind. Für die musikalische Umrahmung sorgte Josef Hüglauer am Klavier. Auch die kurzen Umbauphasen wurden von ihm kurzweilig "überspielt".

Zu Beginn präsentieren sich die Vier als Zauberer in der Schule von Gottward, wo sie lernen sollen, den Stein der Weisen zu finden, der alle Klugheit der Welt für dumm erscheinen lässt. Auf dem Weg dorthin schlüpfen sie in viele Rollen, die sie bis ins kleinste Detail hervorragend ausspielen.

Ohne große Dekoration ist das Wichtige sofort erkennbar. Sie durchleuchten das Leben der Pfarrsekretärinnen, die sich beim Stammtisch über die Marotten und Fehler der "Chefs" auslassen, und fragen sich, warum so viele Religionen sich mit dem Friedensgruß begrüßen und doch ständig miteinander Krieg führen. Dabei weisen sie ganz gezielt auf das Flüchtlingsproblem hin und schaffen es bei aller Ironie, das Publikum nachdenklich zu machen.

Ertappt!

So mancher Besucher fühlte sich beim Sketch über die Gottesdienstbesucher ertappt, wenn die Predigt der Pfarrerin in den Hintergrund gerät und die eigenen Gedanken eine ganz andere Richtung einschlagen.
Für Abwechslung sorgen die Soloauftritte der Kabarettisten und die musikalischen Vorträge. "Tirili, tirila, es ist hier und doch nie da. Aberakadabera, jetzt ist er nicht mehr da...", so klingt es zu dem Phänomen der "Pfarrmorgana" bei dem man den Pfarrer aus der Ferne glänzen sieht, aber wenn man ihm zu nahe kommt, dann ist er verschwunden.

Auch das "Vorgänger-Problem", die Gestaltung von Taufe und Trauung und was ein Pfarrer alles haben muss, wurde dem Publikum in herrlicher Selbstironie nähergebracht.

Und immer wieder warben die vier um die Mitglieder ihrer Kirche. Olaf Stegmann als Howard Carpendale begeisterte die Zuhörer mit seinem umgedichteten Song: "Fremde oder Freunde, was werden wir sein? Kommt ihr uns mal besuchen oder bleiben wir allein?"

Am Ende finden die Zauberlehrlinge den Stein der Weisen in der Krippe und verabschieden sich mit dem Lied: "Nach dem Tauffest geht es weiter...

Das Publikum bedankte sich mit standing ovations für diesen gelungenen Abend, mit dem sich der Posaunenchor Gleisenau ein herrliches Geschenk zum Jubiläum gemacht hat. Wer das Ganze noch mal erleben möchte, sollte sich als Termin den 11. Juli vormerken. Das weißblaue Beffchen tritt dann um 19.30 Uhr in der Johanneskirche in Hallstadt auf.

Wann ist Pfaff ein Pfaff?

Susanne Thorwart, von Hannes Richter als "Urvieh des Kabarett" gewürdigt, wird die Truppe nach 20 Jahren verlassen. Sie übernahm die geforderte Zugabe und sang nach der Melodie des Herbert-Grönemyer-Hits "Männer" die umgeschriebene Version "Pfaffen" . red


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