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Region  // Haßberge

Amtsgericht

War Faustschlag eine Kopfnuss?

Mit 200 Tagessätzen gilt er als vorbestraft: Ein 40-Jähriger kassiert für eine Körperverletzung eine empfindliche Strafe.
Foto: Symbolbild
 
von HELMUT WILL
Wusste er wirklich nicht, was er getan hatte oder wollte er vortäuschen, dass er wegen des wohl reichlich genossen Alkohols möglicherweise in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt war? Das hat das Gericht offensichtlich nicht angenommen, denn der 40-jährige Dachdecker aus dem Landkreis Haßberge erhielt eine spürbare Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je 15 Euro, also 3000 Euro. Wobei hier die Zahl der Tagessätze schmerzlicher sein dürfte als die Geldsumme: Ab einer Höhe von 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft mit allen rechtlichen Konsequenzen und Eintrag ins Führungszeugnis.

Im Mai 2016 hatte der Angeklagte in der Kreisstadt eine Bekannte mit "Hure" und "Schlampe" betitelt und ihr mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, zitierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Bamberg aus der Anklageschrift. Außerdem habe er einen Mann, der der Frau zu Hilfe kam, zu Boden geworfen und in seine Richtung getreten.

Der Angeklagte sagte bei seiner Vernehmung vor Gericht auf Vorhalt von Richterin Ilona Conver: "Ich weiß von nichts, wohl wegen des Alkohols, die Frau kenne ich und auch den Mann, mit denen ich eigentlich sehr gut befreundet war."



Entschuldigung nicht angenommen

Er habe sich bei der Frau entschuldigt, führte der 40-Jährige aus, diese habe die Entschuldigung jedoch nicht angenommen und ihm zurückgeschrieben, dass er sich das hätte vorher überlegen sollen. Eine Beamtin der Polizeiinspektion in Haßfurt sagte aus, dass die Frau nach dem Vorfall zur Polizeiinspektion kam und stark betrunken gewesen sei. "Mit ihr war es nicht möglich eine vernünftige Vernehmung zu fertigen, weshalb ich sie nach Hause schickte und ihr sagte, dass sie am nächsten Tag wieder kommen soll."

Außerdem, so berichtete die Beamtin, habe bei der Geschädigten an dem Abend ein Alkotest zwei Promille ergeben. Die 51-jährige Arbeitslose sagte aus, dass der Angeklagte sie beleidigt und geschlagen habe. Zu dem Schlag sei es gekommen, nachdem sie ihn als "Schmarotzer" bezeichnet hatte. Die Zeugin legte merkbar Belastungseifer an den Tag; das führte das Gericht auch später in der Urteilsbegründung an.


Besoffen oder nicht?

Die Alkoholisierung sei beim Angeklagten nicht so toll gewesen, hatte die Frau angegeben - was von einem weiteren Zeugen jedoch anders dargestellt wurde. Der meinte, dass der Angeklagte "ganz schön besoffen" war und die Frau nur geschubst, nicht geschlagen habe. Eine "Kopfnuss" sei es gewesen, sagte der Zeuge aus, der der Frau zur Hilfe eilte und vom Angeklagten deshalb zu Boden gestoßen wurde. Er sei nicht verletzt worden. "Bei mir war das nicht so wild, ich fiel halt auf den Boden." Allerdings wäre der Angeklagte sehr aggressiv gewesen, und es wäre wohl mehr passiert, hätten ihn nicht weitere Personen zurückgehalten.

Kein unbeschriebenes Blatt war der Angeklagte, wie ein Blick in das Bundeszentralregister zeigte. Fünf Einträge hatte er, auch wegen gefährlicher Körperverletzung, wofür er sich schon eine Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung eingefangen hatte. Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung, auch auf Grund seiner Vorbelastung und weil er zur Tatzeit unter offener Bewährung stand.


"... und wenn, tut es mir leid"

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Christian Merkel, plädierte auf eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen, wobei der Tagessatz seinem geringen Einkommen angepasst werden müsse. "Ich weiß nicht, was passiert ist, und wenn, tut es mir leid", sagte der 40-Jährige in seinem Schlusswort.

200 Tagessätze zu je 15 Euro war das Urteil des Gerichts, Ratenzahlungen in Höhe von monatlich 100 Euro wurden dem Mann zugebilligt. Eine verminderte Schuldfähigkeit könne sie nicht erkennen, argumentierte die Richterin und hielt eine spürbare Geldstrafe für ausreichend. Der Angeklagte und sein Verteidiger nahmen das Urteil an, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu vorerst nicht.
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