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Region  // Haßberge

Konzertvorschau

Vor Eyrichshof-Gastspiel: Fendrich nachdenklich

Rainhard Fendrich stimmt mit seinem aktuellen Programm Hits aus über 30 Jahren, aber auch kritische und hochpolitische Töne an.
Eine üppige Lightshow setzt Fendrich und Band ins rechte Licht, wobei auf Distanz zu rechtem Gedankengut gehalten wird. Fotos: Ralf Kestel
 
von RALF KESTEL
"Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn?", fragt einer von Bühne. Die Gegenfrage: Haben Sie Fendrich schon mal live gesehn? Es lohnt sich, wie sich bei einem seiner ersten Konzerte im Zuge der eben gestarteten Tournee in der Arena Nürnberger Versicherung gezeigt hat - und am 28. Juli im Schlosshof zu Eyrichshof nachgeprüft werden kann.

Wer dabei aber dem launigen Fernsehmoderator und Herzblatt-Kuppler nachspüren will, muss sich sputen. Fendrich ist ernster geworden - und politischer. Und der bald 62-Jährige kokettiert mit dem (seinem) Alter. Die Anspielungen auf die "grau melierten Herren" beziehen sich nicht nur auf die (vielen) betagten Zuhörer, ein Song vom aktuellen Album"Schwarzoderweiss" macht aber ergrauten Damen Hoffnung und Mut mit Fendrichs Kompliment "Du bis schön".


Wer schützt Amerika?

Bereits aus dem Jahr 2015 stammt der Song "Wer schützt Amerika", wo nun totales Chaos herrsche, weil der Rechtspopulismus in Person des neuen Präsidenten Donald Trump Realität geworden sei.

Mit Trump, dessen Politik und Denkweisen rechnet der Wiener schonungslos ab. In Songtexten und in seinen (berüchtigten) Erklärungen zwischen den einzelnen Nummern, die viel von ihrer einstigen Lustigkeit verloren haben. "Man darf keinen Staat und auch keine Religion unter Generalverdacht stellen."

Ein kritischer Kopf macht sich Gedanken über die aktuellen Auswüchse von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsradikalismus. "Ob ein Mensch gut oder schlecht ist, erkennt man nicht an seiner Hautfarbe ", kommentiert der Songwriter seine aktuelle Singleauskoppelung "Schwarz oder weiß" und hängt gleich "Brüder" aus dem Jahr 1993 an, ein Bekenntnis zu einem türkischen Freund.

Und in einer Zeit, da wieder Mauern errichtet werden, hat auch "Frühling in Berlin" unverhofft aktuelle Bezüge.
Die Hoffnung auf "Frieden" - diese "große, unerfüllte Menschheits-Illusion", auch ein ganz neuer Titel, will Fendrich noch nicht ganz begraben, auch wenn es keinen Frieden mehr gibt, seit der Homo sapiens eine Keule in die Hand nahm. "Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben", zitierte der Österreicher Jimi Hendrix und spielt damit auf Machtstreben und Korruption an. Der "Tango korrupti" folgte zwangsläufig.

Mit so viel Ernsthaftigkeit verstörte Fendrich offensichtlich viele der 3500 Besucher in Nürnberg, die mehr den Spaßmacher und Entertainer erwartet hatten.

Den gab's natürlich auch. Los ging's mit "Es lebe der Sport" und auf der Zeitreise strampelte der Sänger und Komponist über 30 Jahre zurück, in die Jahre, als "sich noch so schwarze Scheiben auf einem Teller drehten".

Die älteste Nummer dabei: die Liebeserklärung an seinen De-Tomaso-Sportwagen namens Zweierbeziehung "Gestern hot mi des Glück verlassen, es liegt aufm Autofriedhof draußen". Diesmal fliegt der Wagen aber nicht wegen zu hohen Tempos aus der Kurve, sondern weil "diese AfD-Dame dort gstonden wor" . Ein bisschen Gaudi muss aber auch sein: Rainhard Fendrich beginnt den zweiten Teil des Konzerts als Solonummer: ein Mann und seine Gitarre - und seine Erfolgsnummern. "Macho, Macho", "Oben ohne", "Strada del sole" bringen endlich Bewegung ins Auditorium.

Danach war's vorbei mit den politischen Aussagen. Wer nur ein paar Fendrich-Songs kennt, wurde nicht enttäuscht, denn die kommerziellen Meisterwerke waren alle dabei: "I am from Austria" zum Beispiel, diese Ode an die Heimat, "weil ich stolz bin, einen österreichischen Pass zu besitzen, die mir aber so oft entrissen wurde, ohne dass ich etwas dagegen machen konnte. Sie wurde in Fußballstadien intoniert, aber auch von Neonazis". Und dann diese unerschütterliche Liebeserklärung "Weus'd a Herz host wia a Bergwerk", die Liebes-Kapitulationen "Es tuat so weh, wenn man verliert" oder "Tränen trocknen schnell".


Auch Schmuse-Balladen

Die Schmuse-Balladen nahmen kein Ende bei diesem Gastspiel, das über zweieinhalb Stunden dauerte. "Manchmol denk I nuch an di" oder "Vuü schöner is des G'fü".

Dazu noch die Hitparaden-Renner wie "Malibu", "Midlife-Crisis" oder "Haute volee". Und dann doch ein Kalauer: Der neue Song von der coolen Lieselotte.

Der Sound perfekt, die Musik ohne Schnörkel, keine ausschweifenden Soli. Die Produktion: Üppige und originelle Lightshow. Die Texte: Ehrlich. Der Meister: Gut gelaunt und auch ehrlich, wobei Zweifel erlaubt sind, ob er Smartphone wirklich so hasst, wie er erzählt.

"Nach 30 Jahren stellt sich die Frage, ob es mir noch Spaß macht, meine alten Sachen zuspielen, nicht. Es macht mir einfach Spaß, weil ich meinen Beruf liebe und gerne auf der Bühne stehe", bekannte Fendrich.

zum Thema "Schloss Eyrichshof"

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