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Region  // Haßberge

Chorkonzert

Voll percussiver Prägnanz und mit Paukenschlag in Rügheim

Bei der 1200-Jahr-Feier des Hofheimer Stadtteils Rügheim begeisterte die Kantorei mit Gästen am Samstag mit Carl Orffs "Carmina Burana" 700 Zuhörer.
Matthias Göttemann führte mit 150 Sängern, 20 Kindern, drei Gesangssolisten und Percussion-Ensemble die "Carmina Burana" auf und begeisterte 700 Zuhörer im Rügheimer Festzelt.  Foto: Sabine Meißner
 
von SABINE MEIßNER
Es ist wohl alles schon einmal geschrieben worden über die "Carmina Burana", diese dem 11. und 12. Jahrhundert entstammenden Lieder aus dem Kloster Benediktbeuren, in der Vertonung von Carl Orff. Viel hörenswerter als darüber zu lesen sind die Gesänge, die der Komponist Mitte der neunzehnhundertdreißiger Jahre in einer szenischen Kantate zusammengefasst hat und in der jede Nummer ein Ohrwurm ist.

Trunkene Feste und der Kirchentag

Die Huldigung der Schicksalsgöttin Fortuna, dazwischen Spottlieder und Gesänge, die von Frühling, Liebe und von ausgelassenen, trunkenen Festen handeln, am Vorabend des Unterfränkischen Kirchentages - wie passt das zusammen? Tatsächlich hatte auch Dekan Jürgen Blechschmidt zu Beginn der Probenphase von "Kirchenmusik in den Hassbergen" gesagt: "Eigentlich glauben wir ja an etwas anderes als an die Schicksalsgöttin." Aber es sei so ein lebensfrohes Werk mit großartiger Musik", da wolle er einfach dabei sein und ordnete sich in die Stimmgruppe Tenor der Kantorei ein.

Nahezu perfekt passt das Werk zur 1200-Jahr-Feier der 800-Seelen-Gemeinde Rügheim. Dieses Jubiläum ist es, das den Kirchentag als Großveranstaltung hierher holte. Die Verbindung zwischen Jahrestag und Kirchentag mit weltlichen Liedern und Gesängen aus dem Kloster herzustellen, damit den Bogen zu den Anfängen des Dekanatsortes zu schlagen, hat zweifellos etwas Besonderes. Zu Unterfranken gibt es eine weitere Verbindung, denn in einem Würzburger Antiquariatskatalog hatte Orff einst den Titel gefunden, der ihn magisch anzog, die "Carmina Burana".

Das gefällt

Aus 150 Damen und Herren von "Kantorei Hassberge" und "Oratorienchor Würzburg" hat Dekanatskantor Mathias Göttemann einen großen Chor geformt. "Es wird auch Konzertbesuchern gefallen, die sonst nicht in klassische Konzerte gehen", hatte er in einer Vorankündigung mitgeteilt. Er sollte Recht behalten. Nicht nur die ersten im vollen Fortissimo gesungenen Takte ("O Fortuna") faszinierten die Zuhörer im Festzelt. Mit einem Pianissimo, dass sich hören lassen konnte, ging es weiter.

Ein bestechender Männerchor ("In taberna") und betörend swingende Frauen ("Veni, veni...") sowie ein atemberaubend von staccato in tenuto wechselnder Chor ("Tempus est iocundum") versetzte dank Orffs kraftvoller Musik in wechselnden Stimmungen die Zuhörergemeinde in einen Rausch, der sich am Ende in frenetischem Beifall entlud. Der Applaus galt einem überragenden Chor, zu dem sich, wie von Orff vorgegeben, ab Nummer 15 frische Kinderstimmen gesellten.

Variante von Killmayer

Göttemann hatte sich für die "Carmina" in der Fassung für Solisten, Chor, zwei Klaviere und Schlagzeug entschieden, eine Variante, die Wilhelm Killmayer 1956 im Auftrag seines Lehrers Carl Orff eingerichtet hat. Keine zweite Wahl, wie sich herausstellte, denn musikalisch hat diese Version ihren eigenen Reiz. Die Klaviere verleihen der ohnehin starken Rhythmik eine durchdringende Wirkung. Vom Pianisten-Duo Katia Bouscarrut und Tobias Hartlieb exzellent gespielt, ergab sich die überzeugende Version.

Der Chor brachte sich mit beispiellos präziser Aussprache und reiner Intonation in die leidenschaftliche Interpretation ein. Keine leichte Aufgabe für das Solistenensemble, dieser Begeisterung zu folgen, zumal die Sopranistin Fabienne Conrad und Bariton Uwe Schenker-Primus krankheitsbedingt sehr kurzfristig abgesagt hatten. Nur Solist Frieder Aurich stand als Tenor wie geplant auf der Bühne und sang seine Partie als Schwan mit schwindelerregend hohen Tönen. Der eingesprungene Daniel Fiolka überzeugte mit einem klangvollen Bariton ("Si puer cum puellula"). Lyrisch gab Anke Endres, als Sopranistin ebenfalls kurzfristig besetzt, dem "Mägdelein" Ausdruck ("Stetit puella").

Das aus den Schlagzeugern Hans-Peter Krause, Philipp Becker, Kurt Sitterli und Katharina Rachor bestehende "Percussion-Ensemble" erwies sich mit Pauke und Orff-Instrumenten sowie virtuoser Prägnanz als vollkommene Besetzung. Zu Beginn des Konzertes hatten sie bereits mit "Percussion Canticles 7" von Stefan Johannes Walter, der ebenfalls mitwirkte, aufhorchen lassen.

Am Ende nahm ein schweißgebadeter, aber glücklicher Matthias Göttemann den Applaus eines begeistert jubelnden Publikums entgegen. Am darauffolgenden Tag gab es eine Wiederholung der Aufführung in Würzburg. Dann allerdings ohne Chorsänger Blechschmidt, denn Dekan Blechschmidt hatte beim Kirchentag seinen großen Auftritt.


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