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Informationsveranstaltung

Turbulenzen und Tumulte bei Windkraft-Info

In Lichtenstein sollte es um die Vorstellung des Projektes für die Einheimischen und um ein Referat über Infraschall gehen.
Diese Animation, veröffentlicht im Zusammenhang mit den ersten Beratungen und Beschlüssen zum Windpark Lichtenstein-Buch im Untermerzbacher Gemeinderat Anfang April, ließ viele Bewohner dieser umliegenden Orte und darüber hinaus hellhörig werden. "Super, deswegen bin ich da rauf gezogen", ärgerte sich ein Lichtensteinerin.   Animation: Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte
 
von RALF KESTEL
Wie war das noch mit dem Elefanten im Porzellanladen? Das Bild drängte sich auf, bei der Informationsveranstaltungen zum geplanten Windpark Lichtenstein-Buch am Montagabend in der alten Schule. Dau hatten die Bürgermeister Ralf Nowak (ULB, Pfarrweisach) und Helmut Dietz (SPD, Untermerzbach) eingeladen. Dickhäuter und Windräder, wie passt denn das zusammen? Ein dickes Fell benötigten die beiden Bürgermeister, Elefantenherden wurden bemüht, um die Übertragung nicht hörbarer Schallwellen über weite Entfernung zu belegen. Und kräftig gepoltert wurde auch. Die Stimmung war mitunter mehr als gereizt.

Dabei bemühten sich besonders die Referenten um Sachlichkeit, vor allen Dingen der Physiker Lorenz Herrmann, dessen Büro aus Höchberg für die Landesregierung von Baden-Württemberg mehrere Messreihen über tieffrequenten Schall, der vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrgenommen wird, rund um Windräder vorgenommen hat.


Mit Buh-Rufen empfangen

Doch schon bei der Begrüßung durch Bürgermeister Ralf Nowak gab es Buh-Rufe, was sogar einige Vertreter aus den Reihen der Bürgerinitiative störte, zumal sich der Störer kaum besänftigen ließ. "Das musste ja im Chaos enden"", seufzte der gemäßigte Windrad-Skeptiker Rolf Ospel aus Buch, als sich Vertreter unterschiedlicher Bürgerinitiativen gegenseitig ins Wort fielen. Unbefangene Lichtensteiner hingegen wollten "sich einfach nur einmal informieren".

Letztlich kamen die beiden Bürgermeister doch zu Wort, die aus ihrer grundsätzlich positiven Haltung zum Projekt keinen Hehl machten. Im ersten Verfahrensschritt, Antrag auf Herausnahme aus dem Naturpark, hätten auch beide Gemeinderäte zugestimmt, wie informiert wurde. Dietz: "Darüber wird demnächst im Kreistag gesprochen. Die Gemeinde ist danach nur für die Bauleitplanung und die Änderung des Flächennutzungsplanes zuständig."


Spezialist für Infraschall

Weiter verwies Dietz darauf, dass es in Gereuth eine Bürgerinformation zu Standorten, Technik und Wirtschaftlichkeit gegeben habe. Jetzt seien die Pfarrweisacher an der Reihe. Neu auch für ihn seien die Ausführungen über die Ausbreitung des Infraschalls.

Dessen nahm sich der Physiker Herrmann akribisch an. Mit Unmengen an Diagrammen aus den Messreihen seines Büro und des württembergischen Landesamtes trug er einen wissenschaftlichen Ansatz vor: Er wollte belegen, dass in einer Entfernung von 650 Meter zu einem Windrad kein Infraschall mehr auftritt, der stärker ist als auf einer Wiese, wo weit und breit keine Windmühle steht.

Es blieb beim Versuch, viele Kritiker nahmen ihm seine Angaben nicht ab, vermissten von dem Physiker besonders Aussagen zu medizinischen Folgen. Stattdessen wurde das Beispiel einer Elefantenherde bemüht, die sich mittels Infraschall auch über weite Entfernungen "unterhalte".


Die Werte-Debatte

Aus der Wiesen-Bemerkung leitete ein Lichtensteiner die Schussfolgerung ab, dass "man dann eben keine Häuser mehr auf Wiesen bauen darf".

Der Umkehrschluss sei richtiger, meinte der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbaren Technologie-Projekte (GUT), Gunther Häckner: "Die Pegel eines Windrades liegen nicht über denen einer Heizung im Haus oder einer Wiese im Wind. Wir reden von Werten, wie sie jetzt schon in der Natur oder in jedem Haushalt vorkommen."

Ortssprecher Norbert Lohneiß aus Gleusdorf erinnerte wegen der Gesundheitsängste an die vielen Windräder an Ost- und Nordsee, wohin ja viele Menschen in Urlaub fahren. "Dann müssten die Leute dort ja alle krank sein."
Bürgermeister Dietz fand, dass die Anwohner an der Staatsstraße in Untermerzbach viel schlimmeren Belastungen ausgesetzt seien. "Wo bleibt denn das Interesse am Gemeinwohl?", fragte das Untermerzbacher Gemeindeoberhaupt, wenn "wir die nachfolgenden Generationen von Entwicklungen abkappen, dann hängen die wieder am Ende".


Richterspruch abwarten

Für Dietz ist die Nutzung der Atomkraft die größere Gefahr. "Hier geht es um die Zukunftsfähigkeit. Jeder will Strom, und irgend woher muss er halt kommen. Bei diesen Windrädern hilft uns die Natur."

Susanne Weis verwies auf eine Klage, die wegen Windräder beim Bundesverfassungsgericht anhängig sei, und forderte ein Moratorium, bis ein Urteil gesprochen sei. Rolf Ospel unterstrich, dass "wir nicht generell gegen die Windkraft sind, aber der jetzt gewählte Standort ist für solche große Anlagen falsch". Einen Fehler gestand Bürgermeister Nowak auf Vorhalt von Ospel ein: "Es war mir nicht bewusst, dass wir die Informationsversammlung vor der Gemeinderatsentscheidung hätten machen sollen. Das hätte besser laufen können, wir hätten's vielleicht eher machen sollen."

Ein Umdenken hat bei Kreis- und Gemeinderätin Birgit Finzel (CSU) schon eingesetzt. "Wenn ich gewusst hätte, dass die Bucher komplett dagegen sind, hätte ich anders gestimmt." Sie werden bei künftige Beratungen im Gemeinderat wie im Kreistag nicht dafür stimmen, kündigte die CSU-Ortsvorsitzende an. Was beim SPD-Bürgermeister schlecht ankam. "Ich bin von der Kollegin enttäuscht. Sie hätte sich wie alle anderen Gemeinderäte doch selbst informieren können", sagte Helmut Dietz. "Ich steh' dazu."

Dietz verwies auf positive Erfahrung durch die beiden Windräder am Bretzenstein. "Fragen Sie doch mal in Recheldorf oder Hemmendorf. Da gibt's keine Klagen." Eine Lichtensteinerin indes wusste von "vielen Leuten aus Ebern, die sich über den nächtlichen Lärm der Windräder beklagen". Namen nannte sie keine.


Fahrt zu Windparks

Gunther Häckner empfahl dazu einen Besuch der Windparks bei Gädheim oder Sailershausen. "Reden Sie einfach mit den Leuten, die dort wohnen." Seitens der Gemeinden Pfarrweisach und Untermerzbach soll eine solche Fahrt organisiert werden, sicherten beide Bürgermeister zu.

zum Thema "GR Pfarrweisach"



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