Haßfurt
Selbsterfahrung

Teilnehmer aus ganz Europa

Zum zweiten "Internationalen Tàijíquán-Push Hands-Treffen" kamen über 50 Teilnehmer nach Haßfurt. Bei den Übungen geht es darum zusammen mit seinem Gegenüber sein inneres Gleichgewicht zu finden.
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Mehr als 50 Teilnehmer aus sieben Ländern Europas nahmen am zweiten "Tàijíquán-Push Hands-Treffen" in Haßfurt teil. Fotos: Naumann
Mehr als 50 Teilnehmer aus sieben Ländern Europas nahmen am zweiten "Tàijíquán-Push Hands-Treffen" in Haßfurt teil. Fotos: Naumann
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Die Regeln sind einfach: "Unter Beachtung der Tàijí-Prinzipien müssen jeweils zwei Partner versuchen, den Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu stoßen", sagt Roland von Loefen. Der 49-Jährige sprach dabei nicht von Ringen oder Karate. In Haßfurt ging es beim 2. Internationalen "Tàijíquán-Push Hands-Treffen" vier Tag lang vielmehr um das "Freie Pushen" - einer speziellen Form der im chinesischen Kaiserreich entwickelten Kampfkunst, die auch "Die Kunst der Begegnung" genannt wird.

Der in Zell lebende von Loefen, Lehrer der Tàijíquán-Schule des zentralen Gleichgewichts und wieder Hauptorganisator der Veranstaltung, freute sich, dass erneut über 50 Tàijí-Begeisterte aus sieben europäischen Ländern in die Kreisstadt gekommen waren. Für den 49-Jährigen, der auch Karate-Erfahrungen sammelte, sich seit 1995 aber ausschließlich nur noch mit der "inneren Kampfkunst" beschäftigt, stand im Vordergrund, "mein Verständnis des Tàijíquán im Workshop weiterzugeben."


"Übung des Spürens und Fühlens"

Deshalb lautete das Motto auch, die klassischen Schriften des Tàijí anzuwenden und besser zu verstehen. "In China war Push Hands in früheren Tagen bekannt als eine Übung des Spürens und Fühlens", machte Roland von Loefen deutlich und fügte hinzu: "Es entwickelt die internen Qualitäten der fünf Elemente: kleben - verbinden - haften - folgen - keinen Widerstand leisten und nicht die Verbindung lösen."

Sehr angetan war Anna Muck (50), die aus Wien gekommen war. "Ich bin angenehm überrascht", hatte sich für die Österreicherin die über 600 Kilometer lange Autofahrt nach Haßfurt gelohnt. "Es entspricht genau den Tàijí-Prinzipien und den Möglichkeiten, neues auszuprobieren." Vor 18 Jahren kam sie auf einer Fortbildung für Sozialarbeiter "eher zufällig" zu der Kampfkunst. "Ich war fassungslos, wie schön das ist", erinnert sie sich gerne an ihre erste Begegnung. Dabei hegte sie "keinen Gedanken, ob ich das kann, ob das schwer ist, ob das lange dauert, ob das Geld kostet. Egal, das mach ich auch", lacht Muck. Für sie ist Tàijí in erster Linie "entspannend". Skeptiker, die mit den langsamen Bewegungen nichts anfangen können, würde sie aber nicht überreden. "Ich glaube, wenn jemand auf Tàijí anspricht, dann spürt er es. Und wenn man nichts spürt, dann lässt man es besser bleiben." Dass es "auch Schwierigkeiten" geben könne, will sie nicht von der Hand weisen. "Es ist sicher nicht nur lustig. Man kommt schon ab und zu an seine Grenzen und möchte diese überschreiten."

Elfriede Andres nahm nach der gelungenen Premiere vor einem Jahr erneut teil, "weil ich hier die Möglichkeit habe, mein bisheriges Wissen vom Tàijí zu vertiefen und ganz intensiv zu üben mit vielen verschiedenen Menschen. Man kann viel von den anderen lernen." Seit 1984 beschäftigt sich die Bambergerin, die in Gleisenau aufgewachsen ist, mit Tàijí. Doch gerade das "Pushing Hands", das ihr "lange sehr fremd und auch ein bisschen unangenehm" war, hat es ihr mittlerweile sehr angetan. "Um aber weiterzukommen ist es wichtig, auch mit dem Gegenüber zu trainieren", betont die Sozialarbeiterin, die in der Frühförderung der Lebenshilfe in Forchheim arbeitet.

Es gebe sofort eine Antwort, man könne davon profitieren und sich verbessern. "Das Verständnis für Tàijí wird dadurch intensiviert und erweitert." Wie Anna Muck hält auch Elfriede Andres nichts von Überredung. "Ich würde den Interessierten einfach sagen, dass es eine gute Methode ist, einmal zu sich zu kommen. Man hat einfach einen Luxus an Zeit, mit seinem eigenen Körper zu arbeiten, sich zu spüren und die Haltung zu verbessern", verweist sie auf die positive Wirkung für die Gelenke, die Bänder oder die Atmung. "Tàijí ist gesundheitlich sehr wertvoll."


2015 Hoffen auf den Meister

Indes bedauerte Roland von Loefen, dass Herr Wee Kee Jin nicht wie ursprünglich geplant teilnehmen konnte. Der Zeller hofft, dass sein neuseeländischer Lehrer nun 2015 die unterfränkische Kreisstadt besucht und beim dritten geplanten Tàijíquán-Push Hands-Treffen sein großes Wissen weitergibt. Immerhin ist der gebürtige Chinese der letzte von nur vier Schülern, der bei seinem 1992 verstorbenen Lehrer Huang Sheng Shyan lebte und über vier Jahre tagtäglich Tàijí lernte. "Er hat für ihn auch übersetzt, wenn er in Australien, Malaysia und Neuseeland unterrichtete", erklärte von Loefen. "Zwischen sechs und acht Stunden täglich, ohne Pause."

Wee Kee Jin, der Anfang der 90er von Singapur nach Neuseeland auswanderte, unterrichtet heute weltweit und gibt seinen Schülern die Möglichkeit, genauso zu lernen, wie er selbst bei seinem Lehrer. Roland von Loefen lernt von ihm seit 1998. In den letzten vier Jahren besuchte er seinen Lehrer zudem in Neuseeland, wurde in das Familienleben aufgenommen und vertiefte sein Taiji-Training auf den vierwöchigen Sommer-Camps.
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