Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Abenteuer

Sie entdecken die Welt auf den Spuren eines Tagebuchs

Erkunden, was jene damals gesehen, gedacht oder beobachtet haben. Diesen Traum erfüllten sich kürzlich Sebastian Kuboth und seine Frau Sara.
Sebastian Kuboth und seine Frau Sara haben über 400 Tagebücher und 100 000 Briefe und Dokumente zuhause. Einem Tagebuch, das ein Allgäuer Soldat während des Krieges der Bayern und Österreicher gegen die Preußen aufgeschrieben hat, ist das junge Paar nun nachgereist. Fotos: Carmen Schuler-Bierbaums
 
Bereits mehrfach haben wir über den Oberthereser, der seit einigen Jahren München zu seiner Wahlheimat gemacht hat, berichtet. Neben dem Aufnehmen von Hörspielen und seinen inzwischen durch Funk und Fernsehen bekannten Führungen zu beliebten Münchner Drehorten hat Kuboth eine weitere Leidenschaft: Das Sammeln historischer Quellen aller Art. Nachzulesen sind diese auf Facebook und auf seiner Homepage: www.geschriebene-geschichte.de Bei einer seiner Recherchen hat er auch das 150 Jahre alte Tagebuch aus dem Jahre 1866 von Valerian Mayr entdeckt. Ein Allgäuer Soldat, der seine Reiseeindrücke aus dem Krieg der Bayern und Österreicher gegen die Preußen schilderte. Er war von dessen Geschichte sofort fasziniert. "Da das Tagebuch von unserem aktuellen Wohnort, also München, bis zur "Frankenfront", also meiner Heimat führt, haben wir entschlossen, seinen Weg nachzufahren, um in Anlehnung an das Tagebuch auch seine Perspektive und Eindrücke besonderes real nachzuempfinden", berichtet der 29-Jährige. Auch Alltagsgeschehnisse sollten dabei nachgespürt werden, was bei den jungen Leuten einen besonderen Reiz ausmachte. Am meisten Spaß hatten Kuboth und seine Frau Sara an Mayrs Schilderungen des Alltags und dem Versuch, nachzuspüren, was der Allgäuer für ein Mensch gewesen sein könnte. "Er war sicher sehr gläubig. Wo er hinkam, hat er Kirchen besucht und beschwert sich, wenn irgendwo viel geflucht wird", erklärten beide. "Außerdem war er Sänger und Organist. Er beschreibt, wie er einmal kurzerhand in einem Kirchenchor mitgesungen hat, weil ein Sänger ausgefallen war."
Besonders interessant war aber auch die Tatsache, dass ihn sein Weg über Nürnberg bis in die Gegend von Schweinfurt, Gochsheim und Schonungen und später nach Würzburg geführt hat. Auf ihren Weg spürten sie Dörfer auf, in denen Valerian Mayr sich aufhielt und berichteten aktuell auf Facebook und Twitter über die Eindrücke und Erlebnisse dort.

"Schwer muss es dem jungen Soldaten ums Herz gewesen sein, als er sich von seinem Vater und den Hausangestellten verabschieden muss, um in den Krieg zu ziehen", berichtet Kuboth zu Beginn seiner Reise auf der Internetplattform Facebook "Geschriebene Geschichte". Als er Richtung München loszieht, um sich in der Kaserne zum Dienst zu melden, merkt er, dass ihn die Reiselust packt.

Nach einer gewissen Lehrzeit dort ging es für den jungen Soldaten weiter nach Ingolstadt, wo er Unterricht im Militärischen bekam, und von dort in Richtung Front, die sich zu dieser Zeit in Würzburg befunden hat. "In seinem Tagebuch beschreibt Valerian, wie er über Eitensheim, Eichstätt, Roth und kleineren Dörfern mit seinen Kameraden und den Pferden bis nach Nürnberg marschiert ist. "Diese Strecke sind wir ebenfalls nachgefahren", erzählt Kuboth und weiß weiter zu berichten, dass sich der junge Soldat in seinem Tagebuch über das seiner Meinung nach "hartklingen" der fränkische Dialekte beschwerte. "Es ist schon erstaunlich, dass sich ausgerechnet ein Allgäuer über unsere Dialekte beschwert", lächelt der Franke und erzählt, von einem Eintrag, der einen Bezug auf die Region von Schonungen nimmt.

"Mayr erzählt dort, dass sie auf Schonungen zuliefen, dann aber wegen den Preußen über schlechte Wege nach Gochsheim ausweichen mussten. Und er beschwert sich über seinen Hunger, den er dabei hatte", weiter erzählt er, dass die Truppe wohl dann in ein Dorf gelangte, in dem ihnen ein Mann Brot und ein Weiblein Buttermilch ausschenkte, was er in seinem Tagebuch als besondere Dienstwohltätigkeit erwähnte.

Über die alte Mainbrücke gelangt Valerian nach Würzburg, wo die Front verlief. Einquartiert war er in Heidingsfeld. Hier wusste der Soldat zu berichten: "Die Preußen waren nun bis an den Berg vorangerückt, der nächst der Veste Marienberg lag. Diese begannen nun ein Kanonenfeuer gegen die Veste, und gegen die seilthalbs über der Stadt. Das war ein wildes krachen der Geschütze, ein wütendes Gepfiffe der Kugeln."

Nach den Kämpfen in Würzburg ging es für den jungen Soldaten und seiner Kompanie zurück nach Ingolstadt und München wo er, laut seinem Tagebuch, sehnsüchtig darauf wartete, aus der Armee entlassen zu werden und endlich zu seinem geliebten Vater zurückkehren zu können. Es ist nicht bekannt, was aus Mayr geworden ist. Sein Tagebuch endet am 13. Oktober 1866 mitten in einem Satz. Die nächste Seite ist herausgerissen. Auf der ersten Seite sind Notizen zu lesen, die offenbar ein Familienforscher in späteren Jahren geschrieben hat. Dort ist als Sterbedatum Mayrs der 20. April 1930 vermerkt.

Dies ist allerdings nur eine Geschichte aus Kuboths riesigem Archivschatz von über 400 Tagebüchern und über 100 000 Briefen und Dokumenten. "Ich habe unendlich viele solche Lebensgeschichten und Schicksale dokumentiert, die sonst nirgends auftauchen", schwärmt der junge Mann und rät jedem, der seinen Dachboden entrümpelt, genau hinzusehen, was er in den Müll wandern lässt, nur weil man oft die alte Schrift nicht lesen kann. Es könnte sich auch hier um einen persönlichen und hochinteressanten Schatz handeln.


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.