70 Jahre FT 

Ober- treffen auf Unterfranken

Seit 1948 produziert der Fränkische Tag eine Lokalausgabe für das Gebiet des heutigen Landkreises Haßberge. Alteingesessene Redakteure und junge Journalisten arbeiten daran. Für Neulinge gibt es im HAS-Areal einiges zu entdecken.
Aus der jüngeren Geschichte: FT-Lokalchef Klaus Schmitt (Mitte) und der Redaktionsleiter der Konkurrenzzeitung Haßfurter Tagblatt, Dr. Martin Sage (rechts), interviewen den Landtagsabgeordneten Steffen Vogel.
 
von FRIEDERIKE STARK
Friederike Stark

Es ist ein Kardinalfehler, der einen sofort als ortsfremd entlarvt. Nur einmal im Leben passiert es dem FT-Redakteur, dass er statt "im Kreis Haßberge" die Formulierung "in den Haßbergen" wählt. Dann nämlich geschieht es, dass am nächsten Tag das Telefon ohne Unterlass klingelt.
Die Anrufer sind freundliche, aber bestimmte und vor allem stolze Bewohner des Landkreises Haßberge. Sie erklären dem ebenso oberfränkischen wie ahnungslosen Redakteur aus Bamberg, dass bitteschön die Haßberge zwar durchaus im Landkreis liegen, aber nicht stellvertretend für den Kreis stehen. Befinden sich doch im Landkreis auch der Steigerwald und das Maintal. Und das, das kann die Autorin dieser Zeilen versichern, wird auch der letzte ahnungslose Redakteur aus Oberfranken nie wieder vergessen. Diese kleine wahre Begebenheit zeigt, was den Landkreis so besonders macht: die stolzen Unterfranken und die facettenreichen Landschaften.
Dass die Oberfranken dazu neigen, die Relevanz und Schönheit der Region im Maintal und zwischen den Hügeln der Haßberge und des Steigerwaldes nicht gleich zu erkennen, zeigt auch ein Blick in die Historie des FT. Denn als der Fränkische Tag am 8. Januar 1946 erstmals erschien, gab es zwar bereits vier Ausgaben (Bamberg, Forchheim-Ebermannstadt, Höchstadt-Scheinfeld und Lichtenfels-Staffelstein-Ebern), die zweimal in der Woche mittwochs und samstags rund sechs bis acht Seiten stark erschienen.
Doch Nachrichten aus dem Raum Haßfurt ließen die Bamberger Zeitungsmacher nur in der Bamberger Hauptausgabe unter der Rubrik "Bamberger Umland" laufen. Die Eberner wurden mit der Lichtenfelser Ausgabe des Fränkischen Tages beliefert, die den Untertitel "Obermainbote" trug.
Doch ab dem 2. November 1948 erhielt der FT endlich eine fünfte Ausgabe und die Bewohner der damaligen Landkreise damit das, was sie verdienten: eine eigene Lokalzeitung für die damaligen Landkreise Haßfurt und Ebern mit dem Untertitel "Haßgau-Echo".
Leicht war es damals als Journalist sicher nicht, in diesen kleinteiligen Flächenlandkreisen der lokalen Nachrichtenlage Herr zu werden: Längst gab es nicht überall Telefone, es fehlte an Schreibmaschinen, manchmal gar an Stift und Papier. Und die weiten Strecken zwischen den Gemeinden waren kaum zu überwinden, schließlich waren Autos absolute Mangelware.
Diese weiten Entfernungen sorgten selbst 50 Jahre später, als längst Computer in der Redaktion Einzug hielten, das Internet die Arbeit der Journalisten revolutionierte, noch für Probleme. Musste doch so manch ein Volontär noch Ende der 1980er von Termin zu Termin trampen.
Inzwischen schafft das Redaktionsauto Abhilfe, Bilder und Texte kommen auch aus den entlegensten Landkreiswinkeln dank Internet in Windeseile in die Redaktion.


Mediale Vielfalt

Doch der weitläufige Landkreis macht die Arbeit als Redakteur in der einzigen unterfränkischen FT-Ausgabe noch heute besonders spannend.
Denn hier, wo Bierfranken auf Weinfranken trifft, jede Gemeinde ihren eigenen Dialekt pflegt (die Mee- und die Maafranken) und fast jedes Dorf ein Bauwerk mit historischer Bedeutung präsentieren kann, kommt bei solcher Vielfalt nie Langweile auf.
Genau das zeigt auch die Zeitungsdichte der Region: Ein Grund, warum jeder Landkreisbewohner nur müde darüber lächeln kann, dass die Oberfranken anfangs glaubten, Nachrichten aus dem Raum Haßfurt als Randnotiz laufen lassen zu können. Berichten hier, im Landkreis Haßberge, doch nach wie vor vier Lokalzeitungen über das Geschehen vor Ort und aus aller Welt. Eine Medienvielfalt, die die Bamberger, Coburger oder Schweinfurter nur Bauklötze staunen lässt.
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