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Konzert in Synagoge Memmelsdorf
Besucher in der Synagoge Memmelsdorf erlebten am Sonntag einen stimmungsvollen Abend. Musik und Geschichten brachten jüdisches Leben näher.
Ein Erlebnis der besonderen Art bot sich den Zuhörer in der Synagoge Memmelsdorf am Sonntagabend. Der Vorsitzende des Träger- und Fördervereines der Synagoge, Hansfried Nickel, zeigte sich erfreut, das Duo Barbara Schofer und Steffan Hippe zu einer Neujahrsfeier mitten im September begrüßen zu können.
Das Musik-Duo komme, wie Nickel erläuterte, zu bestimmten Anlässen in den Untermerzbacher Gemeindeteil, und hatte zuletzt, mit seinen Konzertprogrammen über Andalusien und Heinrich Heinrich, mit der Konkurrenz von Spielen der Fußball-Europa- und Weltmeisterschaft zu kämpfen. Auch diesmal gab es, eher zufällig, einen besonderen Anlass: Das jüdische Neujahrsfest "Rosch ha Schana. "Mit Eintritt der Dämmerung beginnt das neue Jahr (5773)", sagte Nickel
Licht, das niemals erlischt
Dem Raum angemessen erklärte Barbara Schofer das "Lichterfest", auf hebräisch "Chanukka". Es erinnere an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 3597 (das Jahr 165 vor unserer Zeitrechnung), nachdem der Zeus-Altar entfernt war. Die Chanukkia war ein Leuchter im Tempel, dessen Licht niemals erlöschen sollte.
Nach der Überlieferung war, aufgrund der Eroberung der Syrer, nur noch eine Flasche geweihtes Öl vorhanden. Diese Menge Öl reichte höchstens für einen Tag. Für neues Öl werden aber acht Tage für die Herstellung benötigt.
Durch ein Wunder des Lichts habe es acht Tage gebrannt. Daran erinnern die acht Lichter des Chanukka-Leuchters. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende der Feiertage alle acht brennen.
Nach Gesang und Akkordeonspiel, temperamentvoll von Stefan Hippe vorgetragen, folgten weitere Geschichten ums Licht, die Barbara Schofer sehr lebendig vortrug. So ging einmal das Chanukka-Licht auf "Reisen". Den Sucher beflügelte es, seine Angst vor wilden Tieren zu überwinden und ein Räuber wollte, vom Licht beeindruckt, "umkehren".
Barbara Schofer verstand es, dem Publikum den jüdischen Humor näher zu bringen mit Beispielen aus dem Schulleben, dem Alltag und einigen Anekdoten um Rabbiner.
Auch beim "Laubhüttenfest", dem "Sukkot", geht es ums Licht: Sternenlicht, das in die Hütten leuchtet. In der Bibel wird das Fest mehrfach erwähnt und ist, wie die beiden anderen jüdischen Wallfahrtsfeste "Pessach" und "Schawuot" bäuerlichen Ursprungs. Sukkot ist zudem ein historisches Fest, das mit dem Auszug aus Ägypten begründet wird und das Wohnen in Laubhütten während der Festzeit vorschreibt.
Zum Laubhüttenfest wurden auch die Krüge im Tempel mit frischem Wasser aus der Gihonquelle gefüllt, die den Teich Siloah speist. Wasser ist Quelle des Lebens. Deshalb sind Regentage in Israel Freudentage.
Wenn die Erde mit Wasser gesegnet wird, sind alle Menschen mit eingeschlossen.
Neues Leben
Das Sukkot-Fest war für eine weitere Geschichte Hintergrund. Ein junger Mann wollte das Laubhüttenfest in Lublin feiern und verschwand von Frau und Schwiegereltern. Als er beim Rabbi vorsprach, schickte ihn dieser wieder heim. Unterwegs traf er Wallfahrer aus seinem Dorf, die ihn zum Feiern einluden und auf sein Wohl tranken: "Du sollst leben".
Als er jetzt mit den Wallfahrern wieder vor dem Rabbi stand, wurde er nicht heimgeschickt. Der Rabbi hatte zuvor eine himmlische Eingabe, dass der junge Mann sterben solle. Damit das nicht unterwegs geschieht, hatte er ihn zurück gewiesen. Die vielen Trinksprüche sollen im Himmel einen Sinneswandel bewirkt haben. Der junge Mann starb noch nicht.
Mit ihrer klaren Stimme, den jiddischen Liedern und den nachdenklichen Geschichten hat Barbara Schofer bewirkt, dass Zuhören ein Erlebnis wurde. Sie gab zu, dass sie gerne in die Synagoge Memmelsdorf kommt, aber sich erst wieder an diesen Raum mit seiner herrlichen Akustik gewöhnen müsse.
Mit Stefan Hippe hatte dieser Auftritt Premiere. Es werden, wie das Duo ankündigte, weitere Abende in anderen Orten mit "Wunder des Lichts" folgen.
















