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Standortfrage

Klinik benötigt Zukunftskonzept

Das finanzielle Defizit der Haßbergkliniken zwingt zu Maßnahmen im und für das Krankenhaus in Ebern. Die Auslastung muss sich verbessern.
Die Bedrohung ist nicht akut, aber latent vorhanden. Die Auslastung muss sich bessern und den Fortbestand der Haßbergklinik, Haus Ebern, zu sichern. Foto: René Ruprecht
 
Großen Zuspruch erfuhr eine Informationsveranstaltung, zu der Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) in den Gasthof "Frankenstuben" eingeladen hatte. Sein Ziell sei es, das Haus Ebern der Haßbergkliniken zu stärken und als wesentlichen Standortfaktor für die Stadt zu erhalten. Über den derzeitigen Stand der Maßnahmen angesichts eines finanziellen Defizits und über die Zukunftsaussichten des Hauses informierte der Vorstandsvorsitzende der Krankenhaus-GmbH Stefan Kolck.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass sich zurzeit ein genereller Wandel in der Struktur des Gesundheitswesens vollzieht, der dazu führte, dass sich für kleine Krankenhäuser wie das in den Haßbergen keine gewinnbringenden Abläufe mehr gestalten ließen. "Wir wollen im Haßbergkreis Krankenhäuser haben" bekannte Hennemann, selbst Mitglied im Verwaltungsrat der Klinik, und deshalb seien mehrere Studien erstellt worden. Bedenklich stimme, dass etwa die Hälfte der Patienten aus dem Landkreis Kliniken außerhalb des Landkreises aufsuchten, wohl auch dem Drang zum Spezialistentum geschuldet.


Aktuell nicht bedroht

"Wir sollten werben für unsere Haßbergkliniken" appellierte Hennemann, sonst seien sie wirklich nicht mehr zu finanzieren. Derzeit stehe das Krankenhaus Ebern nicht zur Disposition, beruhigte er, doch für einen langfristigen Bestand sollten die Bürger mitgestalten, nicht zuletzt indem sie es auch nutzten. Aktuell habe er zwar einen guten Eindruck, doch die Auslastungszahlen seien noch zu niedrig. Derzeit arbeite man seinen Worten nach an einer Studie und einem Zukunftskonzept speziell für den Standort Ebern, denn "wir brauchen diese Versorgung vor Ort in erster Linie für die älteren Menschen hier."

Vorstandschef Stefan Kolck legte die nüchternen Fakten der aktuellen Überlegungen dar, wie die Defizite bei der Krankenhausfinanzierung zumindest gemindert werden sollen. Mehrere Studien sowie eine Begutachtung durch den kommunalen Prüfungsverband seien die Ausgangsbasis hierfür. Ständig neue Entwicklungen im Krankenhausbereich sowie das nicht berechenbare Patientenverhalten ließen keine gesicherten Prognosen über einen Zeitraum von über fünf Jahren zu. "Wir müssen uns wirtschaftlich verhalten" stellte er ernüchternd fest.
Kolck zeigte auf, was seit 2004, der Gründung des Kommunalunternehmens Haßbergkliniken getan wurde. Medizinische Versorgungszentren (MVZs) seien gegründet worden, Akutgeriatrie und Alterstraumazentrum in Haßfurt sowie in Ebern ein palliativmedizinischer Dienst eingerichtet worden. Und man kooperiere mit anderen Krankenhäusern in Bayern. Im Mai habe der Verwaltungsrat entschieden, das Haus Hofheim in der stationären Versorgung nicht weiterzuführen und im Haus Haßfurt die Geburtsabteilung nur noch bis Ende 2018 aktiv zu halten.


Defizitrechnungen

Danach soll dort eine gynäkologische Belegabteilung geführt werden. Bei 550 Geburten im Jahr würde ein Defizit von rund einer Million Euro auflaufen. Wenn man nichts machen würde, liefe im Jahr 2021 ein Defizit von fünf Millionen Euro auf, mit den jetzigen Maßnahmen nur noch 1,9 Mio. Hilfreich sei, dass der Landkreis Defizite abfedern hilft.

Für Ebern wurde beschlossen, ein Zukunftskonzept zu entwickeln, das die Abteilung allgemeine innere Medizin und Chirurgie beinhaltet, dazu flankierende Maßnahmen. Planbare Operationen sollen durchgeführt werden, externe Ärzte mit in die Versorgung eingebunden und ein Pflegekonzept umgesetzt werden, das den Anforderungen z.B. für Hochbetagte entspricht. Dieses Zukunftskonzept wird mit Frist 30. April 2018 von einem externen Gutachter unter die Lupe genommen.

Im Haus Ebern soll die Station 01 mit Planbetten für Innere, Chirurgie, Wache und ambulantes Operieren konzipiert werden. Für die Station 02 sieht das neue Pflegekonzept die Abteilung Innere, den palliativmedizinischen Dienst und die Versorgung von dementen und hochbetagten bettlägerigen Patienten vor.


Teure Zweihäusigkeit

Kolck gab zu bedenken, dass gerade im Blick auf die Wache eine Zweihäusigkeit teurer ist als wenn nur in Haßfurt eine solche Intensivstation vorgehalten würde, sie sei aber nötig für Ebern. Hinzu komme eine Verzahnung des Krankenhauses mit niedergelassenen Hausärzten, ambulanten Praxen auf dem Krankenhausgelände, Pflegeeinrichtungen in der Region, Selbsthilfegruppen und Ehrenamtlichen wie beispielsweise der Hospizgruppe der Malteser.
Zudem stehe man im Gespräch mit der Gesundheitsministerin Melanie Huml, ein Modellprojekt für die Entwicklung eines Netzwerkes für die Gesundheit auf dem Land einrichten zu dürfen. Kolck betonte: "Dafür stehen der Landrat, der Verwaltungsrat und der Vorstand." Man wolle die Haßbergkliniken in der Trägerschaft der Kommunen halten, weil diese die gesundheitliche Grundversorgung sichern wollen - und man wolle natürlich gute Medizin für die Landkreisbevölkerung leisten.
Zusammenfassend gab sich Bürgermeister Hennemann zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg", man wolle langfristig die beiden Häuser in Haßfurt und Ebern erhalten. Er machte aber auch deutlich, dass seitens von Gutachtern durchaus auch geäußert worden sei, dass in den Augen der großen Politik ein Landkreis Haßberge ohne jegliche Klinik wegen der Nähe zu Schweinfurt, Bamberg oder Coburg als medizinisch ausreichend versorgt betrachtet werden könnte.


Hohes Maß an Zufriedenheit

In einer sachlich und fair geführten Ausspracherunde stellten mehrere Zuhörer dem Krankenhaus in Ebern sehr gute Bewertungsnoten aus. Dies sollte, so war man sich in der Versammlung einig, deutlich in die Öffentlichkeit getragen werden, zusammen mit öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten wie Fachvorträgen von Klinikpersonal, Medien oder Internetauftritt. Kritische Äußerungen kamen zu dem Umstand, dass das Dilemma nicht selbstverschuldet, sondern dass das Gesundheitswesen ökonomisch dem freien Markt frei gegeben worden sei. Deshalb erlitten kleinere kommunale Kliniken finanzielle Nachteile, weil sie die weniger einträgliche Grundversorgung leisten.
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