Die Annahmestelle für biologisches Material, bislang als Unterabteilung des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Kulmbach ansässig, die zum Jahresende aufgelöst werden sollte, wird vom Eberner Institut für Biodiversitäts-Information (kurz: JfBI) übernommen. In rund 20 000 Gläschen zeugen Ameisen, Käfer, Spinnen, Zwei- und Vierflügler von der Artenvielfalt zwischen Hof und Lindau.
Die Tierchen indes sind alle schon tot. Erst gelandet in diversen Fallen, die größeren Tieren galten, schwimmen sie in einem Alkoholbad von Ethanol, um so der Wissenschaft und der Nachwelt erhalten zu bleiben.
"Die Annahmestelle für biologisches Material war einzigartig in der Bundesrepublik", weiß Klaus Mandery, der den Trägerverein für das Biodiv-Institut vor einigen Jahren mit Gleichgesinnten gegründet hat und die Arbeit, die bislang in der LfU-Außenstelle im Schloss Steinenhausen bei Kulmbach geleistet wurde, fortsetzen will. Dazu braucht es Platz und Helfer.
Die notwendigen Räume wurden im Kompaniegebäude der einstigen Kaserne gefunden und angemietet. Geld steht laut Mandery noch aus einem früheren Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Verfügung. Und Helferinnen hat der frühere Biologielehrer am Friedrich- Rückert-Gymnasium auch schon gefunden. Aktuell sind Carmen Frank-Linz aus Unterpreppach und Christina Fuchs von Bimbach aus Burgpreppach dabei, das eingehende Material zu sichten, die Tiere "umzubetten", bzw. die Fläschchen mit Ethanol zu füllen, wenn der Inhalt "verflogen" sein sollte.

Erstaunt über Artenvielfalt


"Diese Artenvielfalt ist ein Wahnsinn", staunt Carmen Frank-Linz, die mit der Pinzette
ganz vorsichtig umgeht, als ob sie den toten Tierchen keinen Schmerz zufügen wollte. Die neue Aufgabe findet die 46-jährige Unterpreppacherin "stets interessant" und macht ihr "viel
Spaß".
Praxis-Erfahrung sammeln will Christina Fuchs von Bimbach, die ein Biologie-Studium
abgeschlossen hat und bis April ein Praktikum anhängt.
Dies im Dienst der Wissenschaft: "Als Partner der zoologischen Staatssammlung in München übernehmen wir quasi hoheitliche Aufgaben", schwärmt Klaus Mandery über die Lieferung von Daten für die bayerische Artenschutz-Kartierung. Und so werden die Reagenz- Gläschen nicht nur aufgefüllt und mit neuen Deckeln versehen, sondern auch - je nach Fundort und -tag - katalogisiert und inventarisiert, was Mandery am Laptop erledigt. "Arbeit für fünf Jahre", schätzt er.
Schon jetzt kontaktieren ihn immer wieder Experten und bitten um Mithilfe bei bestimmten Artengruppen. Bis zum Monatsende möchte Mandery die erfassten Daten ins Internet stellen, um zu zeigen, welches Material aus welchen Gebieten vorhanden ist. "Wir rechnen mit großer Nachfrage."
Bei der Frage nach den Anwendungsgebieten der neuen Einrichtung in Ebern muss Mandery nicht weit schauen. "Wir haben jetzt hier viel Material aus der Öko-Station der Universität Würzburg in Fabrikschleichach aus den 70er-Jahren." Da interessiert es den Wissenschaftler, wie sich die Artvorkommen im Verlauf der Jahrzehnte entwickelt haben? "Wir wollen das biologische Material nicht nur verwalten, sondern Erkenntnisse daraus ziehen." Die Verfahren dazu will Mandery noch verfeinern. Weil in vielen der Reagenzgläser so genannte Mischproben schlummern, möchte er die noch sortieren lassen, wozu eine erfahrene Biologin notwendig sein wird. Arbeit für weitere fünf Jahre.