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Diskussion

Kirchlauter wehrt sich nach Kräften gegen geplante Windräder

Die geplanten Windkraftanlagen auf dem Tonberg sorgen für mächtig Protest. Landrat Wilhelm Schneider wehte ein kalter Wind entgegen. Mit Kommentar.
Windräder bei Gädheim: Kleiner als die bei Kirchlauter auf dem Tonberg geplanten, aber auch in der Form würden die Anlagen den Kirchlauterern wohl kaum schmecken.  Foto: Ulrike Langer
 
von ANDREAS LÖSCH
In die Höhle des Löwen (genauer: in das Oskar-Kandler-Zentrum) begab sich am Dienstag Wilhelm Schneider (CSU). Der Landrat war nach Kirchlauter gekommen, um mit der Bürgerinitiative (BI) "Pro Natur Tonberg" und jeder Menge Windkraft-Gegnern über die geplanten Windräder am Tonberg und ferner die bei Buch sowie Lichtenstein zu diskutieren.

Kein einfaches Unterfangen für den Landkreis-Chef, bekam er doch jede Menge Gegenwind, noch dazu von seinem Parteifreund und Landtagsabgeordneten Steffen Vogel, der auf der Bühne neben ihm Platz genommen hatte, was allein von der Position her eher Seitenhiebe und keine Rückendeckung erlaubte. Es war ein langer Abend. Es war ein emotionaler Abend (nicht immer ging es sachlich zu) und es war ein guter Abend zumindest für diejenigen in Kirchlauter, die das Windkraftprojekt am Tonberg zu verhindern suchen: Ihre Botschaft kam an.


Zwischen- und Buhrufe

Windräder? "Wir hoffen ja, dass es nie dazu kommen wird", hatte Ralph Bremicker von der BI eingangs gesagt. Er moderierte den Abend und bemühte sich darum, die Veranstaltung nicht in eine Hetzjagd "gegen die da oben" (Politiker und Investoren und so weiter) ausarten zu lassen. Denn im Ansatz geschah dies nämlich: Wenn Landrat Wilhelm Schneider etwas gefragt wurde und antworten wollte, gab es oftmals Zwischen- und Buhrufe, nur weil die Antworten nicht gefielen oder gar noch, bevor sie zu Ende formuliert waren. Letztlich konnte Schneider etwa die Vorwürfe, bei der GUT* handle es sich um gierige Geschäftemacher, deren Vorsitzender er sei, leicht abwehren.

Denn dass die GUT eine von den 26 Kommunen im Landkreis Haßberge mitgetragene und im Rahmen eines langwierigen demokratischen Prozesses ins Leben gerufener Projektentwickler ist, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Dass sie jedoch Projekte auf den Weg bringt, die nicht jedermann gefallen, ebenso wenig: Das Oskar-Kandler-Zentrum war mit über 300 Besuchern rappelvoll und die Windkraft-Befürworter darunter konnte man an einer Hand abzählen. Ob Windräder notwendig sind oder nicht, darüber wurde schon viel diskutiert, auch an jenem Dienstagabend in Kirchlauter. Wieder einmal gab es altbekannte Argumente contra Windkraft zu hören (unprofitabel, gesundheitsgefährdend, landschaftszerstörend). Jedoch ist das Entscheidende an der Diskussionsrunde in Kirchlauter etwas anderes: Hier fühlen sich die Bürger mitsamt der Gemeinde außen vor gelassen.

Denn die Kirchlauterer können nicht mitentscheiden, wenn es um "ihre" Windräder geht, die gar nicht "ihre" sind: der Bereich auf dem Tonberg, wo in unmittelbarer Sichtweite zu Kirchlauter und umliegenden Ortschaften vier 230 Meter hohe Windkraftanlagen entstehen sollen, gehört zur Stadt Ebern. "Was uns hier vor die Nase gestellt wird, von Ebern, das ist schon eine kleine Frechheit", hatte denn auch Michael Kaiser von der BI gesagt, weil der Eberner Stadtrat das Projekt befürwortet hat.


Mitten im Naturpark

Noch dazu stünden die künftigen Anlagen mitten im Naturpark Haßberge beziehungsweise dann auf Flächen, die aus dem Naturparkgebiet herausgenommen würden. Dieses Verfahren wurde bereits in die Wege geleitet vom Kreisausschuss des Landkreises Haßberge. Heißt aber nicht, dass die Windräder schon beschlossene Sache sind, wie auch Landrat Wilhelm Schneider noch einmal betonte: Jetzt werden alle möglichen Institutionen um Stellungnahmen gebeten, die Untere Naturschutzbehörde etwa und Naturschutzverbände, aber auch betroffene Bürger.

Bei einigen Teilnehmern der Diskussionsrunde klang auch an, dass sie nicht einmal prinzipiell gegen Windkraft sind, nur sollten die großen Maschinen doch bitte nicht in ein relativ windschwaches Landschaftsschutzgebiet gestellt werden. Auch aus den Gemeinden Untermerzbach und Pfarrweisach waren Bürger gekommen, die solche oder ähnliche Argumente anführten. Dort sollen vier Windräder zwischen Buch und Lichtenstein entstehen. So sagte etwa Susanne Weiß von der BI "Naturpark statt Windpark Buch/Lichtenstein", dass das Vorhaben gegen das Interesse der Bevölkerung gerichtet sei und dass alle am meisten davon hätten, "wenn der Naturpark Haßberge so bleibt, wie er jetzt ist".


Interessenkonflikt?

Dass zwischen Windkraft im Naturpark und dem Ziel, den Tourismus im Landkreis Haßberge zu fördern, ein Konflikt besteht, sah auch Kreisrat Kurt Sieber (FDP) so, der die Windkraft-Gegner direkt aufforderte: "Bearbeiten Sie die Kreisräte und die Sache ist erledigt. Da kann der Landrat Purzelbäume machen nach links und nach rechts." Und MdL Vogel, ebenfalls Kreisrat, erklärte: "Die betroffene Gemeinde hat kein Mitspracherecht - das kann nicht sein." Es ginge darum, den Zusammenhalt und die Gemeinschaft in der Region zu bewahren, weil das den ländlichen Raum ausmache. Und: Ein Naturpark gelte als absolut schutzwürdig, plötzlich solle das geändert werden: Auch das könne nicht sein. Sprach's und bat den Landrat, den er als sehr guten Freund bezeichnete, um Verzeihung, dass man hier "unterschiedlicher Auffassung" sei.

*"Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte", sie gilt als Ideenschmiede der lokalen Energiewende




Kommentar von Ralf Kestel: Auf die gute Nachbarschaft: Beendet die Planungen und überlegt neu!

Wenn der Diskussionsabend am Dienstag in Kirchlauter etwas gezeigt hat, dann dies: Es braucht keine Experten von irgendwo her, um den Problemfall auf dem Tonberg zu beschreiben. Nicht das europäische Stromnetz und nicht die Bundesgesetzgebung werden von den Haßbergen aus beeinflusst. Es geht schlicht um gut nachbarschaftliche Beziehungen. Es geht um den in Bayern bislang einzigartigen Fall, dass ein "Leuchtturm-Projekt" vor die Nase des Nachbarn gesetzt wird, ohne dass der darauf entscheidend Einfluss nehmen kann.

Freilich liegt es in der Natur der Sache, Unangenehmes weit von sich zu schieben. Der Misthaufen steht fast in jedem Garten in der hintersten Ecke (näher beim Nachbarn) und auch die Schweinfurter mochten kein Atomkraftwerk, schauten danach aber neidisch nach Grafenrheinfeld, wo die Gewerbesteuer-Einnahmen Jahrzehnte lang goldene Wasserhähne möglich machten.

Doch vier Windräder haben weder die Leistung noch die Bedeutung, so einen Nachbarschaftskonflikt heraufzubeschwören, der letztlich vor dem Kadi landen müsste, um diesen bislang einzigartigen Streitfall zu entscheiden. Das lässt sich vermeiden. Die Gemeinden Ebern, wie auch Untermerzbach und Pfarrweisach, können sehr wohl ihre Anträge auf Herausnahme der ausgeguckten Standorte aus dem Naturpark zurückziehen. Ein Mehrheitsbeschluss und ein Brief, die Sache ist erledigt. Oder der Kreistag lehnt diese Herausnahme mit Mehrheit ab. 31 Gegenstimmen reichen.

Der Rentweinsdorfer Kurt Weißheimer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) brachte es auf den Punkt: Man kann nicht auf der einen Seite Gemeinde-Allianzen schmieden und propagieren und auf der anderen Seite die Mehrheit der Bevölkerung eines Partners gegen sich aufbringen. Und genauso wenig vertragen sich Burgenwinkel-Aktivitäten mit Monster-Windmühlen, wie es der frühere Pfarrweisacher Bürgermeister Hermann Martin (ULB) als einziger im Pfarrweisacher Gemeinderat gleich erkannt hatte und konsequenterweise die Lichtensteiner Räder ablehnte. Die Gastwirte der Region zogen nun mit ungewohnt einheitlichem Schulterschluss nach.
Die heimlich, still und leise zu Beginn des Jahres aus den Schubladen geholten Pläne sollten nicht nur wieder darin verschwinden, sondern im Shredder landen. Gegen die Menschen vor Ort dürfen solche Projekte nicht verwirklicht werden. Das dürfte auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) klar geworden sein, zumal sich auch in den nähest gelegenen Stadtteilen Eichelberg und Reutersbrunn großer Widerstand breitmacht.
Hennemann selbst lieferte ein Stichwort: An die Windräder auf dem Bretzenstein haben sich die Eberner längst gewöhnt. Vor 18 Jahren wurde das erste - damals auch im Naturpark - gebaut, es wirft üppige Renditen ab. Warum also stellt man dort nicht weitere Windräder auf? Die Infrastruktur ist vorhanden, Wind augenscheinlich auch. Ob sie gleich 230 Meter hoch sein müssen?

Zurück zu Kurt Weißheimer. Er nahm Hennemann dessen Überzeugung und Aussage ab, dass er Windräder auch auf dem Stein- oder Losberg bauen würde, der Tonberg aber besser geeignet sei. Der Kompromiss liegt auf dem Bretzenstein.

Und Landrat Wilhelm Schneider (CSU)? Natürlich hätte bei einer Versammlung der Eberner Bürgerwald-Körperschaft, die auf 80 000 Euro Pachteinnahmen im Jahr hofft, eine andere Stimmung geherrscht als am Dienstag in Kirchlauter, wo sich ausschließlich Kritiker versammelt hatten. Aber Schneider hat genug politisches Fingerspitzengefühl, um Strömungen zu erkennen und einzuschätzen. Beim EBN-Kennzeichen hat sich das gezeigt. Eine Politikerin aus der CSU-Kreistagsfraktion, Birgit Finzel, die im Untermerzbacher Gemeinderat noch für die Windräder gestimmt hat, ist umgeschwenkt. Weitere werden folgen.

Und Wilhelm Schneiders Partner und CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel hat nicht nur die Männerfreundschaft einer Belastungsprobe unterzogen, sondern seine Ablehnung unmissverständlich formuliert. Dieser Stresstest lässt nur ein Ergebnis zu: Beendet die Planungen auf dem Tonberg und dem Zeilbergrücken. Überlegt neu - und transparent!

zum Thema "Windpark Bürgerwald"

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