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Der Mensch hat viele Gesichter

In Mimik und Gestik unerreicht wandlungsfähig ist der Unterhalter Helmut Schleich. Bei seinem Auftritt in Haßfurt erlebten die Gäste Kurzbesuche der Zeitprominenz. Schleich geht in seinen Parodien unter die Oberfläche, und das kann zu denken geben.
Er ist ein grandioser Kabarettist, voller Humor, scharfer Kritik, interessanter Assoziationen und beeindruckender Parodien: Helmut Schleich zeigte sich bei der Veranstaltung des Kulturamts Haßfurt in der Stadthalle in Hochform - hier als Papst benedikt XVI. Foto: ul
 

"Der Mann ist einfach überragend. Auf ihn habe ich mich den ganzen Tag gefreut" schwärmte Hans Reuscher aus Hofheim. Mit dem "Mann" meinte er Helmut Schleich, der beim Kulturamt Haßfurt in der Stadthalle in Haßfurt auftrat und den das Publikum mit Bravorufen und viel Beifall bedachte.

Erstklassiger Kabarettist

Für Hans Reuscher war der Abend mit dem erstklassigen, TV-bekannten Kabarettisten in zweifacher Hinsicht aufregend. Denn zum einen saß er an einer für ihn persönlich historischen Stelle - in der heutigen Stadthalle ist er geboren worden - und dann gefiel ihm das Programm "Nicht mit mir" von Helmut Schleich außerordentlich. "Er hat Niveau und kann so herrlich parodieren", gab er an, "vor allem seine Rolle als Franz-Josef Strauß ist non plus ultra!"

Ronald Meisch aus Königsberg war begeistert. "Ich kenne ihn bereits aus dem Fernsehen und habe ihn auf der Bühne erlebt. Was ich an ihm mag, sind seine tiefgründigen und politisch grandiosen Darbietungen", sagte er. "Seine Parodien sind sehr gut und seine Franz-Josef Strauß-Parodie ist schon legendär."

Man musste kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass Helmut Scheich seinem Publikum einen anregenden und lustigen Abend bereiten würde. Nicht nur, dass er in verschiedene Personen wie den Stammtischhistoriker, den SS-Rottenführer, den Revoluzzer, den Wahrsager oder den Eremiten schlüpft.

Unglaublich als FJS

Zu Hochform läuft er immer dann auf, wenn er seinen Hals einzieht, die Schultern hebt und als Franz-Josef Strauß poltert. Wenn er sich mit brüchiger Stimme und geschliffenen Worten in Benedikt XVI. verwandelt. Wenn er mit Zylinder, weißem Schal, Gehstock und lockerem Gebiss als Heinrich von Horchen, dem "Gesangslehrer" von Jopi Heesters, auftritt, Johannes Paul II., Hans-Jochen Vogel und Helmut Schmidt imitiert oder in starrer Pose Ottfried Fischer nachahmt und "Ottis Schlachthof aus Haßfurt" präsentiert.

Doch er parodiert sie nicht nur einmalig, sondern lässt "seine" Alter Egos das politische und gesellschaftliche Leben kommentieren. So wettert "Strauß": "Die CSU könnte sich ein Beispiel am Konklave nehmen. Da werden die Wähler so lange eingesperrt, bis eine Zweidrittelmehrheit zustande kommt!"

Äußerst humorig waren auch die Exkurse von Heinrich von Horchen in die griechische Mythologie, angefangen bei Diogenes über Sisyphos bis hin zu Herakles. "Wie konnte man die Augias-Ställe 30 Jahre lang nicht ausmisten? Das wäre doch sogar Ilse Aigner aufgefallen", war er sich sicher.

Hilfe beim Psychologen

Die Parodien haben auch ihre eigenen Gesetze: "Ich muss aufpassen, dass es keine feindliche Übernahme gibt", so Helmut Schleich. Hilfe beim "Psychologen", der seine Patienten mit Schlagertexten behandelt, fand er nicht. Auch eine "Teufelsaustreibung" durch Benedikt XVI. war nicht erfolgreich.

Der meinte nur: "Ich habe einen Fall, wo ein Mittelfranke von Markus Söder befallen ist. Das ist wirklich schlimm. Aber wenn man als Bayer von Strauß besetzt ist, sollte man den nicht austreiben wollen, das sollte man als Gnade begreifen." Schließlich lässt aber Helmut Schleich in einem fulminanten Finale seine Figuren gegen Strauß antreten, bis "Johannes Paul II." verkündet: "Aus is!" und das Programm unter dem begeisterten Applaus der Zuschauer zu Ende ging.

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