Gleusdorf
Ermittlungsfall

Pflegeskandal Gleusdorf: Über den Tod hinaus ausgeplündert?

Nach der Exhumierung einer Frau, deren Tod in Schloss Gleusdorf viele Fragen aufwirft, tauchen nun erschütternde Fotos von Überlebenden auf.
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Der Pflege-Skandal von Gleusdorf verfolgt einige Heimbewohner bis über den Tod hinaus. Nicht nur, dass ihnen nach dem Ableben noch nachträglich fiktive Pflegekosten in Rechnung gestellt wurden. Jetzt soll auch die Obduktion einer exhumierten Frau mögliche Beweise über die unzulänglichen Zustände in der Seniorenresidenz im Itzgrund liefern. Foto: News5/Herse
Der Pflege-Skandal von Gleusdorf verfolgt einige Heimbewohner bis über den Tod hinaus. Nicht nur, dass ihnen nach dem Ableben noch nachträglich fiktive Pflegekosten in Rechnung gestellt wurden. Jetzt soll auch die Obduktion einer exhumierten Frau mögliche Beweise über die unzulänglichen Zustände in der Seniorenresidenz im Itzgrund liefern. Foto: News5/Herse
Eine ganz neue Dimension erreichten die Ermittlungen gegen die beiden Gesellschafter der privaten Betreibergesellschaft der Senioren-Residenz Schloss Gleusdorf und den inhaftierten Pflegedienstleiter: Am Freitag wurde der Leichnam einer Frau aus einer Gemeinde südlich von Bamberg exhumiert, die 2013 nach einem Sturz im Heim verstorben war.

Eine Obduktion in der Rechtsmedizin soll Klarheit über die Todesursache schaffen. Offensichtlich haben sich die Hinweise auf eine Mitschuld der Heimleiter so verdichtet, dass dieser nicht alltägliche Ermittlungsansatz gewählt wurde, um weitere Beweise zu sichern, wie die Staatsanwaltschaft in Bamberg und das Polizeipräsidium in Würzburg am Montag entsprechende FT-Informationen vom Wochenende bestätigten.

Wie im Zusammenhang mit zehn Hausdurchsuchungen berichtet, waren Anfang November Vorwürfe geäußert worden, wonach es durch eine fehlerhafte, medizinische Versorgung bzw. unterbliebene ärztliche Behandlungen oder die unterbliebene Einweisung von Heimbewohnern ins Krankenhaus zu Todesfällen gekommen sein soll.


Seit Anfang 2013 im Grab

Nach intensiven Ermittlungen der Kriminalpolizei Schweinfurt hatte die Staatsanwaltschaft Bamberg nun einen Gerichtsbeschluss erwirkt, mit dem die Exhumierung und Obduktion einer Anfang 2013 verstorbenen Heimbewohnerin der Seniorenresidenz angeordnet wurde.

Dem Sachstand nach soll die Bewohnerin nach einem Sturz mehrere Tage lang über starke Schmerzen geklagt und die Verständigung eines Notarztes verlangt haben. Dies sei jedoch nicht erfolgt, heißt in der Presseerklärung. Die Bewohnerin sei auch nicht in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie soll einige Tage später verstorben sein.

Die Konsultation von Notdiensten, die nur über die Geschäftsführerin laufen durften, hatte der Stamm-Arzt des Heimes gegenüber unserer Redaktion u.a. so begründet, dass "nicht bei jedem Fieberanfall in der Nacht jemand ins Krankenhaus muss". Und weiter: "Wenn ich am nächsten Tag komme, ist das Fieber meist wieder gesunken, aber wir haben viel Schreibkram zu erledigen."


Neue Beweis-Fotos

Es gibt auch neue, andere Beweismittel, die auf eine unzulängliche Pflege schließen lassen. So die Bilder eines Schutzbefohlenen, der von Gleusdorf aus in ein Heim im Maintal verlegt worden war. Dort fielen sofort dessen "schlimmste Wunden" auf, so die Heimleiterin gegenüber dem FT, die "bei uns entsprechend versorgt und alles akribisch dokumentiert wurde. Er hat sich bei uns dann noch sehr wohl gefühlt", so die Heimleitung, die bei der Weitergabe der Fotos die Verwandten vorsorglich darauf vorbereitete, dass "sie jetzt stark sein müssen".

Diese Fotos von schwarzen Extremitäten liegen mittlerweile auch der Staatsanwaltschaft vor.

Dabei hatte der Gleusdorfer Heimleiter und der Stamm-Heimarzt noch Anfang November in einem Gespräch im Schloss mit unserer Redaktion versichert, dass es um die medizinische Versorgung bestens bestellt sei. "Ich bin jeden Mittwochnachmittag im Haus und sehe jeden Bewohner", versicherte der einstige Hausarzt aus Oberfranken.

Eine Behauptung, die viele einstige Mitarbeiter unabhängig voneinander als "glatte Lüge" abkanzelten.
Des Weiteren rühmte sich der Doktor im Gespräch mit der FT-Redaktion, sogar im Beisein eines Rechtsanwaltes, dass er ein bayernweites Ranking anführe, da seine Patienten zu den ältesten überhaupt gehören würden. Bayerns Top-Doc sozusagen.

Seine Praxis, die am 24. November auch von Polizeibeamten durchsucht wurde, hat er vor geraumer Zeit schon aufgegeben. Jetzt kümmert er sich nur noch um die Bewohner zweier Altenheime. Neben Gleusdorf betreut er noch ein Heim in Oberfranken.


Die Guthaben der Verstorbenen

Den alten und kranken Heimbewohnern wurde aber nicht nur die Würde genommen, sondern sprichwörtlich auch noch der letzte Groschen - und das über den Tod hinaus, wie sich aus Dokumenten und Aussagen von einstigen Mitarbeitern herauslesen lässt, da bei Sterbefällen nachträglich noch fiktive Pflegekosten in Rechnung gestellt wurden. So wurden beispielsweise Konten, die über Sozialhilfemittel der Bezirke Ober- und Unterfranken bedient wurden, abgeräumt.
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