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Virtueller Führer für den Eberner Judenfriedhof

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erstellte einen einzigartigen virtuellen Führer durch den Eberner Judenfriedhof. Moderne Technik entführt in Zeiten, die Jahrhunderte zurückliegen.
Der Judenfriedhof in Ebern ist jetzt Gegenstand einer  beeindruckenden virtuellen Präsentation Archivfoto: Johanna Krause
 

Wo der Odem des Todes ruht, wird der Stille des Eberner Judenfriedhofs Leben eingehaucht. Das passiert nicht im versteckten Winkel und in freier Natur, sondern virtuell auf der Frauen-Empore der Synagoge in Memmelsdorf. Dort tagte am Mittwochabend der Trägerverein. Dessen Vorsitzender, Hansfried Nickel präsentierte den Mitgliedern das neuste Projekt: ein virtueller Rundgang über den jüdischen Friedhof von Ebern, zusammen mit Kleinsteinach die älteste Einrichtung jüdischer Kultur im weiten Umkreis.

Die Studenten um Professor Stefan Rohrbacher vom Institut für jüdische Studien der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben eine bemerkenswerte Arbeit vorgelegt, die viele Besucher und Schulklassen in ihren Bann ziehen und begeistern wird.

Aus dem Paradies


Der "virtuelle Rundgang” mit dem Titel "Die Steine auf dem Paradies", weil das Flurstück dort so hieß, ermöglicht einen Besuch des Friedhofs und seiner Steine am Bildschirm. Der Rundgang führt über 15 Stationen durch das Gelände. An jedem dieser 15 Standorte können die einzelnen Grabsteine, mit bester Tiefenschärfe dokumentiert, betrachtet werden. Zu den meisten dieser Steine sind zusätzlich die hebräische Inschrift, ihre deutsche Übersetzung und weitere Informationen angezeigt. Auch die Dokumentation ist am Computer einsehbar. Eine Suchfunktion lässt gezielt nach bestimmten Begriffen wie Orts- und Familiennamen suchen.

Nickel stellte heraus, dass die Grabinschriften viele (Lebens-) Geschichten erzählen und machte dies am Beispiel von Verstorbenen aus Reckendorf, Autenhausen, Gleusdorf oder Untermerzbach deutlich.

Vorfahren des Morgenthau-Plans


Lebensläufe, die in späteren Generationen sogar Einfluss auf die Geschichte nahmen: So ruhen in Ebern die Urgroßeltern des späteren Finanzministers der USA, Henry Morgenthau, der Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in einen Agrarstaat zurückverwandeln wollte - der Morgenthau-Plan.

"Wir haben ein Ausbildungs-Element mehr, und es hat uns nichts gekostet", frohlockte Hansfried Nickel als einstiger Gymnasiallehrer, und sein früherer Kollege Karl-Heinz Krebs regte an, diese Präsentation auch in der Eberner Stadtbücherei zu zeigen.

Kein bisschen "oberlehrerhaft"


Dabei ist die Computer-Simulation kein bisschen "oberlehrerhaft" angelegt, sondern höchst interessant und spannend. Nicht anders eine Zeittafel, die die Geschichte der Juden in Deutschland nachzeichnet und dabei regelrecht zum Mitmachen verführt, da lokale Kapitel eingefügt werden können.

35 bis 40 Gruppen, auch Schulklassen darunter, besuchten in diesem Jahr die Synagoge, bilanzierte Nickel in seinem Bericht. "Dazu kamen viele Einzelreisende und die Besucher unserer Konzerte und Ausstellungen. Wir sind in den Köpfen der Leute, die sich damit beschäftigen."

Ideenfundus längst nicht erschöpft


Die Präsentation sei nahezu komplett. "Wir haben keine Flächen mehr, um etwas Neues zu installieren."
Und doch ist Nickels Ideenfundus längst nicht erschöpft. Ihm schwebt noch ein Geschichtspfad vor, der von der Synagoge über den Rückertstein bis Schloss Gereuth führen soll. "Ein Projekt, das läuft, wenn wir dafür die notwendigen Europa-Gelder locker machen."

Als einen weiteren Markstein nannte der Vorsitzende die Ausleihe eines Buches aus der Memmelsdorfer Genisa an ein jüdisches Museum in Sulzbach/Rosenberg, wo es 1690/91 in einer dortigen jüdischen Druckerei erschienen ist.

Gut angenommen worden sei die Ausstellung "abgelegt" in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Veitshöchheim, bei der auch Thora-Fragmente, die einst auf dem Memmelsdorfer Dachboden lagen, gezeigt wurden. Kassier Ralph Utz berichtete, dass "unsere Schulden weiter abgebaut werden konnten. Unser Geld reicht für weitere Konzerte und Ausstellungen."

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