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Finanzprobleme

Haßberg-Kliniken stehen vor schwerem Eingriff

Beim gesundheitspolitischen Arbeitskreis der CSU sprach Landrat Schneider Klartext. Er kündigte schmerzhafte Schritte an.
CSU-Kreisvorsitzender und MdL Steffen Vogel (links) im Gespräch mit den zahlreichen Diskussionsteilnehmern. Foto: Günther Geiling
 
von GÜNTHER GEILING
Stürmische Zeiten auch für die medizinische Versorgung im Landkreis. Der Landrat wählte bei einer Versammlung des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU (GPA) in Augsfeld dramatische Worte: "Wir müssen selbst eine Lösung finden, die sicher sehr schwierig und schmerzhaft wird und um die sich niemand reißt" sagte Wilhelm Schneider (CSU). Wie bisher könne man nicht weitermachen. Man müsse eine Entscheidung wegen der Haßbergkliniken treffen "auch wenn uns der Wind dabei ins Gesicht bläst."

Im Jahre 2016 haben die Kliniken laut Schneider "drei Millionen Miese gemacht". Für 2017 gehe man von einem Minus von 3,25 Millionen Euro aus "und wir wissen noch nicht, ob wir diese Prognose schaffen".
Landrat Schneider wies darauf hin, dass der Landkreis für die Gesundheitsversorgung, die stationäre und fachärztliche Versorgung zuständig sei. Inzwischen sei die Einsicht gereift, dass man im Jahre 2017 dringend Maßnahmen ergreifen müsse und dass es darum gehe, die Bevölkerung mitzunehmen. Es gehe vielen Krankenhausträgern so, sagte er und lenkte den Blick der Versammlungsteilnehmer auf den Landkreis Main-Spessart, der mit 10 Millionen Euro in die roten Zahlen gekommen sei und deswegen aus drei Krankenhausstandorten einen mache und auch die Notfallmedizin einschränke. Vor ähnlichen Problemen stehe man im Landkreis Haßberge. Alle Häuser, die sich um die medizinische Grundversorgung kümmerten, hätten ihre Probleme.


Probleme in allen Bereichen

Man habe noch einmal alle Zahlen eruiert, sie seien ernüchternd und man habe Probleme in allen Bereichen. Nun gehe es nicht allein um Auflösung von Standorten und Abteilungen, sondern eine organisatorische Änderung, bei der man die Qualität beibehalten oder sogar verbessern wolle. Schließlich sei man eingekreist von den Kliniken in Schweinfurt, Bamberg und Coburg und stünde mit diesen in Konkurrenz.

Mit Vehemenz wandte sich der Landrat dagegen, dass man jeden Tag eine "neue Sau durch die Zeitung" treibe und Gerüchte streue. Er sei erst heute wieder gefragt worden, ob es stimme, dass die Kliniken zum Verkauf stünden. "Daran ist keine Silbe wahr. Selbst, wenn ein Käufer aufträte, würde der sich nicht für die Grundversorgung interessieren. Wir könnten uns damit höchstens ein Problem wegschieben und hätten keine gute Gesundheitsversorgung mehr für unseren Landkreis."


Eine Lücke von 2,5 Millionen Euro

Zum Glück, so Wilhelm Schneider, sei man nun auch politisch schon so weit, dass man mit einem überschaubaren Defizit von über 800 000 Euro einverstanden sei. Das wäre auch den Gemeinden die Gesundheit über die Kreisumlage wert. "Trotzdem müssen wir dann noch 2,5 Millionen Euro einsparen und das ist ein dicker Brocken. Dabei bitte ich alle mitzuwirken und keinesfalls geht das von heute auf morgen."

Schneider meinte, man müsse die Solidargemeinschaft im Blick behalten: "Ich möchte keinen Standort und keine Abteilung getrennt betrachten. Wenn wir das tun, kommen wir nicht zum Ziel. Wir müssen uns vielmehr insgesamt optimal aufstellen."


Kreativität ist gefragt

Dr. Barbara Goschenhofer warnte davor, "die Struktur auf Biegen und Brechen erhalten zu wollen". Vielmehr müsse man kreativ werden und die Einrichtungen auch verändern. Ziel muss es sein, eine optimale Gesundheitsversorgung für den Landkreis zu gewährleisten". Dr. Thomas Heller formulierte das Ziel noch ehrgeiziger: "Wir müssen die schwarze Null erreichen und vielleicht sogar eine Rendite". Dabei müsse man den Patienten klarmachen, dass bei bestimmten Krankheiten und Eingriffen der Grundversorgung die Haßbergkliniken genauso gut arbeiten wie andere Häuser."

MdL Steffen Vogel sprach die Richtwerte für die Geburtshilfe an, die mit einer Zahl von unter 600 Geburten wirtschaftlich nicht zu betreiben wäre. "Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht etwas Schönes wäre, eine solche zu haben." Insgesamt fände er es fatal, wenn die Entscheidung im Dissenz erfolgen würde
Landrat Schneider sprach von einem schwierigen Jahr, das aber auch zu einem guten Jahr werden könne, wenn erst einmal die Schockmomente durchschritten und verdaut seien. Klinik-Vorstand Stephan Kolck verwies auf ein Gutachten, dessen Ergebnisse bis April vorliegen und dann auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.
Steffen Vogel, ging unter anderem auch auf die Zukunft der hausärztlichen oder fachärztlichen Versorgung auf dem lande ein und nannte beispielhaft die Probleme bei der Besetzung der Hautarztpraxis in Haßfurt, bei welcher die Kassenärztliche Vereinigung sogar mit enormen Fördergeldern locke.


Die Ärze fehlen auf dem Lande

Zur Gewinnung von Ärzten für den ländlichen Raum wie den Landkreis Haßberge habe er Stipendien auf Kreisebene vorgeschlagen. Diese würden jedoch vom Innenministerium abgelehnt, da dies keine Aufgabe des Landkreises sei. Nun habe man eine "Landarztquote" in die Diskussion gebracht. Nach seiner Meinung mache es Sinn, die Kapazität der Studienplätze zu erhöhen.

Dr. Klaus Riedl, Chefarzt der Chirurgie am Haus Ebern, vertrat dagegen die Ansicht, dass man nicht mehr Mediziner ausbilden müssen, sondern dafür sorgen sollte, dass sie nach ihrem Studium in Deutschland bleiben. "Wer sein Studium umsonst bekommt, sollte auch die Verpflichtung bekommen, 10 Jahre in Deutschland tätig zu sein. Wer aber sein Studium selbst bezahlt, z um Beispiel im Ausland, kann hin, wohin er will", forderte er.
Auch eine "Männerquote" wurde angesprochen, da fast 70 Prozent der Studienanfänger im medizinischen Bereich weiblich seien. Viele Frauen seien aber nicht bereit, wie früher als Landärzte zu arbeiten. Dr. Barbara Goschenhofer meinte: "Wir müssen die Arbeit umverteilen auf eine andersqualifizierte Berufsausbildung, vom Inhalt her vielleicht ,medical assistant' oder höher qualifizierten Arzthelferinnen. Nachdem ein junger Diskussionsteilnehmer einwandte, dass für die jungen Leute auch die "Work-Life-Balance" , das Verhältnis von Beruf und Privatleben, stimmen müsse, plädierte Goschenhofer ein eindeutig für den Hausarzt. Gerade sie, als Ärztin und Mutter, habe viele Möglichkeiten für ihre Arbeitseinteilung gefunden. Klinikarzt Dr. Frank Schröder bestätigte, dass die Allgemeinmedizin attraktiver gestaltet werden müsse, sie sollte aber auch in der Öffentlichkeit positiver dargestellt werden. Auch die Bedeutung des Allgemeinmediziners mit seinem ganzheitlichen Blick auf den Patienten komme in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu kurz. Dr. Anton Aumüller sah ebenfalls ein Problem in den schlechten Rahmenbedingungen für Hausärzte und meinte "wir dokumentieren uns noch zu Tode".

So war man sich am Ende im Klaren, dass Förderungen und finanzielle Anreize allein nicht ausreichten, um Ärzte für die Arbeit auf dem Lande zu gewinnen. Entscheidend seien auch Arbeitsmöglichkeiten für den Partner, eine gute Infrastruktur durch Kindergarten und Schule und eine gute Verkehrsanbindung.



Ausschuss neu besetzt

"Es gibt derzeit wohl kein Politikfeld, wo wir vor solchen Herausforderungen stehen wie in der Gesundheitspolitik, konstatierte CSU-Kreisvorsitzender und MdL Steffen Vogel, der auch im Landtag Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege ist: "Deswegen sollten wir diese Diskussionsplattform des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU (GPA) weiter aufrechterhalten und auch nutzen."

Nachdem der bisheriger Vorsitzende Dr. Peter Jung bei der Wahl nicht mehr zur Verfügung stand, wählten die Mitglieder einmütig Dr. Alexander Ambros aus Knetzgau zum neuen Kreisvorsitzenden sowie Stefanie Schilling, Haßfurt, Yvonne Austel, Königsberg und Dr. Anton Aumüller, Zeil zu seinen Stellvertretern. Schriftführerin wurde Karin Kramer, Haßfurt und Schatzmeisterin Heike Hluchnik, Zeil. Als Beisitzer wurden gewählt: Uwe Hauck, Stephan Kolck, Harald Wagner, Michael Weiß-Gehring, Christian Klier und Dr. Frank Schröder; Kassenprüfer ist Theo Diem.
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