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Region  // Haßberge

Fortsetzungsprozess

Gibt Haarprobe Hinweise auf Drogenkonsum des Angeklagten?

Ein 27-Jähriger aus Knetzgau muss sich vor dem Landgericht Bamberg wegen des bewaffneten Handelns mit Betäubungsmitteln verantworten.
So wie die Person auf diesem symbolhaften Foto musste auch der Angeklagte aus dem Kreis Haßberge mit Fußfesseln den Gerichtssaal in Bamberg betreten. Er sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Kronach, ein Urteil in seinem Prozess soll nächste Woche fallen. Foto: Ronald Rinklef
 
von ANDREAS LÖSCH
Gekettet in Fußfesseln und begleitet von zwei Polizeibeamten betritt der 27-Jährige aus Knetzgau den Gerichtssaal. Der Mann schaut sich ruhig um, nimmt neben seinem Anwalt Joachim Voigt Platz. Kein aggressives Gehabe, kein böser Blick in die Runde, die Fußfesseln und das Drumherum wirken irgendwie ganz Fehl am Platz.

Muss aber wohl so sein, der Mann sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kronach in Untersuchungshaft, gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen "unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge". Zudem hatten Polizeibeamte am Tag seiner Festnahme im August 2016 in seiner Wohnung in Knetzgau einen Baseballschläger und eine Machete gefunden, der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet zusätzlich also auch "bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln".


"Die Sache beenden"


Am Dienstag wurde der Prozess gegen den 27-Jährigen vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bamberg fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand eine Haarprobe und die Auswertung eines Nachrichten-Chatverlaufs auf einem Smartphone. Ein Urteil fiel aber noch nicht, das soll laut Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt am kommenden Montag geschehen. "Wir werden dann nächste Woche weitermachen und die Sache beenden", hatte er zum Ende des zweiten Verhandlungstags gesagt.

Rückschau: Bei der Durchsuchung der Knetzgauer Wohnung des Angeklagten am 30. August 2016 fanden die Ermittler 300 Gramm Marihuana und besagte Waffen sowie in einem Kellerabteil noch rund 93 Gramm Haschisch und etwa zwölf Gramm Amphetamin, jeweils "von überdurchschnittlicher Qualität". Außerdem wurde in der Wohnung ein Schließfachschlüssel zu einem Depot bei einer Haßfurter Bank sichergestellt. Dort entdeckten die Ermittler 55 000 Euro, das Geld ordnet die Staatsanwaltschaft den angeblichen Drogengeschäften des Angeklagten zu.


Eigenbedarf oder Verkauf?


Dem Gericht ging es gestern nun auch darum zu klären, inwiefern der 27-Jährige die bei ihm gefundenen Drogen besaß, um seinen Eigenbedarf zu decken. So hatte es der Angeklagte nämlich am ersten Verhandlungstag durch seinen Anwalt erklären lassen: Zwar habe der Knetzgauer Drogen bei einem Bekannten bestellt, einen Großteil davon jedoch zum Eigenkonsum. Den Rest verkaufte er, um diesen Konsum zu finanzieren. Das entdeckte Amphetamin sei ebenfalls nur zum Eigenbedarf, das Haschisch als Notvorrat, die Machete als Hilfe beim Angeln, der Baseballschläger als Sportgerät, hatte Rechtsanwalt Voigt für seinen Mandanten erklärt.

Die Anstaltsärztin der JVA Bamberg war gestern als Zeugin geladen. Sie hatte dem Angeklagten am 19. Oktober des vergangenen Jahres eine Haarprobe in der JVA Kronach entnommen, wo sie als Vertretung eingesetzt war. Direkt am Haaransatz habe sie etwa 2,5 Zentimeter abgeschnitten. Richter Schmidt hatte aus dem Bericht zur Haaranalyse vorgelesen, die Rückschlüsse darauf geben sollte, ob und wie viel Marihuana und Amphetamin der Angeklagte konsumiert hat. Es sind laut Schmidt "Gutachten, die eher geringen Konsum belegen".


Früh mit Drogen in Kontakt gekommen


Nachdem die Haarprobe aber erst im Oktober gemacht worden war, ging der Richter davon aus, dass sich in der Probe vor allem auch die zwei Monate in U-Haft widerspiegelten, in dieser Zeit habe der Angeklagte keine Drogen konsumieren können. So bleibt noch zu klären, inwiefern über die Haarprobe der tatsächliche Drogenkonsum des Angeklagten nachgewiesen werden kann, was für die Frage nach dem Eigenbedarf von Bedeutung ist.

Vor Gericht gab der Beschuldigte vergangene Woche an, früh mit Drogen in Kontakt gekommen zu sein. Ab dem 18. Lebensjahr habe er so ziemlich alles ausprobiert: Crystal, Heroin, Amphetamin, Ecstasy, auch Medikamente hatte er immer wieder eingenommen. Entsprechend hatte er Probleme, im Berufsleben Fuß zu fassen. "Durch die Drogen habe ich es immer wieder verkackt." Er wolle jetzt eine Therapie machen, "mit dem Konsum brauche ich Hilfe. Das bin ich meiner Tochter schuldig", hatte er erklärt.


300 Gramm mit der Post


Dass sich der Mann Drogen mit der Post zuschicken ließ, gilt als Fakt. Eine Mitarbeiterin des Rauschgiftkommissariats in Leipzig hatte gestern als Zeugin vor Gericht erklärt, dass ihre Kollegen bei einem Mann aus dem Raum Leipzig im Zuge von Ermittlungen ein Smartphone beschlagnahmt hatten, das sie ausgewertet habe. Dabei wurde aus einem Chatverlauf auch der Kontakt zu dem Knetzgauer offenbar. Die Leipziger hatten damals den Tipp von der Kriminalpolizeiinspektion Schweinfurt erhalten, sagte die 47 Jahre alte Zeugin: Nach der Durchsuchung der Knetzgauer Wohnung habe man eine Paketsendung mit 300 Gramm Marihuana auf den Mann in Leipzig als Absender zurückführen können.
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