Rauhenebrach
Bilanz

Gerhard Eck im Vorsitz bestätigt

Der Verein "Unser Steigerwald" verzeichnet ungebrochenen Zulauf. Das Ziel ist nach wie vor, einen Nationalpark im Steigerwald zu verhindern.
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Über 300 Besucher hatte die Jahresversammlung des Vereins "Unser Steigerwald", 250 stimmberechtigte Mitglieder bestätigten den Vorstand im Amt. Foto: privat
Über 300 Besucher hatte die Jahresversammlung des Vereins "Unser Steigerwald", 250 stimmberechtigte Mitglieder bestätigten den Vorstand im Amt. Foto: privat
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"Im Steigerwald sind mehrere Vorgaben aus naturschutzfachlicher Sicht für einen Nationalpark nicht gegeben, unter anderem ist kein geschlossenes Schutzgebiet möglich. Deshalb ist es sehr begründet, dass der Ministerpräsident den Steigerwald bei der Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern außen vor lässt", diese Meinung der Nationalparkgegner machte der im Amt bestätigte Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald" Gerhard Eck bei der Jahresversammlung deutlich.


Großes Interesse

Über 300 Mitglieder und interessierte Zuhörer auch aus dem Raum Rauhenebrach im Landkreis Haßberge füllten die Gerolzhöfer Stadthalle bis auf den letzten Platz. "Das muss man an einem Sonntagabend, während die Bayern spielen, erst mal nachmachen", wertete Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak den großen Zuspruch als Zeichen dafür, dass von einem Sinneswandel in der Region keine Rede sein könne. Er verwahrte sich gegen "das dauernde Schlechtreden unserer Region. Wir haben hier Vollbeschäftigung, Fachkräftemangel, eine lebendige Natur und Kultur", betonte Wozniak. Der Steigerwald sei von hervorragender ökologischer Qualität und trage zur Wertschöpfung wie zur Artenvielfalt bei.

In seinem Tätigkeitsbericht widersprach Vorsitzender Gerhard Eck der ständigen Behauptung der Naturschutzverbände, ein Nationalpark sei eine Jobmaschine. "Das ist eine Lüge", erklärte er kategorisch, man müsse sich nur die Strukturdaten im Bayerischen Wald genau ansehen. Das Problem sei allerdings, die ständigen Fehlinformationen vor allem des Bund Naturschutz zu widerlegen, da mittlerweile fast die gesamte Medienlandschaft auf Pro-Nationalparkkurs sei. In keinem Haushalt, ob im Land, im Bund oder in Brüssel gebe es einen Titel "Nationalpark". Geld gebe es nur für die Nationalparkverwaltung, die Kommunen erhielten nicht einen zusätzlichen Förder-Euro. Und wo das zusätzliche Geld für einen dritten Nationalpark in Bayern herkommen soll, angesichts der finanziellen Herausforderungen, das habe auch noch niemand gesagt.

Im Jahresrückblick stellte Zweiter Vorsitzender Oskar Ebert fest, dass der Verein "Unser Steigerwald" mittlerweile 3800 persönliche Mitglieder hat, außerdem 59 Kommunen, Verbände und Organisationen. Von einem Umdenken in der Region könne man nicht reden angesichts weiter steigender Mitgliederzahlen und der Tatsache, dass 20 Kommunen im Steigerwald in einer Resolution das Trittsteinkonzept befürworten und ein Großschutzgebiet ablehnen.


Dialogprozess vertagt

Viele Diskussionen habe man geführt und dabei erfahren, dass für den LBV (Landesbund für Vogelschutz) der Nationalpark schon der Kompromiss sei, weil der LBV am liebsten gar keine bewirtschafteten Wälder in Deutschland hätte. Die kompromisslose Haltung der Naturschutzverbände habe dazu geführt, dass der von der Umweltministerin angeschobene Dialogprozess erfolglos vertagt wurde. Obwohl der Anwalt von Altlandrat Denzler noch Beschimpfungen in Richtung "Unser Steigerwald" losgelassen habe, habe das Verwaltungsgericht das widerrechtliche Verhalten des früheren Landrats bei der Ausweisung des Großschutzgebietes "Hohe Buchene Wald" bestätigt.

Der Verein "Unser Steigerwald" habe die Kulturlandschafts-Inventarisation unterstützt, die dem Steigerwald große Potentiale bescheinigt. Das Weltkulturerbe sei machbar, wenn sich die Region vernetzt. Dafür seien erste Schritte unternommen. Außerdem hat der Landwirtschafts-Ausschuss auf Antrag aus dem Steigerwald beschlossen, dass das Trittsteinkonzept als beispielhafte naturnahe Waldbewirtschaftung wissenschaftlich begleitet wird, berichtete Eck.


Einmütiges Votum

Nach einem Kassenbericht ohne Einwände war die Neuwahl in fünf Minuten abgehandelt. Mit jeweils 100 Prozent Zustimmung wurden Gerhard Eck, seine Stellvertreter Oskar Ebert und Heinrich Thaler sowie Kassenwart Hans-Walter Schmalzbauer bestätigt. Stellvertretender Kassier bleibt Albrecht Ruß. Neuer Schriftführer ist Manuel Manichel. Dem Beirat gehören an: Josef Mendt, Klaus Merkel, Thorsten Wozniak, Hermann Hotz, Ernst Nickel und Thomas Sechser. Zur erweiterten Vorstandschaft gehören außerdem Siegfried Ständecke, Manfred Schötz, Doris Hornung und Anna Bäuerlein.

Zum Abschluss referierte Andreas Knorr, der frühere Leiter des Forstamts Bamberg. Er sagte, es gebe keine naturschutzfachlichen Gründe, im Steigerwald einen Nationalpark auszuweisen, im Gegenteil sei er ein Musterbeispiel für vorbildliche Waldwirtschaft bei hoher ökologischer Qualität. "Die halbe Welt reist nach Ebrach, um hier vom Forstbetrieb zu lernen", erklärte er. Mehrere wissenschaftliche Studien belegten, dass eine naturnahe Waldbewirtschaftung besser sei für Artenvielfalt und Klimaschutz, als die Stillegung.

Dass das Thema die Region seit zehn Jahren spaltet, liege daran, "dass man hier ein Musterbeispiel für tendenziöse Berichterstattung einiger Medien verfolgen kann", was er an Kommentaren aufzeigte. "Und wenn Unwahrheiten oft genug wiederholt werden, glauben sie die Menschen". Warum solle ein Nürnberger nicht für einen Nationalpark sein, wenn er in der U-Bahn einen Flyer findet mit dem Schlagwort "Rettet die uralten Buchenwälder im Steigerwald". Diese uralten Wälder, das seien die 25 Hektar Naturwaldreservate, die ohnehin unter Vollschutz stünden. "Andere uralte Wälder gibt es hier nicht." Der Nürnberger Reichswald sei aus naturschutzfachlicher Sicht hervorragend für einen Nationalpark geeignet, erklärte der Forstmann.


Übernachtungen gehen zurück

Die größte "Fake News" sei es, einer Region durch einen Nationalpark ein Wirtschaftswunder zu versprechen. Das Bundesamt für Naturschutz habe eine Studie über die Übernachtungen in deutschen Nationalparks in Auftrag gegeben. Sie zeige sogar im Berchtesgadener Land einen Rückgang der Übernachtungszahlen von 3,1 Millionen 1978, als der Nationalpark gegründet wurde, auf 2,23 Millionen in 2014. Im Diskussionsprozess zum dritten Nationalpark erwartet Knorr, "dass von staatlicher Seite mit reellen Zahlen gearbeitet wird".
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