Region // Haßberge
Gerhard Thein zog Knetzgau auf
Der frühere geschäftsführende Beamte wurde im Gemeinderat gewürdigt. Dass in Knetzgau der Umweltgedanke verankert ist, ist auch sein Verdienst.
Fast 38 Jahre war Gerhard Thein maßgeblich an der Entwicklung der Gemeinde Knetzgau beteiligt. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend honorierte Bürgermeister Stefan Paulus (CWG/SPD) dessen Ausscheiden. Als Geschäftsführer der Gemeindeverwaltung mit "Ecken und Kanten" hinterlasse Thein ein "bestelltes Feld", meint Paulus in seiner Laudatio.
"Der Abbau der Schuldenlast der Gemeinde Knetzgau war eine der großen Herausforderungen in den Anfangsjahren", erinnert sich Gerhard Thein. Denn durch die Gebietsreform gehörte Knetzgau 1976/77 zu den Gemeinden in Bayern mit dem höchsten Schuldenstand pro Einwohner.
Aber auch der Erlass und die Überarbeitung aller in der Gemeinde gültigen Gebühren- und Beitragssatzungen, die Umstellung vom tatsächlichen auf den zulässigen Geschossflächenmaßstab sowie die Kostenerstattung für die Hausanschlussleitungen waren Hauptaufgaben. Zudem wurde in der Anfangszeit die Müllabfuhr eingeführt.
Kein leichtes Feld für den einstigen geschäftsführenden Beamten der Gemeinde Knetzgau. Nach Volks- und Handelsschule wurde Gerhard Thein im Landratsamt Haßfurt als Verwaltungsangestellter ausgebildet. Dort wirkte er in Buchungsstelle, Kassenamt, Geschäftsleitung und Kommunalaufsicht. 1974 hatte er nach Knetzgau gewechselt, drei Jahre später übernahm er die Geschäftsleitung - wurde Kämmerer und Standesbeamter, und schließlich war Thein auch noch Beauftragter der Agenda 21.
Seit August genießt er das Rentnerdasein.
Gerhard Thein erinnert sich an die Einhebung der Baukostenbeiträge für Kanalbaumaßnahmen in Knetzgau, Zell, Westheim und Hainert. Das lief nicht ohne Kritik. Arbeitsfelder waren auch Straßenbau, Kläranlage und Wasserleitungen. Neubaugebiete wurden erschlossen, die Erschließungsbeiträge abgerechnet. "Die Umsetzung des Beitragsrechts gehört heute noch zu den schwierigsten Verwaltungsaufgaben einer Kommune. Denn welcher Bürger bezahlt schon gerne Gebühren und Beiträge?", sagt Gerhard Thein.
An einem weiteren Kraftakt war er beteiligt: Erwerb und Sanierung von Schloss Oberschwappach. Trotz hoher Förderung war die Finanzierung nicht leicht. Eine weitere schwere Nuss war die Abwasserreinigung für Ober- und Unterschwappach und Wohnau. Jahrelang kämpfte Gerhard Thein - erfolgreich - gegen den Anschluss dieser Gemeindeteile an die Kläranlage Knetzgau. Seiner Ansicht nach wäre es Unsinn gewesen, die Abwässer durch das Ortsnetz von Westheim zu leiten. Letztlich gab sein Hinweis auf immer höhere Energiekosten den Ausschlag, obwohl schon die Druckleitung von Oberschwappach nach Westheim geplant und genehmigt war. Und mit Thein war Knetzgau auch eine der ersten Gemeinden, die versuchten, die Agenda 21 zu verwirklichen.
Bei der Versickerung des Dachwassers der Grund- und Hauptschule, der Entsiegelung von gemeindlichen befestigten Flächen, bei Biotopen und Ökokonto war Knetzgau Vorreiter und erfüllte als eine der ersten Gemeinden die gesetzlichen Vorgaben. Umweltschutz und Energieeinsparung waren schon immer große Anliegen des scheidenden Geschäftsleiters. Letzte Projekte Theins waren nach vier Jahrzehnten Berufsleben das Seniorenheim "St. Martha" sowie die Radwege Zell-Oberschleichach und Knetzgau-Donnersdorf.
Es bleibt sein Geheimnis, schmunzelt er, was er als verantwortlicher Mitarbeiter, der über 30 Jahre fast bei jeder Gemeinderatssitzung anwesend war, da so erlebt, gefühlt und verarbeitet hat. Immerhin waren drei Bürgermeister seine Dienstherren: Franz Hofmann, Werner Schneider und Stefan Paulus.
Langeweile wird für Thein auch im Ruhestand wohl ein Fremdwort bleiben. Dafür sorgt schon die Großfamilie mit vier Kindern und neun Enkeln.
Und schließlich muss er ab und zu ja doch noch in die Verwaltung und nach dem Rechten sehen: Thein ist ehrenamtlicher Archivverwalter.

















