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Windradprojekt

Gegenwind durch Bürgerentscheid?

Bei einer Informationsveranstaltung in Eichelberg waren die Gegner des Projekts auf dem Tonberg bei Kirchlauter unter sich.
Über dem Wald im Hintergrund von Eichelberg würden die 230 Meter hohen Windräder weit in den Himmel ragen, so sie gebaut würden. Das sehen die Eichelberger als eine Beeinträchtigung ihrerseits.  Fotos: Helmut Will
 
von HELMUT WILL
Echte Windkraftbefürworter waren der Informationsveranstaltung der Windkraftgegner von der Bürgerinitiative Kirchlauter, "ProNatur Tonberg", am Sonntagabend im Gemeindehaus Eichelberg offensichtlich fern geblieben. Deshalb gab es für die Veranstalter keinen Gegenwind, niemand erhob während der Versammlung seine Stimme pro Windkraft.

Den aktuelle Stand der Entwicklung zur Aufstellung der geplanten Windkraftanlagen auf dem Tonberg legten der Sprecher der Initiative, Ralph Bremicker, und seine Mitstreiter Michael Siegel und Michal Kaiser dar. Außerdem gab es eine Fülle von Informationen zur "Sinnlosigkeit der Windkraft."


Die ersten Erfahrungen

Für einige Besucher waren das, wie eine Nachfrage ergab, erstmals Informationen zu den geplanten Windkrafträdern auf dem Tonberg bei Kirchlauter. Ute Paschek, eine 56jährige berufstätige Frau aus Eichelberg erhielt durch die Veranstaltung erstmals eine aktuelle Information über das "Problem Windräder." Sie sagt: "Bisher habe ich mich damit nicht befasst und war deshalb schon sehr erstaunt, welche Probleme durch Windräder entstehen können. Ich bin ab heute eine Gegnerin von Windrädern und würde mich über einen Bürgerentscheid, der solche verhindert, freuen."

Einer aus einer Gruppe von Jugendlichen, die nicht in der Veranstaltung waren, sagte auf eine entsprechende Frage: "Na ja, ich denke, uns in Eichelberg stören die Windräder bei Kirchlauter nicht, aber die Kirchlauterer vermutlich schon."

Bremicker ging zunächst darauf ein, wie die Initiative im März entstanden ist. Mit Blick auf die kürzlich in Lichtenstein stattgefundene Veranstaltung hoffte er, dass eine sachliche Diskussion möglich ist.


Profit im Mittelpunkt

Dann kamen Besucher der Veranstaltung zu Wort. Kreisheimatpfleger Günter Lipp zeigte sich als überzeugter Gegner der Windkraft. "Landschaft ist Heimat und Windräder stehlen uns diese", sagte er. Bezeichnend wäre, dass sich von sieben Vorteilen für Windkraft fünf ums Geld, um den Profit einzelner, drehten. Wenn man von Wertschöpfung durch Windkraft spreche, dürfe man nicht vergessen, dass es hierdurch zahlreiche Wertminderungen für den Großteil der Bevölkerung gebe. "Für mich sind Windräder Symbole des Geldes", so Lipp. Natur und Landschaft seien Hauptargumente gegen Windkraft. "Hält man sich in Ballungsgebieten auf, wird einem deutlich bewusst, was wir an unserer Heimat haben", sagte der gebürtige Oberbayer.

Im Tourismusbereich im Landkreis bezeichne man manchen Plan oder Initiative als "Leuchtturmprojekt", die diesen Namen nicht verdienten. "Ein echtes Leuchtturmprojekt könne im Landkreis sein mit der Natur, Ruhe und Schönheit der Landschaft zu werben", so der Kreisheimatpfleger. Sein Resümee: "Windräder reißen die Energiewende nicht raus, aber den Baunachgrund reißen sie rein. Ich hoffe dass der Landkreis von dieser Pest verschont bleibt."

Für die Untermerzbacher Gemeinderätin und Kreisrätin Birgit Finzel (CSU), die unter den Besuchern war, hatte Lipp ein Lob: "Meine Hochachtung Frau Finzel, dass sie ihre Meinung zu Windrädern von Pro auf Kntra geändert haben." Diese Aussage wurde mit Beifall bedacht.


Schlechte Erfahrungen

Claudia Scheuring aus Kleinmünster teilte ihre Erfahrungen als jemand, der nahe Windrädern wohnt, mit. "Es bewegt sich immer etwas am Himmel, es gibt hierdurch Schlaf- und Gesundheitsprobleme, unser Erholungsraum wird durch solche Anlagen zerstört."

Thomas Herrmann aus Fischbach widersprach den Behauptungen der Betreiber, die technischen Belange seien unbedenklich . "Ein Mensch reagiert nicht technisch, sondern nach Gefühl und Befinden."


"Hier nicht sinnvoll"

Anhand einer Leistungskennlinie verdeutlichte Ralph Bremicker, dass in der hiesigen Region der Wind fünf bis sechs Meter pro Sekunde erreicht, in Küstenregionen zwölf bis fünfzehn Sekunden. Schon dadurch werde deutlich, dass Windräder hier nicht sinnvoll seien. Weiterhin erläuterte er die Prozedere von der Idee bis zur Fertigstellung von Windraftanlagen. Die Umweltbelastung und das Ausmaß von Belästigungen für die Bevölkerung, die nötig sind, um überhaupt die Voraussetzungen für den Bau von Windrädern zu schaffen, erläuterte Michael Siegel. Straßen müssen gebaut werden als Voraussetzung, dass die riesigen Windradteile mit schwerem Gerät vor Ort gebracht werden können. "Das alles stellt einen großen Eingriff in eine intakte Natur dar", so Siegel.


Zufahrt von Norden her?

Nach seiner Information plane man dies Straßen nicht mehr aus Richtung Kirchlauter, sondern aus Richtung Eichelberg und Reutersbrunn zum geplanten Standort der Windräder auf dem Tonberg zu bauen. Hier zeigte er mögliche Szenarien auf, die nicht auf Zustimmung der Versammlungsteilnehmer stießen. Allerdings betonte Michael Siegel, dass dies nur Vermutungen der Initiative seien: "Wirklich erfährt man darüber gegenwärtig noch nichts."
Für die Vorausmaßnahmen, wie den Straßenbau, scheine schier endlos Geld vorhanden zu sein, sagte Siegel. Man müsse wissen, dass für die zur Verfügungstellung von Flächen für Windräder der Eigentümer im Jahr 20 000 bis 30 000 Euro erhalte, sagte Bremicker. Rolf Ospel aus Buch meinte zu wissen, dass die Windradinvestoren am "Bretzenstein" zwischen Ebern und Recheldorf, die sich mit Einlagen beteiligten, nicht besonders profitieren. Er rief dazu auf, sich bei den geplanten Objekten finanziell nicht einzubringen. Dargelegt wurde auch, dass sich der CO2- Ausstoß durch Windkraftanlagen nicht wesentlich verbessert habe und der Anteil der Windkraft am Gesamtenergieverbrauch verschwindend gering sei.


Bürger sollen entscheiden

Am Schluss der Veranstaltung wurde die Frage gestellt, wie es weitergehen könne, um die Windräder zu verhindern. Hier wies Ralph Bremicker auf die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens und auf den Bürgerentscheid hin und erläuterte die dazu erforderlichen Schritte. "Ein Bürgerentscheid kann den Beschluss des Stadtrates Ebern, die Fläche am Tonberg aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen, außer Kraft setzen", sagte er. Für ein Bürgerbegehren seien im Fall Ebern zehn Prozent der Unterschriften der Bürger nötig, so um die 600. Bestehen gegen das Bürgerbegehren keine rechtlichen Bedenken, müsse der Stadtrat dessen Zulässigkeit feststellen und es sei ein Bürgerentscheid durchzuführen. Eine Mehrheit von 20 Prozent der Stimmberechtigten beim Bürgerentscheid, der an einem Wahlsonntag durchzuführen ist, würde den Stadtratsbeschluss aushebeln. "Das wäre die konsequenteste Lösung", so Ralph Bremicker.

Diesen Weg will man offensichtlich verfolgen. Deshalb werde die Initiative in Ebern Flyer mit entsprechenden Informationen verteilen. "Auch werden wir vor Ort präsent sein, um die Leute zu informieren", sagte der Sprecher von "ProNatur Tonberg."

Er verwies darauf, dass am Dienstag, 2. August, 20 Uhr, in Kirchlauter eine weitere Veranstaltung sein wird, bei der Landrat Wilhelm Schneider und Landtagsabgeordneter Steffen Vogel (beide CSU) sowie die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden erwartet werden.

zum Thema "Bürgerwald-Windpark"

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