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Strafprozess

Frau nutzte Gutgläubigkeit aus

Das Amtsgericht in Haßfurt verhängte gegen eine 57-Jährige ein Bewährungsstrafe wegen Betrugs. Die Frau hatte von einemLandwirt Geld ergaunert.
Durch Tricks und Lügen hat eine Frau einen gutgläubigen Landwirt um mehrere Tausend Euro erleichtert. Nun wurde sie wegen Betrugs verurteilt. Foto: Symbolbild /Robert Schlesinger/dpa
 
von MANFRED WAGNER
Rein menschlich gehört es zu den verwerflichsten und unmoralischsten Verfehlungen: Die Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit eines sozial eingestellten Menschen skrupel- und schamlos auszunutzen. Genau dies widerfuhr einem Landwirt im Landkreis Haßberge, der mittlerweile bereits verstorben ist. Innerhalb eines Vierteljahres tauchte eine 57-Jährige insgesamt acht Mal bei ihm auf und verlangte mit abenteuerlichen, erfundenen Geschichten Geld. Für diese durchtriebene Masche kassierte die mittellose Betrügerin bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt eine elfmonatige Bewährungsstrafe.


Erster Deal mit Klamotten

Der fast unglaubliche Vorgang ereignete sich im Zeitraum von Juli bis Oktober 2015. Das erste Mal tauchte die in Worms lebende Frau Mitte Juli 2015 vor dem Hof ihres Opfers auf. Sie hatte einen Koffer voller Klamotten dabei und wollte ihm etwas davon verkaufen. Der Angesprochene ließ sich einlullen und erwarb - weit überteuert - einen Jogginganzug für 100 Euro. Das Geschäft hatte jedoch für den Käufer überhaupt keinen Sinn, weil ihm der Anzug gar nicht passte.

Nachdem die Frau gemerkt hatte, dass hier offenbar etwas zu holen war, kam sie im Abstand von wenigen Wochen immer wieder vorbei. Stets präsentierte sie nun einen Vorwand, mit dem sie den Gutgläubigen überredete, ihr Geld zu leihen. Einmal waren es die Beerdigungskosten für ihren verstorbenen Ehemann, einmal die Friedhofsgebühren, einmal die fällige Autoversicherung, einmal Reparaturkosten am Fahrzeug und einmal die Kosten für eine notwendige Krebsbehandlung.


5030 Euro erbeutet

Meist händigte der Bauer, der damals genau 50 Jahre alt war, der "armen Frau" Beträge von 400 oder 500 Euro aus, einmal waren es sogar 2000 Euro. Wie hinterlistig die Angeklagte vorging, um den Landwirt immer wieder zu prellen, erfuhr man in der Verhandlung: Um den Anschein zu erwecken, dass sie das geliehene Geld zurückgeben wolle, händigte sie ihrem Opfer zweimal kleinere Geldsummen von insgesamt 160 Euro aus. Unter Berücksichtigung dieses zurückgezahlten Betrages betrug ihre gesamte Beute 5030 Euro.


In einer eigenen Welt

Von der Amtsrichterin Ilona Conver gefragt, wie man derart vertrauensselig und naiv sein könne, beschrieb die Schwägerin des Verstorbenen dessen Persönlichkeit. Ihr lediger Schwager, meinte sie, lebte gewissermaßen in seiner eigenen Welt. Seine Kühe seien ihm sein ein und alles gewesen. Er sei zwar intelligent gewesen, aber vom Charakter her "einfach zu lieb und zu gut" zu seinen Mitmenschen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Der Pflichtverteidiger Tino Rüttinger stellte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichts.
Die Vorsitzende stellte in der Begründung zu dem noch nicht rechtskräftigen Urteil fest, dass es der Verurteilten "sehr, sehr leicht gemacht" worden sei. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Da die Frau von staatlicher Grundsicherung lebt, müssen die Erben des Landwirts den entstandenen Schaden wohl abschreiben.
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