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Region  // Haßberge

Feuerwehrspritze

Feuerwehr fährt Prunkstück in Blau vorbei

Zu ihrer 150-Jahr-Feier stellt die Feuerwehr Ebern in der Schalterhalle der Raiffeisenbank eine alte Pumpe aus. Das historische Gerät ist blau.
Auf Holzbrettern wurde die alte Pumpe behutssam ins Bankgebäude gerollt. Foto: Raiffeisenbank Ebern
 
von ECKEHARD KIESEWETTER
Nanu, ist 's bei der Blaulicht-Fraktion jetzt allgemein der Wandel angesagt? Wechseln nach den Beamten in Grün jetzt auch die "Rothelme" die Farbe? Mitnichten, auch wenn jetzt eine Feuerwehrspritze in Blau in Ebern für Aufsehen sorgt. Dabei handelt es sich jedoch um keinen Stil-Wandel neuerer Zeit, sondern vielmehr um ein Relikt eines früheren Jahrhunderts.

Ein gut gepflegtes und in 300-stündiger Arbeit aufwendig restauriertes Museumsstück aus dem Jahr 1842, einer Zeit, in der es die Freiwillige Feuerwehr Ebern offiziell noch gar nicht gab. Diese feiert vom 5. bis 7. Mai "erst" ihr 150. Jubiläum. Die offizielle Gründungsurkunde, die der Verein am 11. Juni 1898 erhielt, nannte als Gründungsdatum den 12. September 1887, auch wenn die Eberner natürlich schon lange vorher den "roten Hahn" in der Stadt bekämpften.

Davon zeugt auch das 1846 angeschaffte Prunkstück der Wehr: die "Blaue Spritze", welche die Feuerwehr anlässlich des Jubiläums noch bis Anfang Mai im Servicebereich der Raiffeisen-Volksbank in Ebern ausstellt.


Gusswerk aus Messing

Eine Mindestbesetzung von "zehn Mann" war laut Mitteilung der Feuerwehr nötig, um das 956 Kilo schwere Pumpenfahrzeug zu bewegen; acht bis zwölf Mann bedienten das Gerät. "Gepumpt", so erfährt der Besucher anhand einer Schautafel, "wird über zwei gegossene Zylinder mit zwei eingeschliffenen Kolben und zwei Abgängen, davon einer als Strahlrohr ausgebildet." Mit dieser Apparatur konnte man immerhin 30 Meter weit spritzen.
Zum Einsatzort wurde die bei der Bamberger Glockengießerei J. P. Lotter aus Messing gegossene Druckspritze damals von zwei Gäulen gezogen. Dass diese Pferdestärken auch notwendig waren, wurde deutlich, als die Pumpe jetzt mit Muskelkraft in den Servicebereich der Raiffeisenbank geschoben wurde.
Bei einer Bank interessiert natürlich auch das Finanzielle: Gekostet hat das gute Stück dereinst 900 Gulden, was nach heutigen Maßstäben etwa 12 000 Euro entsprechen würde.


Ein Schmuckstück

Die verzierten Messingteile hat die Feuerwehr vor zwölf Jahren liebevoll saniert, berichtet Anton Gerstenkorn, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Sie zeugen davon, dass man dereinst nicht nur auf Funktionalität achtete. Vielmehr hat solch ein Prunkstück auch repräsentativen Zwecken gedient.

Heute würde sich die Feuerwehr um keinen Preis von ihrem Museumsstück trennen, das nun für die Ausstellung wirbt, mit der man am Jubiläumswochenende auch andere Ausrüstungsgegenstände von früher präsentieren wird. Gleiches gilt für den historischen Festumzug durch die Eberner Altstadt am Sonntag, 7. Mai, am 13.30 Uhr.


Die Farbe

Mit der repräsentativen Bedeutung der Feuerwehrspritze, die man auch früher schon stolz als Zeichen der Wehrhaftigkeit und Stärke der Floriansjünger bei Festzügen präsentierte, erklärt sich wohl auch die blaue Farbe des Unikats, für das die Eberner Feuerwehrleute immer wieder hohe Geldangebote bekommen.
Es ist in Bayrisch-Blau gehalten, der Farbe des damaligen Königreichs. Bei der Sanierung habe die Feuerwehr sich strikt an das Vorbild gehalten und die Originalfarbe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts rekonstruiert, versichert Anton Gerstenkorn.

Rot, wie man es in Deutschland überall mit den Einsatzkräften verbindet, ist übrigens als Feuerwehrfarbe durchaus keine Selbstverständlichkeit. "In Kriegszeiten", weiß Anton Gerstenkorn, "waren die Feuerwehrfahrzeuge hierzulande grün". Zudem ist rot umstritten, weil farbenblinde Menschen die Fahrzeuge als Grau wahrnehmen. In manchen Ländern, beispielsweise Großbritannien und Teilen der Schweiz bevorzugt man stattdessen grelles Lemongelb. Das sticht noch mehr ins Auge als der blaue "Hingucker" aus der Kinderzeit der Eberner Feuerwehr.
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