Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Region  // Haßberge

Zwist

Fatale und nervtötende Situation

Ein Nachbarschaftsstreit gipfelte vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Die Betroffenen müssen Abstand voneinander halten und Verleumdungen unterlassen.
Symbolbild Foto: Archiv
 
von MANFRED WAGNER
"Sie können sich einfach nicht vorstellen, was ich in den letzten Jahren mitgemacht habe!" Emotional aufgewühlt und mit tränenerstickter Stimme schilderte eine 46-jährige Angestellte im Zeugenstand, wie sie sich seit Jahren von ihrem Nachbarn terrorisiert fühlt. Der Prozess wegen Bedrohung und Beleidigung gegen den Maschineneinsteller (61) endete ungewöhnlich: Im Sinne eines Täter-Opfer-Ausgleiches protokollierte das Haßfurter Amtsgericht im Prozess gegen den Mann eine Erklärung, wonach der Angeklagte sich verpflichtet, eine wie immer geartete Kontaktaufnahme zu unterlassen. Das benachbarte Ehepaar seinerseits musste versichern, keine ehrverletzenden Unterstellungen gegenüber dem Beschuldigten zu erheben.

Laut Anklageschrift entzündete der 61-Jährige immer wieder in seinem Garten, der unmittelbar an das Nachbargrundstück grenzt, zwei Friedhofskerzen. Obwohl Verteidiger Bernhard Langer insistierte, dass dies ja in keiner Weise strafbar sei, wurde doch ausführlich beleuchtet, in welchem Kontext dies geschah.


"Eine Art Altar"

Die benachbarten Eheleute sagten übereinstimmend aus, dass er dazu Schilder mit der Aufschrift "Loser" (zu Deutsch: Verlierer) ins Fenster hängte, eine Eule- beziehungsweise eine Froschfigur aufstellte und ständig wiederholte: "Damit euch ein Licht aufgeht". Die Nachbarsfrau sprach gar von einer Art von Altar. Immer wieder habe der Mann dabei in Richtung auf seine Nachbarn boshaft gedroht: "Ich mache euch den Garaus!"

Immer, wenn der Mann nicht habe arbeiten müssen, seien Nägel unter den Reifen ihrer beiden Autos gelegen, berichteten die Nachbarn. Dass es sich tatsächlich um Psychoterror handelte, verdeutlichte die Nachbarin an einem weiteren Beispiel: Wiederholt habe der Angeschuldigte in seinem Garten in ihrer Richtung mit halblauter und hämischer Stimme das Kinderlied "Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß..." gesungen. Die Frau vermutet, dass ihr Nachbar ein Alkoholproblem und eine Persönlichkeitsstörung habe.
 


"Nachbarschaftskrieg"

Genau dies wertet dessen Rechtsanwalt Bernhard Langer als üble Nachrede, was bekanntlich ebenfalls verboten ist. Zudem, führte er aus, sei sein Mandant ungefragt und unerlaubt fotografiert worden. Er bezeichnete die Ereignisse als "Nachbarschaftskrieg", der seit Jahren zwischen den Parteien tobe.
Mit einer strafrechtlichen Verurteilung, so seine Meinung, ändere sich an der fatalen und nervtötenden Situation gar nichts.

In diesem Punkt waren sich alle anwesenden Juristen einig. Die Amtsrichterin Ilona Conver konnte durchaus nachvollziehen, dass das Leben für die Beteiligten "die Hölle" sei, machte aber unmissverständlich klar, dass die klassischen Mittel des Strafrechts ungeeignet seien, in diesen verhärteten Fronten einen Rechtsfrieden zu schaffen.

Auf Anregung des Verteidigers kam es dann zu der oben genannten Lösung, die vorläufig für ein halbes Jahr gilt. Falls es in dieser Zeit keine weiteren Klagen gibt, soll das vorliegende Verfahren endgültig eingestellt werden. Die Vorsitzende Richterin entließ alle mit dem innigen Wunsch: "Ich hoffe, dass ich Sie hier nicht wiedersehe!"
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.