Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Soziales

Familie verdient mehr Anerkennung

Die Familie Nowak aus Wonfurt beteiligt sich an der Aktion "Elternklagen". Die Initiative des Familienbunds der Katholiken und des Deutschem Familienverbands setzt sich für gerechtere Familienpolitik ein.
Die Eheleute Claudia und Michael Nowak, im Bild mit vier ihrer fünf Kinder, beteiligen sich an der Aktion "Elternklagen". Foto: Sarah Jehle (POW)
 
Ein Kleinbus vor der Tür, Fotografien und selbst gemalte Bilder an den Wänden, Kinderspielsachen im Wohnzimmer. In der Essecke steht ein großer Tisch, an dem locker zwölf Personen Platz finden. Den braucht Familie Nowak auch. Claudia und Michael Nowak haben fünf Kinder im Alter zwischen zehn Monaten und 13 Jahren. Zwei Mädchen, drei Jungs.

"Ich hoffe, ich verscherze es mir nicht bei meinen Kindern mit der Erziehung. Damit sie mich im Alter auch unterstützen", sagt Claudia Nowak lachend und wird dann ernst. Die Familienpolitik macht sie wütend. "Ungerecht" nennt sie vor allem das Rentensystem. Michael Nowak ist Diakon, seine Frau Pastoralassistentin. Da nur er berufstätig ist, zahlen sie weniger in die Rentenkasse ein. Weil das gesamte Geld in die Finanzierung der Familie fließt, kann nicht privat vorgesorgt werden.

Wenn die Kinder einmal erwachsen sind, zahlen sie auch die Renten derer, die keine Kinder großgezogen haben. "Da stimmt doch was nicht", findet Claudia Nowak. Als Großfamilie könne man keine großen Sprünge machen. Sie hätten aber schon die Hoffnung gehabt, dass sie im Alter Sicherheit hätten. Das sei auch die Motivation gewesen, bei der Initiative "Elternklagen" des Familienbunds der Katholiken (FDK) und des Deutschen Familienverbands (DFV) mitzumachen.

Verfassungswidrig

"Wir jammern nicht, wir klagen", haben sich FDK und DFV auf ihre Agenda geschrieben. Auf ihrer gemeinsamen Homepage steht, dass bis heute 14 Millionen Eltern mit minderjährigen Kindern doppelt in die Sozialversicherungen einzahlen. Doppelt, weil neben den Geldbeiträgen der gleichwertige Erziehungsbeitrag nicht berücksichtigt wird. 2001 habe das Bundesverfassungsgericht im Pflegeversicherungsurteil entschieden, dass das verfassungswidrig ist. Der Gesetzgeber wurde daraufhin verpflichtet, auch die Kranken- und Rentenversicherung auf die Frage der Familiengerechtigkeit hin zu prüfen. Diese Prüfung habe nie stattgefunden. So laufen derzeit drei Musterverfahren beim Bundessozialgericht.

Die Entscheidung ist für den Herbst 2015 angekündigt. FDK und DFV weisen darauf hin, dass, wenn die Klage erfolgreich ist, nur Familien davon profitieren, die bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Beitragsreduzierung eingereicht haben. Auf der Homepage www.elternklagen.de stehen dafür juristisch geprüfte Musterschreiben kostenlos zur Verfügung.

Claudia und Michael Nowak haben ein solches Musterschreiben an ihre Krankenkasse geschickt. Diese wies die Forderung zurück. Nowaks haben Widerspruch eingereicht. Die Antwort darauf steht noch aus. Jetzt heißt es also warten. "Das Nichthandeln der Politik erschreckt", sagt Michael Nowak. Deshalb sei es dringend an der Zeit, aufzustehen und sich zu wehren. "Da muss ein Ruck durch die Gesellschaft gehen, damit diese wieder erkennt, dass sie nur existieren kann, wenn es Familien gibt, die Kinder großziehen."

"Ich gönne meinen Kindern die Mutter"

Als das erste Kind unterwegs war, haben sie sich dafür entschieden, dass Claudia Nowak zu Hause bleibt. Bei jedem weiteren Kind entschieden sie sich erneut dafür. Das Verständnis im Umfeld hätten sie nicht immer gehabt. "Erst nach dem fünften Kind sagten die Leute zu mir: ,Also, mit fünf Kindern ist es echt okay, wenn man zu Hause bleibt'." Das amüsiert sie immer noch. Genug zu tun hatte sie auch schon nach Baby Nummer eins.
"Ich gönne meinen Kindern die Mutter", begründet Claudia Nowak ihre Entscheidung, lieber etwas zurückzustecken als zu arbeiten. "An Alltäglichem fehlt es uns nicht", ergänzt Michael Nowak. Mit etwas mehr Geld würde Claudia Nowak mehr auf Ökologisches achten, auch bei Kleidern. Sie würden mal wieder ins Kino oder Restaurant gehen. Jedes Jahr fährt Familie Nowak an den Chiemsee. Dort haben sie Verwandte. Claudias Schwester in den USA haben sie noch nie besucht.

Doch Nowaks sind sich einig: "Uns geht es gut. Genau so wollten wir es." Gedanken machen sie sich eher um die Zukunft. Wenn die Kinder studieren möchten, eine eigene Wohnung oder ein Auto brauchen. Oder wenn Michael nicht mehr arbeitet und sie von der gesetzlichen Rente leben sollen.
Ob sich ihrer Meinung nach bereits Positives für Familien getan hat? Claudia und Michael Nowak überlegen angestrengt. "Als unser Auto geklaut wurde, gab es beim Kauf des neuen 1000 Euro Rabatt pro Kind. Das war super", fällt ihr ein. Und von Seiten der Regierung? Das Elterngeld sei eine tolle Idee, aber nicht sehr ausgereift. Vor allem wohlhabende Familien nähmen es in Anspruch, da ihnen die finanziellen Einbußen nichts ausmachten. "Die Erhöhung des Kindergelds war ein schönes Signal. Aber viel mehr Geld ist das natürlich nicht", sagt Claudia Nowak. Es käme ihnen außerdem wie eine Ausrede vor, um in nächster Zeit nichts mehr für die Familien zu investieren.

Mit Steurn benachteiligt

Vorschläge hat Familie Nowak sofort parat. "Dass zum Beispiel Skiliftbetreiber nur sieben Prozent Mehrwertsteuer bezahlen, Windeln allerdings mit 19 Prozent belastet sind", findet Michael seltsam. Brennholz ist staatlich gesponsert (sieben Prozent), Babynahrung, Fruchtsaft und Medikamente nicht (19 Prozent). Hundekekse: sieben Prozent, Kinderkekse: 19 Prozent. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Die Mutter wünscht sich ein Erziehungsgehalt. "Meine Familie ist mein Traumberuf, den ich gerne mit etwas weniger Druck ausüben würde und ohne Rechtfertigung anderen Leuten gegenüber, dass ich ja ,nur' zu Hause bin."

Vor allem geht es den beiden darum, die Gesellschaft zu sensibilisieren. Die Politik reagiere, wenn die Mächtigen oder die Wirtschaft etwas sagten. Aber damit es ein gerechtes System gebe, müsse auf den Menschen geschaut werden. Das sei auch ihre Verantwortung als Christen.

Der Diakon stellt die Frage: "Welches Menschenbild steckt hinter allem Tun? Die Familie muss mehr anerkannt werden. Familien sorgen dafür, dass die Gesellschaft weiter bestehen kann." Familien sollten von Anfang an besser unterstützt und begleitet werden, finden die Nowaks.

Die Kirche mache da schon sehr viel, zum Beispiel mit speziellen Tagen für Paare oder dem Gesprächstraining "Ein partnerschaftliches Lernprogramm (EPL)". Diese setzen direkt bei den Eltern an, damit sie Konflikten begegnen können. "Eine gefestigte Gesellschaft sollte das Ziel sein. Für alle."
Die Reaktionen auf ihre Großfamilie seien mittlerweile sehr positiv, erzählt Claudia Nowak. "Nach dem dritten Kind hielten uns noch alle für wahnsinnig. Jetzt finden das viele beeindruckend."

Weitere Informationen gibt es unter www.elternklagen.de. POW


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.