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Region  // Haßberge

Beleidigung

Engelszungen und wüste Angriffe

Ein 73-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Haßberge stand wegen Verunglimpfung seiner Nachbarn in Haßfurt vor dem Kadi. Die Verhandlung war turbulent.
Symbolfoto: Christopher Schulz
 
von HELMUT WILL
Massive Beleidigungen in fünf Fällen wurden einem 73-jährigen Rentner aus dem nördlichen Landkreis Haßberge von Staatsanwalt Stephan Jäger von der Staatsanwaltschaft Bamberg vorgeworfen. Worte wie "Nazi", "Zigeuner", "kriminelle Vereinigung", "Verbrecher", um nur einige zu nennen, hatte der Anklage in seinem Vokabular. Beleidigt hat er mehrere Personen aus seinem Wohnort und deshalb musste er sich nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten.


Jahrzehnte zurück

Die Frage des Gerichts, ob er als Angeklagter Angaben machen wolle, meinte er: "Ich sag da gar nichts, die Wahrheit liegt im Verborgenen, die Gründe dafür gehen Jahre zurück." Die Wahrheit würde von allen Ämtern missbraucht, von der Justiz, Staatsanwaltschaft, Polizei und den Richtern, sagte er. Er sei nicht auf der Welt, um sich mit Lügnern und Betrügern auseinanderzusetzen.
Geduldig, wenn auch etwas verwundert, ließen Richterin Ilona Conver und Staatsanwalt den Angeklagten gewähren.

In seinem Heimatdorf will der Mann eine "kriminelle Vereinigung" ausgemacht haben, die ihn seit 20 Jahren beleidige und bedrohe. "Mir wird nichts geglaubt, ich bin allen ausgeliefert", sagte der Rentner. Richterin Conver wollte wissen, wer ihm denn nach seiner Meinung nach so übel mitspiele. Der Rentner antworte mit dem Sprichwort: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."
Mit "Engelszungen" und viel Geduld versuchte der Staatsanwalt dem Angeklagten klarzumachen, dass er wegen Beleidigung angeklagt sei. Die Fragen des Anklagevertreters, ob er die ihm vorgeworfenen Beleidigungen ausgesprochen habe, beantworte er nicht, im Gegenteil, er trug massive Beleidigungen gegen Justiz und Staatsanwaltschaft vor, was den Staatsanwalt lauter werden ließ. "Wenn sie so etwas noch einmal wiederholen, leite ich ein neues Verfahren gegen sie ein", drohte Staatsanwalt Jäger. Das wiederum veranlasste den 73-Jährigen zur Aussage: "Von mir werden sie jetzt überhaupt nichts mehr hören."


Ortssprecher wollte vermitteln

Ein 55-jähriger Zeuge, der in dem Dorf Ortssprecher ist, erklärte, dass er versucht habe, im Dorf zu vermitteln. "Meine Bemühungen sind gescheitert und seitdem schaut er mich nicht mehr an und auch ich bin Ziel seiner Beleidigungen geworden." In jungen Jahren sei der Angeklagte ganz anders gewesen. "Da war er für mich sogar ein Vorbild, weil er viel leistete und auch Zeit fand, mit uns Jungen mal Schafkopf zu spielen", sagte der Zeuge.
Der Sachbearbeiter der Polizei in Ebern berichtete, dass von mehreren Personen Anzeige gegen den Angeklagten erstattet wurde und der Grund seines Verhaltens viele Jahre zurückliegen müsse. Besonders die direkten Nachbarn des Angeklagten haben offensichtlich massiv unter diesem zu leiden. Drei Zeugen aus diesem Anwesen wurden gehört, die unisono aussagten, dass der Rentner sie fast täglich beleidige. "Wenn er jemandem von uns im Hof sieht, geht es los und wir müssen uns seine Beschimpfungen und Beleidigungen anhören", sagten sie.

Ein 41-jähriger Nachbar sieht sich bewusst durch den Angeklagten provoziert. Er legte sich schon einmal unter meinem Traktor, verstellt mir den Weg, wenn ich mit meinen landwirtschaftlichen Fahrzeugen zum Hof raus- oder reinfahren möchte.


Ordnungsgeld verhängt

Da brauste der Angeklagte auf, schlug auf den Tisch und wollte in einen Redeschwall verfallen. Erst nach Ermahnung und Verhängung eines Ordnungsgeldes durch das Gericht, beruhigte er sich "zähneknirschend" und kopfschüttelnd. "Meine Familie und ich wollen nur unsere Ruhe haben", sagte der 41-jährige Landwirt. Dessen Vater konnte nur vermuten, dass sich der Angeklagte schon seit der Flurbereinigung übervorteilt fühlt. "Aber er war selber mit in der Vorstandschaft", sagte der 71-jährige Altlandwirt. Auch er bestätigte, dass die Beleidigungen und Nachstellungen des Angeklagten an der Tagesordnung seien.

Der Staatsanwalt regte an, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen, was das Gericht auch so verfügte. Geprüft werden soll, ob bei dem Angeklagten womöglich eine Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen, vorliegt. Zu einem Urteilsspruch kam es deshalb nicht, das Gutachten wird abgewartet.
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