Ebern
Waldgang

Energiewende und Pacht-Zins im Blick

Die Bürgerwaldkörperschaft Ebern steht geschlossen hinter den Plänen für das Windkraftprojekt auf dem Tonberg bei Kirchlauter.
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Die Teilnehmer des Waldspaziergangs im Eberner Bürgerwald schauen hier nicht auf ein imaginäres Windrad, vielmehr versuchen sie herauszufinden, auf welchen seltenen Baum Forstamtsrat Wolfgang Gnannt sie hier hinweist. Foto: Alfred Müller
Die Teilnehmer des Waldspaziergangs im Eberner Bürgerwald schauen hier nicht auf ein imaginäres Windrad, vielmehr versuchen sie herauszufinden, auf welchen seltenen Baum Forstamtsrat Wolfgang Gnannt sie hier hinweist. Foto: Alfred Müller
Um sich über waldbauliche Themen und den Verfahrensstand für die geplanten Windenergieanlagen zu informieren, waren etwa 50 Mitglieder der Bürgerwaldkörperschaft am Samstag im Wald unterwegs. Forstamtsrat Wolfgang Gnannt und Forstwirtschaftsmeister Bernhard Schmitt informierten die "Rechtler" laut einer Mitteilung des Vorsitzenden Robert Herrmann.

Wolfgang Gnannt zeigte ein Waldbild in der Abteilung "Zimmerrangen", wie es sich durch eine langfristig nachhaltige Bewirtschaftung ergeben hat. Dabei wurde hervorgehoben, dass, angesichts der Klimaerwärmung, die Mischung möglichst vieler Baumarten anzustreben sei. Bernhard Schmitt ergänzte dazu, dass er sich in seinem Bürgerwald nur wohlfühle, wenn dieser mindestens 20 Baumarten biete.


Schutzwald

Als Schmankerl wurde im Grenzbereich zum Stadtwald an einem tiefen Taleinschnitt ein Schutzwald gezeigt. Dort werde nur sehr wenig Holz entnommen, die alten Bäume sichern mit ihren Wurzeln das Erdreich gegen Abrutschen und mancher dicke Totholzstamm diene Vögeln, Insekten aber auch Baumpilzen als wertvolles Biotop.

In den Waldabteilungen Blaue und Schwarze Tongrube, am südlichen Rand des Bürgerwaldes, konnten die Rechtler die vier angedachten Standorte der Windenergieanlagen besichtigen. Der Abstand zur nächsten Wohnbebauung in Kirchlauter betrage mindestens 1,4 km, hieß es. Wegen der Nähe zu der Gemeinde und wegen befürchteter Schädigungen für Mensch und Natur ist heftiger Protest gegen das Projekt entbrannt. In seinem Bericht zum Stand des Verfahrens ging Vorsitzender Robert Herrmann an der Gerätehalle auf Aspekte ein, die seinen angaben zufolge ausschlaggebend für die Standortwahl waren.


Eine Art Zwang

"Die Notwendigkeit zur Energiewende zwingt uns quasi dazu, alle Möglichkeiten zur regenerativen Energiegewinnung in unserem Land auszuschöpfen", merkte er an. Windräder passten gut in das Gesamtkonzept der alternativen Energienutzungsarten. Die Aufgabe der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Landkreis Haßberge (GUT) sei es, geeignete Projekte zu entwickeln. Es gehe, so der Vorsitzende, darum, Verantwortung zu übernehmen für eine eigene Energieerzeugung und eine Wertschöpfung zu ermöglichen über Gewerbesteuer, Renditen aus dem Anlagenbetrieb, über künftig angedachte regionale Direktvermarktung von Strom und auch über die Pachteinnahmen aus den Standorten. Letztere seien vor allem für die Bürgerwaldkörperschaft von besonderem Interesse.

Der 458 Meter hohe Tonberg zeige nach einem TÜV-Gutachten besonders günstige Windverhältnisse. Der Standort verursache, wie er versicherte, nur sehr geringe Emissionen in Richtung der Kirchlauterer Ortslagen. So sei kein Schattenschlag zu erwarten und die Geräusche, die von den Windrädern dort ankommen werden, liegen den Angaben zufolge "auf Kurparkniveau". Das Für und Wider abwägend, komme man zu dem Ergebnis, dass man die 230 Meter hohen Anlagen tolerieren sollte, meinte Herrmann in Hinblick auf die optische Wirkung der Riesen.


Langwieriges Verfahren

Der Eberner Stadtrat habe durch seine Beschlussfassung am 9. Juni den Weg frei gemacht für die Herausnahme der Windradstandorte aus dem Schutzgebiet des Naturparks Haßberge. Bis zum Bau der Anlagen seien noch viele Fragen zu klären und Verfahrensschritte zu gehen. So laufe über ein Jahr eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung.

Die Bürgerwaldkörperschaft Ebern jedenfalls habe mit der Unterzeichnung des Vorvertrages zum Pachtvertrag den Weg zu einer umweltfreundlichen Energieerzeugung im Bürgerwald eröffnet.
Die Ausführungen des Vorsitzenden wurden dem Bericht zufolge mit Applaus aufgenommen. Es gab dazu keine kritischen Anmerkungen aus dem Kreise der Rechtler.



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