Zeil am Main
Zukunft

Energiewende: "Jetzt müssen wir es nur noch machen"

Im Zeiler Kino diskutierten Experten zum zweiten Mal über die Energiewende. Eine entscheidende Frage ist: Gäbe es überhaupt Alternativen?
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Moderator Martin Sage (Mitte) diskutierte mit Gunter Häckner (links) und Hans-Josef Fell über die Umsetzung der Energiewende.  Foto: ps
Moderator Martin Sage (Mitte) diskutierte mit Gunter Häckner (links) und Hans-Josef Fell über die Umsetzung der Energiewende. Foto: ps
In seinem für das Kino produzierten Dokumentarfilm "Power to Change" beschäftigt sich Regisseur Carl-A. Fechner mit der Energiewende. Darin stellt er Umweltschützer, Politiker und Unternehmer vor, die mit innovativen Ideen gegen den Klimawandel kämpfen. Zu der Landkreispremiere seines Films in der vergangenen Woche war der Regisseur selbst zu Gast im Zeiler Kino, um sich anschließend den Fragen der Besucher zu stellen.

Jetzt am Samstag gab es in Zeil eine weitere Vorführung des Films mit anschließender Diskussion. Diesmal hatten die Besucher des Capitol-Theaters die Gelegenheit, mit Hans-Josef Fell und Gunter Häckner zu diskutieren. Häckner gehört zur Geschäftsführung der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Kreis Haßberge (GUT). Fell ist einer der Protagonisten, die im Film "Power to Change" vorgestellt werden. Der Hammelburger war von 1998 bis 2013 Bundestagsabgeordneter der Grünen und macht sich besonders für die Energiewende stark. Die Moderation übernahm der Haßfurter Journalist Martin Sage.

Fell beklagte, gerade unter der großen Koalition gebe es eine Rückwärtsentwicklung. "Die Bestandssicherung für die alten Formen der Energiegewinnung ist massiv", sagte er und kritisierte etwa die Subventionen für Braunkohlekraftwerke. Das trage nicht nur zur Klimaerwärmung bei, auch wirtschaftlich setze die Regierung damit aufs falsche Pferd. Fell: "Deutschland wird ökonomisch unter die Räder kommen."

Martin Sage sprach Gunter Häckner auf dessen Äußerung an, der Landkreis Haßberge könne bald energieautark werden. "Stimmt das noch angesichts der Kräfte, die nun bremsen?", fragte er. Häckner entgegnete, der Landkreis habe auf jeden Fall das Potenzial dazu. "Aber ich hege mittlerweile Zweifel, ob wir unseren eigenen Weg gehen können." Allerdings sei der Landkreis insgesamt gut aufgestellt. Auch Hans-Josef Fell hob das Haßfurter Stadtwerk positiv hervor. "Die suchen und finden neue Wege", lobte er.

Häckner betonte, mittlerweile sei sowohl in großen als auch in kleinen Städten bei den Stadtwerken die einhellige Meinung, dass die Energiewende kommen muss. "Alle Stadtwerksleiter sagen: Das Thema ist durch, jetzt müssen wir es nur noch machen", so Häckner.

Fell kritisierte die sogenannte 10H-Regelung, die sich mit dem Mindestabstand zwischen den Windkraftanlagen und Wohnhäusern beschäftigt. Momentan schauen Windkraftbefürworter und -gegner gespannt nach München, denn am heutigen Montag wird das Urteil des bayerischen Verfassungsgerichts erwartet, das über die Rechtmäßigkeit der Regelung entscheiden soll. "Die Auswirkungen sehen wir schon jetzt", beklagte Fell. Denn seit es die Bestimmung gibt, seien nur noch wenige Neuanträge auf den Bau von Windrädern eingegangen.

Reiner Pracht dürfte dieser Umstand gefallen, denn er gehört zu den Kritikern der Windenergie. In der Diskussion meldete er sich zu Wort und stellte einige kritische Fragen. Unter anderem ging es darum, wie gut es möglich sei, Strom aus Wind- und Solarenergie zu speichern für die so genannte Dunkelflaute, also Zeiten, in denen weder der Wind weht noch die Sonne scheint. Häckner entgegnete darauf, es werde eine Kombination aus verschiedenen Speichermöglichkeiten angestrebt, sowohl Kurzzeit- als auch Langzeitspeicher. Dabei sprach er unter anderem von Pumpspeicherkraftwerken und Power-to-Gas-Anlagen. Der Kritik, Speicher könnten das nicht leisten, entgegnete er: "Wir haben die Technologie." Diese müsse nun lediglich umgesetzt werden. Auch Prachts Kritik, die Zahl an benötigten Windrädern sei so hoch, dass die Fläche nicht dafür ausreiche, widersprachen Fell und Häckner.


Man muss auch ausprobieren

Fell kritisierte, die Gegner der Energiewende würden den Befürwortern eine viel zu große Naivität vorwerfen. "Glauben Sie wirklich, dass Leute, die so was planen, davon keine Ahnung haben? Diejenigen, die eine Gesellschaft vorangebracht haben, waren immer die, die nach Lösungen gesucht haben."

Häckner betonte, wichtig seien vor allem die richtige Einstellung und die Bereitschaft, neue Dinge anzupacken, zu entwickeln und auszuprobieren. Dabei berief er sich auf ein Zitat aus dem Film: "Das Dümmste wäre anzunehmen, wir könnten so weitermachen wie bisher."

Martin Sage betonte, auch wenn er als Moderator neutral bleiben müsse, sei doch eines nicht zu leugnen: "Die fossilen Brennstoffe gehen aus und wir brauchen Alternativen."
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