Der Kulturpreisträger für den Friedrich-Rückert-Preis 2008 der Haßbergvereine heißt Edmund Fößel aus Appendorf. Der Brauereibesitzer und Gastwirt ist leidenschaftlicher Musikant und Instrumentensammler. Hauptkulturwart Alois Voigt prach beim Ehrenabend des Haßberghauptvereins in der Laudatio einige Stationen im Leben von Edmund Fößel an. Fößel ist heute einer der bekanntesten echten Volksmusiker über die Grenzen der Haßberge hinaus.
Er wurde 1928 in ein Elternhaus hineingeboren, das immer im Familienbesitz war. Der Name des Gasthauses „Zum Välta“ geht auf Großvater „Valentin“ zurück, der neben der Brauerei eine Fischzucht in Appendorf betrieb. Sein Bruder hätte den Betrieb übernehmen sollen, starb jedoch sehr früh, und so musste Edmund Fößel mit 30 Jahren auf Braumeister umschulen. Das „Geschäft“ war für ihn nichts Neues, denn er hatte schon immer mitgeholfen.
Wie war Fößel zur Musik gekommen? Eine alte Knopfharmonika fiel dem Zehnjährigen in die Hände, nachdem ein Handwerksbursche diese als Pfand für die nicht bezahlte Zeche dagelassen hatte. Auf ihr klimperte der Bub herum, die Musik zog ihn in ihren Bann. Bald schaffte der Vater eine bessere Knopfharmonika aus Nürnberg an, und der Bub spielte Volkslieder im Gasthaus. Das Talent war schon damals deutlich erkennbar.
Richtig los ging es für Fößel nach dem Krieg. Er spielte in einer kleinen Gruppe (Akkordeon, Gitarre, Trompete, Schlagzeug). Im „Välta“ war die Besetzung oft dem Zufall überlassen. Edmunds Leni, die er 1945 geheiratet hatte, sang mit reiner und kräftiger Stimme jedes Volkslied auswendig. Als eines Tages ein Gast seine Trompete zum Kauf anbot, erwachte der Sammeleifer von Edmund Fößel. 1960 besaß er schon 15 Instrumente. Der Tante-Emma-Laden, der seit 1950 im Hause bestand, wurde 1988 geschlossen, und jetzt gab es genug Platz für eine große Sammlung von Instrumenten, und zwar ohne elektronischen Schnickschnack. Fößel hat 500 Instrumente zusammengetragen, darunter 300 Akkordeons und Harmonikas.
Wirtshaussingen als Hommage an Leni Fößel
Die Wirtshausspielerei hat sich immer weiter entwickelt, und die Musikanten kommen bis aus Schweinfurt Coburg, Bamberg und sogar aus Nürnberg. Jeden Freitag trifft sich die „Musikakademie Appendorf“. Es gibt keine Absprache, ein paar fangen an, andere kommen und schließen sich an, so dass es manchmal sogar 20 bis 30 Aktive gibt. Jeden zweiten Donnerstag treffen sich ferner die Sänger zur „Singakademie Appendorf“, ein Zufallschor, der seit über 30 Jahren das „Wirtshaussingen“ praktiziert und von Leni Fößel mitbetrieben wurde. Nach ihrem frühen Tod 1995 wird er in ihrem Sinne weitergeführt. Edmund Fößel ist weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannt, denn Rundfunk und Fernsehen berichteten bereits über ihn. Auch zum 80. Geburtstag am 14. März waren alle da. Fößels Sammelleidenschaft und sein Einsatz für die Volksmusik sind ungebrochen. Wenn Fremde im „Välta“ einkehren, werden sie gerne gefragt „Woher kommst du? Was spielst du?“ und ins Geschehen eingebunden.
Neben Bierbrauen und Musik fährt Edmund Fößel im Sommer gern mit seiner 45 Jahre alten NSU-Quickly herum. Wie der Laudator unterstrich, habe Edmund Fößel mit seinem Lebenswerk maßgeblich dazu beigetragen, dass die Volksmusik Aufmerksamkeit gewinnt. Als erster führte er mit seiner Frau Leni nach dem Krieg das Wirtshaussingen wieder ein. Erfreulicherweise werde das Wirtshausingen auch andernorts wieder gepflegt, erklärte Alois Voigt. „Du hast die Sehnsucht vieler Menschen nach altem Volksmusikgut befriedigt. Du bist einer der wichtigsten Kulturträger der heimischer Volksmusik“, betonte Voigt . Insofern habe sich Fößel um seine Heimat in kaum zu übertreffender Weise verdient gemacht und die Vergaberichtlinien des Friedrich-Rückert-Preises über alle Maßen hinaus erfüllt. Vorsitzender Max Breitwieser überreichte unter Beifall die Gusstafel mit dem Porträt des Heimatdichters Friedrich Rückert.