Region // Haßberge
Ebern feiert fröhlich und friedlich drei Tage lang
Das Kaiserwetter ist schon sprichwörtlich: Während viele Veranstaltungen in Franken am Wochenende ins Wasser fielen, blieb Ebern von Niederschlägen verschont. Festwirt Stefan Kaiser freute es. Was die Veranstalter auch zuversichtlich stimmte: Es gab kaum Ausschreitungen. Das Fest dauert bis Montagnacht.
Drei Schläge waren nötig beim Bieranstich am Samstag und schon schäumte der Gerstensaft - Freibier, so lange der Vorrat reicht. Bürgermeister Robert Herrmann stellte trocken fest, dass der "Regen abgearbeitet" sei und versprach bis Montag "nur noch laue Lüftchen und trockenes Wetter", womit er auf das Donnerwetter in der Nacht und am Vormittag einging, während beim Bieranstich trotz mancher schwarzer Wolke ringsum über Ebern die Sonne hervorlugte. Das Stadtoberhaupt sollte bis Montag recht behalten.
Ein durchweg positives Fazit zogen Polizei, Festleiterin Helen Zwinkmann und Festwirt Stefan Kaiser. Für Frau Zwinkmann war es eine Premiere, da sie erst seit wenigen Wochen das Fremdenverkehrsbüro leitet. "Es gab keine Probleme. Es war toll und fröhlich." Auch alle Künstler hätten sich nur positiv über ihr Publikum geäußert.
Überhaupt erwies sich das Kulturprogramm als echter Anziehungspunkt. Gratis staunten die Besucher über die Programme vom "Frankensima" Philipp Simon Goletz, Frank Sauer, Tobias Klug, Björn Pfeffermann und Carsten Höfer. Vor allem der Frankensima trieb einem die Tränen vor Gelächter in die Augen: "Bei uns im Frankenwald ist nicht so viel los. Am Morgen kommt der Postbot' und am Nachmittag wird's a wengla ruhiger."
Besucher gab es genug. Der Marktplatz war proppenvoll und beim Durchmarsch hatte man den gefühlten Eindruck mit einem Drittel der Menschenmassen in Körperkontakt gekommen zu sein.
Dennoch gab es keine Auseinandersetzungen, wie Siegbert Weinkauf, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Ebern, am Montag bilanzierte: "Nach einer ersten Bilanz der PI Ebern gab es in der Nacht von Samstag auf Sonntag keine größeren Sicherheitsstörungen. Das Altstadtfest war in diesem Jahr wieder sehr gut besucht mit geschätzten 6000 Gästen allein am Samstag. Drei Körperverletzungen mussten von den Polizeibeamten aufgenommen werden. Diese ereigneten sich jedoch außerhalb des Festgeländes von offensichtlich betrunkenen Festheimkehrern. Hierbei wurde niemand gravierend verletzt."
Auf dem Festgelände selbst wurden nach Mitternacht neun teilweise erheblich betrunkene Jugendliche in Gewahrsam genommen. Der höchst erreichte Promillewert lag bei über zwei Promille. Die Jugendlichen wurden ihren verständigten Eltern übergeben, die in der nächsten Zeit noch Post von der Polizei bzw. vom Landratsamt Haßberge bekommen werden. Drei von den Jugendlichen wurden in Gaststätten aufgegriffen. Die Gastwirte hatten sich trotz mehrfacher vorheriger Belehrungen durch die Polizei und die Stadt Ebern nicht an die gesetzlichen Vorschriften gehalten.
Bei Verkehrskontrollen wurden zwei Pkw-Fahrer erwischt, welche dem zu sehr Alkohol zugesprochen hatten. Die Atemalkoholergebnisse betrugen 1,12 und 1,14 Promille.
Die Zelle der PI Ebern musste nicht belegt werden. Die ständig sichtbare Polizeipräsenz, auch mit Hundestreifen, und die konsequenten Einlasskontrollen durch den Sicherheitsdienst hätten ihre Wirkung nicht verfehlt, so der Polizei-Vizechef.
Eine Einschätzung, die auch der Jugendbeauftragte im Eberner Stadtrat, Sebastian Stastny, teilt, der selbst an Kontrollgängen teilgenommen hat: "Polizei und Security haben das bestens im Griff. Es wird konsequent kontrolliert und das ist auch richtig so." Ein Lob für den Sicherheitsdienst gab es auch von Festwirt Stefan Kaiser: "Die machen einen prima Job. Es zahlt sich aus, dass alle der über 20 Sicherheitsleute das Fest schon kennen. Da weiß jeder ganz genau, was er zu tun hat, und wo mögliche Brennpunkte sind."
Am Sonntag musste die Polizei nur zwei Mal eingreifen - einmal bei einem renitenten, weil angetrunkenen 76-Jährigen.
Die Schlussbilanz der Polizei: Obwohl sich die Eberner Polizei phasenweise im Dauereinsatz befand, wurden auch am gut besuchten Abschlussabend am Montag keinerlei Gewaltdelikte, wie Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen, registriert.
Der Schwerpunkt der Einsätze lag zwischen 21.30 und 23.30 Uhr wie am "laufenden Band", insbesondere an den Einlasskontrollen zur Beachparty. Durch die vorbildlichen und gewissenhaften Kontrollen der Sicherheitskräfte wurden zehn Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren herausgefiltert, die widerrechtlich Einlass suchten. Fünf, der sich für schlau haltenden Jugendlichen ließen sich nach Anfeuchten rechtmäßig vergebener Einlassstempel über 18-Jährige einen Abdruck auf den eigenen Handrücken aufbringen. Beim Versuch dann in den Finanzamthof zu kommen, flogen diese "Duplikate" allerdings schnell auf. Fünf weitere Jugendliche versuchten den "Uralttrick" mit geliehenen Ausweisen von älteren Freunden oder Geschwistern in die Disco zu gelangen. Auch ihr Vorhaben scheiterte an den Einlasskontrollen. Neben Meldungen an das Jugendamt erwartet die Ertappten eine Anzeige wegen einer Urkundenfälschung oder eine Anzeige wegen Ausweismissbrauchs. Auch gegen die rechtmäßigen Besitzer der Ausweispapiere, welche durch die Herausgabe ihrer Dokumente das Vorhaben unterstützten, wird wegen des gleichen Deliktes ermittelt, da die Weitergabe zur Täuschung ebenfalls unter Strafe gestellt ist.
Im Rahmen der durchgeführten Jugendschutzkontrollen wurde gegen 21.50 Uhr auf dem Parkplatz hinter dem Finanzamtshof ein 16-jähriger stark alkoholisierter Jugendlicher angetroffen, der es auf stolze 2,08 Promille brachte. Er wurde seiner Mutter übergeben. Ein Bericht ans Jugendamt ist die Folge.
Gegen 23.30 Uhr wurde schließlich noch ein Betrunkener 20-jähriger einer Polizeistreife übergeben, da sein Begleiter nicht mehr mit ihm zurecht kam. Da er nicht einmal mehr zu einem Alkotest fähig war, wurde er vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.
Nach einer Mitteilung über einen angeblichen Schuss um 3.25 Uhr im Bereich des FTE-Parkplatzes am Rückgrabenweg, wurde ein 23-jähriger Mann in seinem Pkw ausfindig gemacht werden, der eine Schreckschusspistole bei sich führte. Ihn erwartet ein Anzeige nach dem Waffengesetz, da er keinen "Kleinen Waffenschein" vorweisen konnte und wegen "Schießens außerhalb von Schießanlagen".
Auch mit den zwei folgenden Fällen, die wohl unter die Rubrik "Kurioses" fallen, hatte sich die Polizei zu beschäftigen:
Gegen 22.30 Uhr wurde der Polizei mitgeteilt, dass auf dem FTE-Parkplatz ein Pkw stünde, an dessen Auspuff ein etwa zwei Meter langer Plastikschlauch mit Klebeband befestigt sei. Die ersten Befürchtungen, dass hier ein Suizident unterwegs sein könnte, bewahrheiteten sich nicht. Dafür staunten die Beamten aber nicht schlecht über die mutmaßlichen Hintergründe der seltsamen Konstruktion. Beim Öffnen des Kofferraums des unversperrten Fahrzeugs fanden sie in diesem ein fest installiertes "Hightech-Heimkino" mit großem Flachbildfernseher. Da zum Betreiben des Fernsehers aber Strom benötigt wird, muss der Motor des Autos laufen. Um aber den Fernsehshauern das Einatmen der Autoabgase zu ersparen, die besten Fernsehplätze befinden sich bei diesem Heimkino nun mal hinter dem Auspuff, werden diese mittels des Schlauches zur Seite abgeleitet. Damit nicht noch weitere besorgte Bürger anrufen, wurde der Schlauch abmontiert und sichergestellt. Dass sich die Polizei mit dem Auto beschäftigt hat, merkt der Fahrzeugbenutzer spätestens dann, wenn er an der Windschutzscheibe die ausgestellte Verwarnung wegen des "unversperrten, nicht gegen unbefugte Benutzung gesicherten Fahrzeugs" vorfindet.
Der zweite Einsatz erfolgte kurz nach Mitternacht. Ebenfalls besorgte Bürger teilten dem Sicherheitsdienst mit, dass sich auf den Gleisanlagen im Bereich des Bahnhofs eine Frau befinde und sie Angst hätten, dass sich diese in suizidaler Absicht auf die Schienen legen wolle. Noch während die Alarmierung der Polizei erfolgte, konnten die Sicherheitskräfte die Frau ausfindig machen und bis zum Eintreffen der Beamten festhalten.
Die Lösung für das ungewöhnliche Verhalten der 51-jährigen Osteuropäerin war schnell geklärt. Sie hatte nie die Absicht, sich das Leben zu nehmen. Außerdem wäre zu dieser Zeit auch gar kein Zug mehr gefahren. Vielmehr hatte sie während des Altstadtfestes Streit mit ihrem Ehemann und in ihrer Wut hatte sie ihren Ehering auf das Gleisbett geworfen. Im Nachhinein, der Mann war mittlerweile schon daheim, hatte es ihr leid getan und deshalb habe sie in gebückter Haltung nach dem "Goldstück" gesucht und zum Glück auch wiedergefunden.
Der Dank an den Sicherheitsdienst und an die Polizei, die sich Sorgen um das Wohl der Frau gemacht hatten, bestand darin, dass sie ziemlich ungehalten und deutlich zum Ausdruck brachte, dass sich die Deutschen überall einmischen würden.
Zurückblickend auf die letzten drei Tage des 33. Eberner Altstadtfestes zieht die Polizei das Resümee, dass es sich im Hinblick auf Gewaltstraftaten um ein äußerst ruhiges und friedliches Fest gehandelt hat. Vielleicht sogar um eines der friedlichsten in seiner Geschichte. . .







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