Knetzgau
Prozess

Drogenlieferung per Post: Knetzgauer wegen Handel mit Betäubungsmitteln vor Gericht

Mehrere Monate wird ein 27-Jähriger von Fahndern observiert, dann stellen sie bei dem Unterfranken Rauschgift und eine große Summe Bargeld sicher.
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Unter anderem mit Cannabis soll ein Mann gehandelt haben, gegen den gestern am Bamberger Landgericht der Prozess eröffnet wurde. Es wurden mehrere Verhandlungstage angesetzt. Der Fall spielt auch in Knetzgau im Landkreis Haßberge. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolfoto
Unter anderem mit Cannabis soll ein Mann gehandelt haben, gegen den gestern am Bamberger Landgericht der Prozess eröffnet wurde. Es wurden mehrere Verhandlungstage angesetzt. Der Fall spielt auch in Knetzgau im Landkreis Haßberge. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolfoto
Als die Fahnder den Knetzgauer im Sommer 2016 in seiner Wohnung überraschen, ist die letzte Drogenlieferung erst kurz zuvor eingetroffen: 300 Gramm Marihuana, versendet per Post, adressiert an die Tochter. Die Ware stammt von einem Dealer aus Sachsen, auf dem Absendervermerk hatte dieser eine fiktive Adresse angegeben.
Bei der Durchsuchung der Wohnung finden die Ermittler neben den 300 Gramm Marihuana auch einen Baseballschläger und eine Machete. Zudem hat der Beschuldigte in dem Kellerabteil eines Nachbarn in einer Geldkassette 93 Gramm Haschisch und zwölf Gramm Amphetamin deponiert.

Die Ermittler macht auch ein Schlüssel stutzig, der in einem Korb im Wohnzimmer liegt. Der 27-Jährige gibt an, dass dieser zu einem alten Tresor passt, der nicht mehr benutzt wird. Das stellt sich aber als unwahr heraus: Der Schlüssel gehört zu einem Bank-Schließfach. Inhalt: 55 000 Euro Bargeld, aufgeteilt in fünf Briefumschläge.


Früh mit Drogen in Kontakt

Für den Industriemechaniker klicken noch in seiner Wohnung die Handschellen. Der 27-Jährige sitzt seither in der JVA Kronach ein, seit gestern muss er sich vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: vorsätzlich unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen. Angesetzt sind drei Verhandlungstage.

Vor Gericht gibt der Beschuldigte an, früh mit Drogen in Kontakt gekommen zu sein. Ab dem 18. Lebensjahr habe er so ziemlich alles ausprobiert: Crystal, Heroin, Amphetamin, Ecstasy, auch Medikamente nimmt er immer wieder ein. Dementsprechend hat er Probleme, im Berufsleben Fuß zu fassen. "Durch die Drogen habe ich es immer wieder verkackt."

Jetzt wolle er sein Leben aber endlich in den Griff bekommen. "Ich möchte unbedingt eine Therapie machen, mit dem Konsum brauche ich Hilfe. Das bin ich meiner Tochter schuldig", sagt er unter Tränen.


Erkklärung durch den Verteidiger

Zu den Tatvorwürfen lässt der Angeklagte, der wegen eines vergleichbaren Vergehens bereits vorbestraft ist, durch seinen Verteidiger Joachim Voigt eine Erklärung verlesen. Demnach habe er die Drogen bestellt - ein Großteil zum Eigenkonsum und der Rest zum Weiterverkauf, um den Eigenkonsum zu finanzieren. Das entdeckte Amphetamin sei ebenfalls nur zum Eigenbedarf, das Haschisch als Notvorrat, die Machete als Hilfe beim Angeln, der Baseballschläger als Sportgerät.

Zu der hohen Bargeldsumme will er keine Angaben machen. Auch nicht, als ihm der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt ins Gewissen redet: "Dieser Punkt ist sehr wichtig. Das Geld wurde wohl nicht durch Arbeit eingenommen."
Das bestätigte ein Zeuge, der als Kriminalbeamter die Vermögensverhältnisse des Beschuldigten analysiert hatte. Demnach habe es immer wieder Bareinzahlungen gegeben, ab 2015 gab es einen starken Anstieg bei den Einkünften. Aus Sicht des Zeugen gebe es keinerlei Hinweise darauf, woher die 55 000 Euro stammen könnten. "Eine legale Einkommensquelle erschließt sich mir nicht."


Zeugin sagt nicht die Wahrheit

Etwas lauter wurde es zwischenzeitlich, als die Ex-Freundin des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen wird. Sie gab zunächst an, von dem Drogenkonsum ihres damaligen Freundes nie etwas mitbekommen zu haben. Auch von dem vielen Bargeld habe sie nichts gewusst. Erst als der jungen Frau diverse Protokolle der Telefonüberwachung vorgehalten wurden, änderte sie ihre Aussage.

Sie gab zu, von seinem Haschischkonsum gewusst zu haben. Auch bejahte sie, sich mit Freunden darüber ausgetauscht zu haben, wie man eine Legende erfinden könne, woher das Geld stammt. Unter anderem sollte die Mutter des Angeklagten bestätigen, ihrem Sohn einen größeren Geldbetrag aufgrund einer Erbschaft zukommen gelassen zu haben. Die Mutter hatte dies aber abgelehnt. Das Verhalten der Zeugin brachte Richter Manfred Schmidt auf die Palme. "Glauben Sie, das ist eine Schauveranstaltung hier? Sie haben gelogen", so der Vorsitzende Richter.

In einer Prozessunterbrechung kam es dann zu einem Gespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Demnach wurde dem Angeklagten die Möglichkeit in Aussicht gestellt, im Rahmen einer Haftstrafe sofort mit einer Therapie zu beginnen. Zudem sollte das Bargeld eingezogen werden. Während die Staatsanwaltschaft signalisierte, diesem Vorschlag folgen zu wollen, lehnte die Verteidigung diese Verfahrensabsprache ab.


Hinweis durch Zeugenaussage

Die Polizei war dem Angeklagten aufgrund der Zeugenaussage in einem anderen Verfahren auf die Schliche gekommen. Eine Frau hatte ausgesagt, dass der 27-Jährige von seiner Wohnung aus Handel mit Rauschgift betreibt. Die Ermittler observierten den Beschuldigten über Monate und hörten seine Telefonate ab. Dabei wurde bekannt, dass sich der Angeklagte einige Wochen vorher bereits ein Paket an die Adresse eines Bekannten hatte schicken lassen, für den er immer wieder Lebensmitteleinkäufe tätigte.

Als die nächste Lieferung in Auftrag gegeben wurde, beantragten die Ermittler einen Durchsuchungsbefehl. Ende August 2016 klingelten sie dann an der Tür des Angeklagten - einer der Ermittler hatte sich mit einer Postboten-Jacke getarnt.
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