Ebern
Schlusswort

Don Quichottes aus Heiligen Ländern gewinnen Kampf gegen Windmühlen

Auch Eberns Stadtrat hat sich von allen Windrad-Plänen endgültig verabschiedet.
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Pusteblume - nix wird's mit Windrädern auf dem Tonberg zwischen Ebern und Kirchlauter. Foto: Archiv
Pusteblume - nix wird's mit Windrädern auf dem Tonberg zwischen Ebern und Kirchlauter. Foto: Archiv
War es nur Genugtuung oder schon ein hämisches Grinsen? Auf jeden Fall sprach Zufriedenheit aus den Gesichtern der Besucher der Stadtratssitzung am Dienstagabend, die nach dem ersten Diskussionspunkt den kleinen Saal der Frauengrundhalle wieder verließen.

Die 16 Zuhörer - drei aus Eberner Stadtteilen, ein Ehepaar aus Buch, der Rest aus Kirchlauter - überzeugten sich davon, dass auch der Stadtrat sämtliche Pläne zum Bau von Windrädern auf dem Tonberg in die Tonne trat. Und quittierten die Entscheidung ganz anders als der Ritter von traurigen Gestalt - voller Freude. Die Don Quijotes aus den Heiligen Ländern freuten sich, weil sie haben obsiegt.

Einkassiert wurden - einstimmig - nicht nur die aktuellen Beschlüsse in Richtung Bebauungsplan für ein Sondergebiet "Bürgerwindpark Tonberg", sondern auch die Vorstöße aus dem Jahr 2012, den Bürger- und Rentweinsdorfer Hauptwald als Vorranggebiet für die Windkraftnutzung im Regionalplan vorzusehen. Damit ist die Idee, Windräder im Bürgerwald aufzustellen, für immer gestorben.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) listete nochmals die Gründe auf, die zum Rückzieher der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologien (GUT) führten, wobei er den Anteil, den die Stadt am ganzen Verfahren hatte, relativierte.

"Wir halten uns an Recht und Gesetz und das ist in einem Frühstadium passiert", versicherte Hennemann mit Blick auf die Tatsache, dass bei den Voruntersuchungen erhebliche arten- und naturschutzrechtliche Bedenken aufgekommen seien.

Etwas kleinlaut und in einem Nebensatz erwähnte er, dass dabei neben einem Gutachten der GUT auch ein Gutachten, das die Bürgerinitiative aus Kirchlauter in Auftrag gegeben hatte, die Grundlage bildete.


Tötungsrisiko ausschließen

Anhand von Karten, auf denen die beobachteten Flugwege von Schwarzstorch, Graureiher und Wespenbussard aufgezeichnet waren, kam Hennemann zum Urteil, dass keine Windräder dort gebaut werden dürfen, weil "wir diese geschützten Vögel keinem Tötungsrisiko aussetzen dürfen". Zum Bodenpersonal: Auch die nachgewiesene Population der Wildkatze hätte im weiteren Genehmigungsverfahren für Probleme gesorgt.

Ausschlaggebend war letztlich ein Deut "von oben", der übergeordneten Regierung von Unterfranken: "Die höhere Naturschutzbehörde hat eindeutig erklärt, dass auf eine Herausnahme des Tonbergs aus dem Naturpark verzichtet werden sollte."

Hennemann verwahrte sich gegen den Vorwurf unzureichender Information der Einwohnerschaft: "Die Bürgerbeteiligungen wären im Verlauf des Verfahrens alle noch gekommen." Was Thomas Limpert (FW) so nicht gelten ließ: "So lange ich im Stadtrat bin, hat es das noch nie gegeben, dass den Leuten bei Projekten mit so weit reichenden Auswirkungen erst im Rahmen des offiziellen Verfahrens eine Stellungnahme ermöglicht werden sollte. Sonst heißt es doch immer: Wir müssen die Menschen bei den Entscheidung mitnehmen."


Wie steht's mit Informationsfluss?

Des Bürgermeisters Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten: "Wir waren doch drauf und dran, die Informationen zu geben, was durch die neue Entwicklungen dann aber keinen Sinn mehr machte. Außerdem sind auch im Vorfeld Informationen geflossen. Es gab dazu öffentliche Stadtratssitzungen und Einladungen zu Besichtigungen." Außerdem hätten alle Stadträte Bescheid gewusst und hätten ihre Informationen weitergeben können, konterte Hennemann.

Anhand eines Zeitkorridors zeigte er zudem auf, dass es noch vieler Verfahrensschritte bedurft hätte, bis es überhaupt zu einer Genehmigung gekommen wäre. "Das hätte noch Jahre gedauert."

Klaus Schineller (EAL) bedauerte die Aussage von GUT-Geschäftsführer Wilfried Neubauer, wonach nunmehr von weiteren Windrad-Plänen Abstand genommen werden. "Das finde ich nicht gut."

Zumindest für den Bereich der VG Ebern betrachtet Bürgermeister Hennemann das Thema als erledigt. "Der Tonberg und der Bereich Lichtenstein/Buch waren die beiden einzigen machbaren Gebiete, die für eine Überprüfung geeignet schienen. Das hat sich jetzt erledigt. Ob irgendwann einmal etwas im Steigerwald kommt, kann ich nicht sagen."
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