Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Jahresbilanz

Die Chronologie des Pflegeskandals von Gleusdorf

Wie kam es zu den Ermittlungen gegen die Geschäfts- und Pflegeleitung der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf?
Vor Monaten sorgten die angelaufenen Sanierungsprojekte rund um das Schloss Gleusdorf für eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Das Millionenprojekt hätte eigentlich bis Ende 2016 abgeschlossen sein sollen. Aber es kamen andere Ereignisse dazwischen, so wie die Itz das Schloss und das Dorf trennt. Foto: Ralf Kestel
 
von RALF KESTEL
Der Publikumsverkehr hielt sich in Grenzen, am stets verschlossenen Tor der Seniorenresidenz, wo eine Kamera darüber wacht, wer Einlass begehrt. Einmal im Jahr schauten die (staatlichen) Kontrolleure im Rahmen von Routinebesuchen vorbei und mehr oder weniger genau hin. Das hat sich seit dem am 24. November 2016 geändert. Seitdem geben sie sich die Klinke in die Hand

An jenem sonnigen Donnerstag hatte sich der Bezirkskaminkehrermeister mit dem zuständigen Architekten im Schloss verabredet, um das eingebaute Blockheizkraftwerk technisch abzunehmen. Der Kaminkehrer verschob seinen Plan, als er im Radio von laufenden Polizei-Razzia und Festnahmen hörte.

Das Szenario schien wie aus einem schlechten Film: Während Polizeibeamte kartonweise beschlagnahmte Unterlagen in graue Kleinbusse verfrachteten, standen nebendran verstörte Zimmerleute, die seit Wochen an der Dachstuhlsanierung arbeiteten. Sie wussten nicht, ob sie die eben angelieferten Ersatzbalken noch nach oben hieven sollten oder dürfen?

Dieser Tag hat einiges geändert im Tagesablauf von Schloss Gleusdorf, wo Verwirrte, Demente und abgebaute Alkoholiker seit Jahrzehnten betreut wurden und werden.

So besuchen seit jenem 24. November Vertreter aus dem Gesundheitsamt die Einrichtung wöchentlich, um die ordnungsgemäße Versorgung der Heimbewohner zu gewährleistet. Die Frequenz der Kontrollbesuche hat sich deutlich erhöht, wie sich an der nachfolgenden Übersicht ablesen lässt.

8. Januar 2016: Regulärer Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) mit dreiköpfigem Gremium (8.10 bis 15.30 Uhr). Mindestens 26-seitiger Prüfbericht mit einem Kritikpunkt: Verbesserungspotenzial beim Umgang mit Medikamenten;

10. Februar 2016: Besuch des MDK wegen anonymer Beschwerde vom 2. Februar ("anlassbezogen"), mit dreiköpfigem Gremium (8.25 bis 15.30 Uhr). Vorwürfe aufgelistet in 31 Punkten. Tenor: Vorwürfe nicht mehr überprüfbar, weswegen sie sich nicht bestätigen ließen, aber erhebliche Defizite festgestellt (Umgang mit Medikamenten, Sturz, Wundliegen);

März 2016: Entlassung zweier Pflegekräfte als vermeintliche Nestbeschmutzer;

Mai 2016: Strafanzeige gegen die Betreiber der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, u.a. wegen Körperverletzung, Medikamenten-Missbrauch u.a.

Juni 2016: Nochmalige Strafanzeige gegen die Betreiber der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf;

Mitte August 2016: Staatsanwaltschaft Bamberg erteilt Ermittlungsauftrag an die Kripo Schweinfurt;

19. August 2016: Erneute anlassbezogene Prüfung des MDK mit vierköpfigem Gremium (8.30 bis 16.15 Uhr), wobei sich viele der zwölf erhobenen Vorwürfe nicht nachprüfen ließen, da die keine Zustimmung der von Gerichten eingesetzten Betreuer zu einer Begutachtung vorlag; Transparenz-Bericht im AOK-Pflegedienstnavigator bis heute abrufbar (Gesamtnote: 1,7);

1. September 2016: Kontrollbesuch durch die Heimaufsicht am Landratsamt Haßberge: Keine erheblichen Mängel im Pflegebereich festgestellt;

September 2016: Chef-Ermittler der Kripo Schweinfurt erkrankt längerfristig;

30. September 2016: Exklusive FT-Berichterstattung über die eingeleiteten Ermittlungen wegen möglicher Körperverletzungen, Dokumenten-Fälschung, Verstoss gegen Hygiene- und Pflegevorschriften, Medikamenten-Missbrauchs, Betrugs u.a. - die Berichte über die Vorfälle gehen zum Teil bis ins Jahr 2005 zurück;

14. Oktober 2016: Das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium beauftragt die zuständige Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) des Landkreises Haßberge (Heimaufsicht) über die Regierung von Unterfranken mit der Prüfung der Vorwürfe in Bezug auf die Schlossresidenz Gleusdorf, von denen das Ministerium am selben Tag durch einen FT-Artikel erfahren hatte.

Ende Oktober 2016: Staatsanwaltschaft Bamberg erteilt Auftrag an Kripo Schweinfurt, einen anderen Sachbearbeiter einzusetzen;

2. November 2016: FT-Gespräch mit Heimleiter, Heim-Arzt und Haus-Anwalt in der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf. Sie wussten damals angeblich offiziell nichts von irgendwelchen Ermittlungen, sondern nur aus der Zeitung;

3.November 2016: Das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium veranlasst eine anlassbezogene Prüfung der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf durch die zuständige Heimaufsicht (FAQ) am Landratsam Haßberge;

4. November 2016: Neuer Ermittler der Kripo Schweinfurt eingesetzt, eigentlich Chef der Brandermittler, übernimmt das Verfahren und bittet um FT-Zeitungsbericht, um sich einlesen zu können;
7. November 2016: Vergewaltigungsprozess am Amtsgericht Bamberg. Verurteilt wird ein Ehemann, dessen Frau sich als Gleusdorf-Pflegerin mit dem Pflegedienstleiter eingelassen haben soll. Als Zeugen geladen: Die Geschäftsführerin und der Heimleiter der Seniorenresidenz, die zur Vergewaltigung im Februar 2016 aussagen sollten. Nach dem Urteil (Bewährungsstrafe) versöhnen sich die Ehepartner wieder. Die Pflegerin wird im Februar 2017 vom Heimleiter entlassen;

14. November 2016: Gemeinsames Gespräch mit dem Träger sowie Verantwortlichen der Einrichtung, MDK, Heimaufsicht und Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände (ARGE) auf Initiative der ARGE in Coburg zur Struktur- und Qualitätsberatung;

16. November: Erneute Begehung von Heimaufsicht am Landratsamt Haßberge: Keine erheblichen Mängel festgestellt;

19. November 2016: Exklusiver FT-Bericht über weitere Beschwerdeführer, die u.a. Belege über Abrechnungsbetrug und Firmenkonten vorlegen;

24. November 2016: Haus- und Schlossdurchsuchungen samt Festnahmen von Geschäftsführerin und Pflegedienstleiter wegen des Verdachts des Totschlags durch Unterlassung; Daraufhin: Bundesweites Medien-Echo; Exklusive FT-Berichterstattung über mehrere mysteriöse Todesfälle (Ertrunkene in Parkteich); Eine 13-köpfige Ermittlungskommission der Kripo Schweinfurt nimmt samt einem medizinischen Sachverständigen die Arbeit auf. Zeugenaussagen werden im Nachgang auch von Kripo-Kollegen aus Bamberg und Coburg zu Protokoll genommen.
Seit der Festnahme der Geschäftsführerin und des Pflegedienstleiters am begleitet und überwacht die Heimaufsicht am Gesundheits-/Landratsamt Haßberge nach eigenen Angaben die Einrichtung wöchentlich (durch Beratungstermine, Begehungen, Ortseinsichten, etc.) und ordnet gegebenenfalls die erforderlichen Maßnahmen zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Versorgung und Betreuung der Bewohner an.

28. November 2016: Exklusiver FT-Bericht über weitere mysteriöse Todesfälle;

29. November 2016: Das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium fordert die Regierung von Unterfranken auf, dass die zuständige FQA (Heimaufsicht)die Seniorenresidenz engmaschig begleitet und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zügig anordnet.

6. Dezember 2016: Begehung durch die Heimaufsicht (angesiedelt am Landratsamt in Haßfurt), schon vorher bestehend in der Regel aus einem multiprofessionellen Team, das nach den jeweiligen Fachrichtungen prüft. Neben zwei Verwaltungsfachleuten sind ein Arzt, eine Pflegefachkraft und eine Sozialpädagogin vor Ort;

13. Dezember 2016: Zwei Mitarbeiterinnen des bayerischen Gesundheits- und Pflegeministeriums aus München machen sich vor Ort ein Bild von der Situation und der Versorgung der Bewohner der Seniorenresidenz.

16. Dezember 2016: Exhumierung der Leiche der Stanka S. auf einem Friedhof im südlichen Landkreis Bamberg;

19. Dezember 2016: Exklusive FT-Berichterstattung über Exhumierung und Obduktion;

12. Januar 2017: Erneute Begehung durch die Heimaufsicht;

14. Januar 2017: Exklusive FT-Berichterstattung über 111 Arbeitsgerichtsgefälle der Seniorenresidenz-Geschäftsleitung gegen Mitarbeiter in den Jahren seit 2000 (dem Jahr des Kaufs);

16. Januar 2017: Aufgrund einer Haftbeschwerde beim Landgericht Bamberg kommt der Pflegedienstleiter aus der Untersuchungshaft unter Auflagen frei;

22. Januar 2017: Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigt aufgrund der in Gleusdorf gemachten Erfahrungen Konsequenzen an. So soll es künftig eine klare gesetzliche Abgrenzung des bestehenden Beratungsauftrages der FQA von den konkreten ordnungsrechtlichen Maßnahmen geben. Außerdem sollen der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und mit dem MDK verbessert werden.
Weitere Begehung durch die Heimaufsicht;

26. Januar 2017: Podiums-Diskussion im Stammhaus der Mediengruppe Oberfranken zum Thema Lehren aus Gleusdorf mit der Ministerin und kompetenten Fachreferenten;

7. Februar 2017: Exklusiver FT-Bericht: Schilderung der Missstände durch eine ehemalige Bewohnerin;

8. Februar 2017: Anlassbezogene Qualitätsprüfung durch den MDK unter Begleitung der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände; keine Angaben über den Grund der neuerlichen Prüfung: "Die Einrichtung ist über den Anlass informiert", ließ MDK-Sprecherin Ruth Wermes wissen.

16. Februar 2017: Stellenausschreibung der Heimleitung bei der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit: Neue(r) Pflegedienstleiter/in gesucht;
Mit der Haftentlassung des vorherigen Pflegedienstleisters hat die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) ein Beschäftigungsverbot erteilt. Seitens des Landgerichts Bamberg war ihm als Auflage zur Haftentlassung auch ein Verbot erteilt worden, die Seniorenresidenz zu betreten. Somit muss die Stelle des Pflegedienstleiters laut Auskunft aus dem Landratsamt Haßberge neu besetzt werden. Die Funktion der Pflegedienstleitung wird derzeit von einer Stellvertretung ausgeübt.

?? ?? Entscheidung der Staatsanwaltschaft Bamberg, ob und gegen wen Anklage erhoben wird;

?? ?? Entscheidung über die ev. Zulassung der Klage(n) und daraus resultierenden Gerichtsverhandlung(-en) am Landgericht Bamberg;

zum Thema "Pflegeskandal Gleusdorf"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.