Haßfurt
Waldgang

Der Mischwald als ultima ratio

Haßfurts Stadtrat ließ sich von Forstmännern durch die Waldabteilung "Kühruh" führen. Dabei erläuterten die Fachmänner Grundzüge ihrer Arbeit
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Forstoberrat Franz Eder (links) beantwortete alle Fragen der Stadträte ausführlich.  Fotos. Ulrike Langer
Forstoberrat Franz Eder (links) beantwortete alle Fragen der Stadträte ausführlich. Fotos. Ulrike Langer
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Seit 1497 besitzt die Stadt Haßfurt im Westen von Hofstetten den 62 Hektar großen Wald Seidenhausen, der heute von Roland Henfling, Revierleiter des Forstreviers Königsberg, betreut wird. Gemeinsam mit ihm und Forstoberrat Franz Eder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt war der Stadtrat Haßfurt zwei Stunden lang unterwegs, um sich über die Waldbewirtschaftung zu informieren.

Jetzt im Frühling leuchtet der Wald. Das junge Grün hat eine intensive Ausstrahlung, die Vögel zwitschern und das neue Leben sprießt an allen Ecken und Enden. Insofern gestaltete sich der Rundgang bei dem intensiven Sonnenschein durch den überwiegend aus Buchen und Eichen bestehenden Wald äußerst angenehm. Bürgermeister Günther Werner (FW) erklärte: "Insgesamt aber gehört der Stadt eine Waldfläche von 342 Hektar".


Vielfalt im Wald

Für die Besichtigung durch die Waldabteilung "Kühruh" hatte Franz Eder das Motto "Baumartenvielfalt im Stadtwald Haßfurt - Buchenreinbestand oder Mischwald" gewählt. Denn auch wenn in Seidenhausen viele Buchen und Eichen stehen, so ist doch das Ziel der Bewirtschaftung ein Mischwald. "Er ist widerstandsfähiger, zeigt ein besseres Wachstum und ist auch ökonomisch sinnvoll", so Eder.

Denn dann könne man auf dem Markt immer das Holz anbieten, das aktuell den höchsten Preis verspreche. Beim ersten Halt zeigten Henfling und Eder den Stadträten einen Douglasienbestand, wo nur zehn Prozent der Bäume aus Laubhölzern bestehen.
"Die Douglasien, die derzeit übrigens sehr nachgefragt werden, werden immer wieder entastet", erzählte Roland Henfling. Zurzeit seien die Bäume 48 Jahre alt, also noch "Teenager", und müssten noch mindestens 50 Jahre auf den Schlag warten. In dem Bereich werden weitere Laubhölzer nachgezogen, um eine gute Durchmischung zu erhalten.


Alter Bestand

Als nächstes kam die Gruppe zu einem Buchen-Eichen-Bestand, der bereits 140 bis 155 Jahre alt ist. Rund 75 Prozent der Bäume sind Buchen, 20 Prozent der Bäume Eichen und der Rest besteht aus Edellaubhölzern. "Die Buchenverjüngung ist sehr vital. Daher müssen wir hier sehr aufpassen und ständig pflegen", verwies Franz Eder auf das Wichtigste bei der Waldbewirtschaftung: die Kontinuität. Um einen guten Mischwald zu erzielen, werden an dieser Stelle Douglasien, Edelkastanien, Kirschen, Tannen, Schwarznüsse und Baumhasel nachgezogen.

Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise die Edelkastanie aus Italien hier angepflanzt wird, sagte Stephan Schneider spontan: "Wenn hier die ersten Palmen wachsen, werde ich nervös." Doch Eder wies darauf hin, dass die Bäume nicht nur Hitze, sondern auch Frost aushalten müssten, was eine Palme definitiv nicht könne.
Wie eine Verjüngung eines Buchenbestandes aussehen kann, zeigten die Forstleute an einem weiteren Standort. Dort werden Tannen nachgezogen, die den Schatten unter den Buchen lieben. Daneben wurden die Stadträte auch auf Elsbeeren aufmerksam gemacht, die gerne in der Nähe von Eichen wachsen. Ihnen wurden auch alle Fragen ausführlich beantwortet.

Zum Schluss galt ihre Aufmerksamkeit einem Bewuchs aus 70 Prozent Eichen, 20 Prozent Buchen, 5 Prozent Elsbeeren und 5 Prozent Lärchen. Diese teils hervorragenden Eichen und Buchen haben ein Alter von 85 bis 155 Jahren und werden ebenfalls durchforstet. Franz Eder wies auf die Plastikröhren hin, in denen Baumhasel, Schwarznuss und weitere Edellaubhölzer gezogen werden. Das Plastikrohr wirkt wie ein Treibhaus und bietet Schutz gegen Verbissschäden und gegen das "Fegen" (Abreiben der Geweihhaut) von Hirschen und Rehböcken.
"Wir können stolz sein, wie unser Wald in Zusammenarbeit mit dem Jagdpächter bewirtschaftet wird", sagte am Ende Bürgermeister Günther Werner. Franz Eder stellte schließlich fest: "Der Wald Seidenhausen ist ein sehr gutes Beispiel für einen Wald, wie man ihn sich für die Zukunft vorstellt, weil wir ihn so fit machen, wie es die Vielfalt der hier wachsenden Baumarten ermöglicht."
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