Ebern
Friedensmarsch

"Der Frieden muss gepflegt werden"

70 Jahre nach dem Einsatz des späteren Eberner Arztes Dr. Baumann für das Ende der Gefechte in der Normandie besuchte eine Delegation der Stadt die französische Region.
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Mit der Reise in die Vergangenheit wurde neue Wege für die Zukunft geebnet: Bürgermeister Jürgen Hennemann (links) und der Autor Michel Lefèvre haben ihre Ideen ausgetauscht, um Ebern und das Städtchen Argentan miteinander zu verknüpfen. Fotos: privat
Mit der Reise in die Vergangenheit wurde neue Wege für die Zukunft geebnet: Bürgermeister Jürgen Hennemann (links) und der Autor Michel Lefèvre haben ihre Ideen ausgetauscht, um Ebern und das Städtchen Argentan miteinander zu verknüpfen. Fotos: privat
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Die Worte von Abbé Launay im Sommer 1944, zwischen all dem Elend in der Normandie: "Major Baumann, diese weiße Fahne kommt runter." Doch Major Dr. Wilhelm Baumann konnte den französischen Pfarrer schnell von einer Kapitulation überzeugen: "Abbé Launay, die Fahne bleibt oben." Eine Kapitulation war zu diesem Zeitpunkt das Unvermeidliche. Der Pfarrer und der Sanitätsarzt der Wehrmacht erkannten, dass die Situation der Truppen im Kessel von Argentan aussichtslos war. 200 000 Soldaten standen sich gegenüber. Standgerichte in anderen Kriegsgebieten machten deutlich, dass sich aufgabebereite Offiziere zur damaligen Zeit in eine sehr gefährliche Situation brachten. Die SS-Truppen waren bereits in Argentan eingerückt. Doch die beiden blieben mutig.

Erfolgreiche Mission

Schließlich stellte Major Baumann einen Rotkreuz-Panzer zur Verfügung, damit der französische Pfarrer zu den Alliierten fahren und die Kapitulationsverhandlungen führen konnte. Die Mission war erfolgreich. Um die Mittagszeit des 21. August 1944 endete das Massaker in der Normandie, dem größten westeuropäischen Schlachtfeld. Ein Gespräch ohne Waffen beendete die Schlacht. "Verzichten wir auf all das, was uns trennt. Streben wir nach dem, was uns vereint. Horchen wir auf den mahnenden Ruf, der sich von den Gräbern erhebt. Völker, seid vereint! Menschen, seid menschlich" forderte Abbé Launay, Pfarrer von Tournay-sur-Dives, in seinem tapferen Vorgehen mit Major Baumann zusammen.

Diese Forderung und die Worte des Dialogs zwischen Baumann und dem französischen Pfarrer hallen noch 70 Jahre später vielfältig nach. Ebenrs Bürgermeister Jürgen Hennemann durfte diese Worte in der Kirche von Tournai-sur-Dives in der Normandie selbst nachhören. Sie rütteln wach: "Frieden gibt es nicht umsonst." Auch die Friedensbewegungen rund um die Stadt Argentan in der Normandie setzten sie vor vielen Jahren in Bewegung. Seitdem laden der Rotary-Club und das Comité du Miroir des Âmes (deutsch: Spiegel der Seelen) jährlich zu einem Friedensmarsch rund um Tournai-sur-Dives ein.

In Ebern begraben

"Solch ein Friedensmarsch ist eine sehr gute Möglichkeit, um an die Situation vor 70 Jahren und die Heldentat von Baumann und dem französischen Pfarrer zu erinnern", meint Bürgermeister Jürgen Hennemann. "Es gab auch im schrecklichen Kriegsgeschehen noch Menschlichkeit". Zusammen mit den Stadträten Irene Jungnickl, Werner Riegel (dritter Bürgermeister) und Klaus Schineller machte er sich auf den Weg nach Frankreich. Denn Major Dr. Wilhelm Baumann ist kein unbekannter in Ebern. Nach dem Krieg und der französischen Gefangenschaft lebte der Arzt ab dem Jahr 1950 zusammen mit seiner Frau in Ebern und praktizierte als Allgemeinarzt und im Krankenhaus Ebern. Hier ist der Major 1997 verstorben und begraben.

Insgesamt 170 Frauen und Männer haben vor wenigen Tagen an dem Friedensmarsch in der Normandie teilgenommen: Menschen aus England, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Asien und auch aus Ebern. Der Weg führt auf 21 Kilometern durch die sommerliche Landschaft der Normandie. "Wir hatten viel Zeit für Gespräche", berichtet Bürgermeister Jürgen Hennemann. Die Eberner haben die Beziehungen zu verschiedenen Organisationen und besonders zu Michel Lefèvre vertieft. Der Franzose hat ein Buch mit dem Titel "Die stillen Helden" über Major Baumann und den französischen Pfarrer Launay geschrieben. Er war es, der mit seinen Forschungen über Dr. Wilhelm Baumann bis nach Ebern gekommen ist. Im Jahr 2011 streute er Erde aus der Normandie auf das Grab von Baumann.

Austausch soll fortgeführt werden

Viele Ideen sind den Eberner Stadträten durch die Begegnungen mit den Franzosen und der gemeinsamen Geschichte gekommen. "Wir werden auf jeden Fall diese Beziehungen fortführen und vertiefen", steht für Bürgermeister Jürgen Hennemann kurz nach der Ankunft aus Frankreich fest. Denn er weiß: "Der Frieden muss gepflegt werden."

Zusammen mit dem Regionalrat der Region Basse-Normandie, die sich bis an den Atlantik erstreckt, wurde über verschiedene Möglichkeiten des Austausches zwischen Ebern und Argentan diskutiert. "Wir denken da an einen Schüler- und Jugendaustausch. Auch in Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen. Hier können sicherlich im Rahmen des Sprachunterrichts verschiedene Projekte angepackt werden", sagt Jürgen Hennemann. "Aber auch außerhalb der Schule sollen diese deutsch-französischen Beziehungen gepflegt werden. Jugendfreizeiten und Begegnungsfahrten für interessierte Vereine sind nur zwei Möglichkeiten von vielen."

Gedenktafel soll an Baumann erinnern

Der Bürgerverein Ebern knüpft an diese Friedensbewegung an und will eine Gedenktafel für Dr. Baumann anfertigen lassen. "Sicherlich werden wir auch eine französische Delegation nach Ebern einladen." Mit der Reise in die Vergangenheit hat die Delegation aus Ebern einen wichtigen Schritt für die Zukunft gemacht: Sie hat neue Wege für die Völkerverständigung zwischen Frankreich und Ebern eröffnet.
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