Strafprozess

"Das war Augenblicksversagen"

Das Amtsgericht in Haßfurt stellte das Verfahren gegen eine 60-jährige Autofahrerin ein, die einen schweren Unfall bei Ebern verursacht hatte.
Um diesen Unfall nahe Ebern ging es jetzt in dem Strafprozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Das Verfahren wurde eingestellt.  Foto: fm/Archiv
 
Es war ein tragischer Verkehrsunfall mit schlimmen Folgen für einen Motorradfahrer. Ereignet hatte sich das Unglück auf der Staatsstraße 2278 an der östlichen Einmündung nach Fierst (Stadt Ebern) im Mai dieses Jahres. Eine 60-jährige Frau aus dem Landkreis hatte den Motorradfahrer übersehen, als sie, von Fierst kommend, in die bevorrechtigte Staatsstraße mit ihrem Auto einbog. Der Pkw der Frau und das Motorrad kollidierten. Jetzt fand der Unfall strafrechtlich vor dem Amtsgericht in Haßfurt seinen Abschluss. Der Unfall selbst wurde in dem Strafprozess nicht mehr erörtert. Es ging allein um die Rechtsfolgen: die Höhe der Geldstrafe, die die 60-jährige Angeklagte per Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft erhalten hatte. Sie hat dagegen Einspruch eingelegt, weshalb es zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt kam. Und sie hatte Glück: Das Strafverfahren wurde eingestellt. Bezahlen muss die Frau dennoch.

Laut Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bamberg sollte die Frau 4800 Euro (80 Tagessätze zu je 60 Euro) bezahlen. Der Angeklagten merkte man an, dass sie zutiefst betroffen war, dass es zu dem Unfall gekommen und dass der 18-jährige Motorradfahrer noch lange unter den Folgen zu leiden hat.

Ihr Rechtsanwalt Steffen Vogel schlug vor, das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen seine Mandantin unter Auflagen und Weisungen einzustellen. Der Anwalt führte aus, dass seine Mandantin noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten sei und sehr bedauere, dass sie den Motorradfahrer übersehen hat. "Das war ein Augenblicksversagen", sagte Vogel. Sie habe von Anfang an zu ihrer Schuld gestanden und nie versucht, dem Motorradfahrer eine Mitschuld anzulasten. "Das erleben wir ja oft, es heißt, der Motorradfahrer sei zu schnell gefahren", sagte Vogel.

Er bat zu berücksichtigen, dass der Verletzte, der durch einen Anwalt vertreten ist, keinen Strafantrag gegen seine Mandantin stellte. "So etwas erleben wir eher selten", sagte Vogel.

Die Angeklagte wurde während der Ausführungen ihres Verteidigers immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt. Dass dies keine "Krokodilstränen" waren, war offensichtlich.


"Eine Keule"

"80 Tagessätze sind unter diesem Umständen schon eine Keule", betonte ihr Verteidiger. Er regte an, das Verfahren unter Auflagen und Weisungen gegen seine Mandantin einzustellen.

Ein fragender Blick von Richterin Ilona Conver zu Staatsanwältin Hansen und der Hinweis, dass sie unter den gegebenen Umständen eine Einstellung nicht für abwegig hält, stießen bei der Anklagevertreterin zunächst nicht auf "Gegenliebe." Die Staatsanwältin erklärte, einer Einstellung nicht zuzustimmen. Nach weiteren Interventionen des Verteidigers und den Hinweisen, dass sich seine Mandantin beim Verletzten entschuldigt und Kontakt mit seinen Angehörigen gesucht habe, und dank des erkennbaren Wohlwollens des Gerichts ließ sich die Staatsanwältin schließlich "erweichen" und stimmte der Einstellung zu.

"Eine Auflage in Höhe von 40 Tagessätzen zu 60 Euro halte ich allerdings für unabdingbar", sagte sie. So fiel dann auch die Entscheidung der Richterin aus. Binnen drei Monaten muss die Angeklagte 2400 Euro als Geldauflage (nicht als Geldstrafe) an die Kreisverkehrswacht Haßberge zahlen. Tut sie das, wird das Strafverfahren eingestellt.
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