Zeil am Main
Wirtschaft

Das Ende von "Allmilmö" in Zeil

Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren sind gescheitert, erklärt Insolvenzverwalter Ampferl. Ein Besuch vor Ort zeigt: Die Mitarbeiter sind wütend.
Artikel einbetten
Die Zufahrt zum Zeiler Möbelwerk: In wenigen Wochen wird das Werk geschlossen, die Firma ist pleite. Fotos: Franziska Rieger
Die Zufahrt zum Zeiler Möbelwerk: In wenigen Wochen wird das Werk geschlossen, die Firma ist pleite. Fotos: Franziska Rieger
+1 Bild
Die Mitarbeiter des Zeiler Küchenherstellers "Allmilmö" verlassen das Werk an diesem Dienstag mit bedrückten Gesichtern. Der Grund: Das insolvente Unternehmen ist nicht zu retten. Diese Hiobsbotschaft wurde am Montagabend nach einer Betriebsversammlung verkündet.

"Wie soll die Stimmung jetzt schon sein bei uns? Die meisten Mitarbeiter bei uns sind älter als 50 Jahre", sagt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Grund für die Insolvenz ist seiner Meinung nach, dass zu wenig in das Unternehmen investiert wurde. Noch habe die Belegschaft keine Kündigungen erhalten, das kann im Verlauf der Woche aber folgen.


Verkauf war nicht möglich

Dass das Zeiler Möbelwerk, das vor allem durch den Marken- und früheren Firmenamen "Allmilmö" international bekannt wurde, nun bald seine Tore schließen muss, bestätigt Hubert Ampferl. "In den nächsten Wochen werden die vorhandenen Aufträge ausproduziert und ausgeliefert", sagt er. "Aber ich kann das Unternehmen nicht verkaufen." Die Verhandlungen zwischen potenziellen Investoren, der Insolvenzverwaltung und der Geschäftsleitung der Schweinfurter "La-Cour-Gruppe", zu der das Möbelwerk gehört, blieben erfolglos.

Rechtsanwalt Ampferl war Ende Februar als vorübergehender Insolvenzverwalter eingesetzt worden, nachdem das Unternehmen beim Amtsgericht in Bamberg Zahlungsunfähigkeit angemeldet hatte. In den zurückliegenden Monaten sei es trotz intensiver Gespräche nicht gelungen, sich mit möglichen Investoren zu einigen, erklärt Ampferl. Unter anderem seien Interessenten aus China nach Zeil gereist, um sich die Firma anzusehen.


"Eine reine Betriebsgesellschaft"

Es stand aber nicht etwa ein Möbelwerk "aus einer Hand" mitsamt Vermögenswerten zum Verkauf. Ampferl hatte "nur Mitarbeiter. Es war eine reine Betriebsgesellschaft." Die betriebsnotwendigen Vermögensgegenstände, wie die Betriebsimmobilie in Zeil, die Markenrechte "Allmilmö" sowie die wesentlichen technischen Anlagen und Maschinen sind Eigentum der Schweinfurter La-Cour-Gruppe und deren Chef Johannes La Cour.

In den Gesprächen, so erklärt Ampferl, seien die Preisvorstellungen über die Vermögenswerte zwischen möglichen Investoren und Johannes La Cour zu unterschiedlich gewesen. Alle Bemühungen halfen nichts: "Das ist einfach so, das muss ich akzeptieren", sagt Ampferl. Hinzu kam, dass der Standort mit seiner Infrastruktur auf ehemals 1500 Mitarbeiter ausgelegt war und damit für die heutigen Umsatzgrößen "völlig überdimensioniert" ist. Unter den gegebenen Bedingungen sei kein Investor bereit gewesen, da reinzugehen.

Warum es keine Einigung gab? "Herr La Cour wird seine guten Gründe gehabt haben", sagt der Rechtsanwalt. Einen Vorwurf macht er dem Schweinfurter Unternehmer indes nicht: "Er hat sich mit hohem Engagement eingebracht, das kann ich sagen." Und: "Nur durch die wirtschaftliche Unterstützung durch den Gesellschafter konnte der Geschäftsbetrieb seit Februar fortgeführt werden."


Der Wille war offenbar da

Ampferl selbst hatte den Geschäftsbetrieb des Zeiler Möbelwerks mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Mai fortgeführt. Bezogen auf die Betriebsgesellschaft, in der zuletzt noch knapp über 100 Mitarbeiter beschäftigt waren, sei er zuversichtlich gewesen, die Produktion vor Ort auch bei einem Verkauf an einen ausländischen Investor fortsetzen zu können: "Da arbeiten hoch qualifizierte Leute." Genau dieser Umstand sei bei den potenziellen Investoren hoch im Kurs gewesen, die sich bei einer Übernahme eine Produktion von Premiumküchen am Standort Zeil a la "Made in Germany" hätten vorstellen können.

Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) ist merklich enttäuscht, dass die Verhandlungen und die Fortführung des Betriebs am Standort Zeil gescheitert sind. "Ich habe schon Kontakt mit einigen Mitarbeitern gehabt", sagt er. "Es ist sehr, sehr bitter, dass nun endgültig Schluss ist." Für viele der dort Beschäftigten könnte es schwierig werden, wieder eine vergleichbare Anstellung zu finden.


Stadt Zeil als Vermittler?

Zudem würden mit der Firmenpleite erneut riesige Werkshallen und ein großes Verwaltungsgebäude in Zeil leerstehen. Er hofft, dass es gelingt, dort neue Unternehmen anzusiedeln. Die Pläne des Eigentümers Johannes La Cour jedoch "kenne ich nicht". Er hofft aber, dass der Unternehmer die Gebäude wieder in ansprechender Form anbietet. Die Stadt Zeil könne dabei die Rolle übernehmen, Kontakte herzustellen, "wenn Anfragen da sind", so der Bürgermeister.


Die Mitarbeiter sind frustriert

"Die größte Enttäuschung ist der Chef selbst", sagt eine 50-jährige Mitarbeiterin. Ihre zwei Kollegen nicken zustimmend. Obwohl Investoren da gewesen seien, sei es nicht zu einer Einigung gekommen. "Die Hoffnung war bis zur letzten Minute da", sagt ein anderer Mitarbeiter mit sorgenvollem Blick. Die Belegschaft selbst habe seit Jahren auf Extrazahlungen, wie Weihnachtsgeld, verzichtet. Dabei sei viel Geld in die Chefetagen geflossen, glaubt die 50-Jährige Frau. "Der Wasserkopf war zu groß." Auch, wie die jahrelange Kurzarbeit möglich war, verstehen die Mitarbeiter nicht. "Das ist ein Phänomen, dass das so lange genehmigt wurde", sagt ein anderer Mitarbeiter.

Ein weiteres Gespräch zwischen der Geschäftsleitung und der Belegschaft habe es bis jetzt nicht gegeben, wie die drei vor dem Werkstor erzählen. Sie befürchten, dass im Briefkasten zuhause wahrscheinlich schon die Kündigung auf sie wartet.


Zur Firma

Pleite Der Zeiler Küchenmöbelhersteller "Allmilmö" stellt Ende Juni die Produktion am Standort Zeil ein. Im Jahr 1996 wäre es schon einmal fast soweit gewesen: nach langen Verhandlungen konnte damals für das unter Konkursverwaltung stehende Unternehmen ein Investor gefunden werden: Die Schweinfurter "La Cour Holding" übernahm die Firma.

Name "Allmilmö" steht für "Alles von Milewski Möbelwerk", die Marke etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren international. Die Premiumküchen aus Zeil genossen einen guten Ruf. Von Heinz Milewski im Jahr 1965 in Zeil gegründet, entwickelte sich die Firma in wenigen Jahren zu einem führenden deutschen Küchenmöbelhersteller mit Weltruf.

Mitarbeit Text und Recherche: Franziska Rieger
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren