Ebern
Fachvortrag

Beim Handy schrillen die Alarmglocken

Expertin des Bund Naturschutz findet, dass das Eberner Stadtgebiet bereits mit Wlan-Einwählkontenpunkten verseucht ist.
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Wo es im Eberner Stadtgebiet überall strahlt.
Wo es im Eberner Stadtgebiet überall strahlt.
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Da dürften so manchem Kommunalpolitiker wie auch Pädagogen von Medienreferenzschulen die Ohren geklingelt haben: Eine vernichtende Abrechnung mit dem vermeintlichen "Funknetz der Freiheit" wagte die Mobilfunk-Beauftragte des Bundes Naturschutz (BN), Helga Krause, bei einem Vortrag von BN und Alternativer Liste am Freitagabend in den Frankenstuben.

Und die Referentin hatte sich mit den Eberner Gegebenheiten intensiv vertraut gemacht. Das Urteil der Fürtherin stimmt nachdenklich: "Ihre Kommune hat mit dem Freifunk Franken so viele Knoten aufgebaut, für die ich kein Verständnis mehr habe. Das führt direkt in die Internetsucht. Die Kinder haben die Spielautomaten mittlerweile doch in der Tasche."

Wo Handys und das noch gefährlichere Smartphone ganz schlecht aufgehoben sind. "Die gehören nicht in die Hosentasche, sondern in den Rucksack weit draußen." Also weit weg vom Körper.

Natürlich ist sich auch Helga Krause der Tatsache bewusst, dass "unsere Kinder nur noch mit den Dingern in der Hand herumlaufen". Aber: Bei der Strahlen-Exposition lassen sich Vorkehrungen treffen, lautet der gute Rat der Expertin, die "seit Jahrzehnten am Thema dran ist". Dabei konzentrierte sie sich bei ihrem Vortrag am Freitag ausschließlich auf gesundheitliche Auswirkungen, nicht auf inhaltliche Defizite oder blanken Unsinn.

Die Gefahren für die Gesundheit zeigte sie an diversen ärztlichen Untersuchungen, behördlichen Verlautbarungen, aber auch durch persönliche Erfahrungen auf. "Ich kenne viele Menschen, die ob irgendwelcher Beschwerden einfach aus den Strahlungsbereichen herausgegangen sind, weil sie in Urlaub fuhren, oder einfach nur mit dem Hund im Wald spazieren gingen, und danach ist es ihnen viel besser gegangen." Ein Schrei-Kind von Bekannten habe wieder zur Schlafruhe gefunden, als ganz einfach das schnurlose Telefon ausgesteckt worden war. Auch Babyfons, die "bestimmt hilfreich für viele Eltern sind", sollten mindestens zwei Meter vom Kind entfernt aufgestellt werden.

Sie verwies auf Analysen von Krankenkassen, wonach die Kopfschmerz-Diagnosen bei 18- bis 27-Jährigen in den letzten zehn Jahren um 47 Prozent gestiegen seien. Dagegen stellte sie Empfehlungen des Landesamtes für Umweltschutz, wonach man im Rahmen von Dach- und Außenputzsanierungen oder Fensteraustausch Abschirmgewebe vorsehen lassen könne.

Auch ein Bett-Baldachin zeige positive Ergebnisse, wie sie mittels eine Detektors anschaulich vorführte. "Es gibt auch abschirmende Unterwäsche, aber das halte ich für einen Quatsch."

Weitere Empfehlungen folgten in Frageform: "Muss ich daheim ständig ein schnurloses Telefon benutzen. Muss der Wlan-Router an sein, wenn ich nicht ins Internet und eigentlich schlafen will?"
Und daran schlossen sich Ministeriums-Empfehlungen an: Mit dem Handy nur kurz telefonieren. Das Geräte erst ans Ohr führen, wenn's wirklich geklingelt hat. Zuhause das Festnetz-Telefon nutzen.

Dass durch die Vielzahl hochfrequenter Strahlen, vom Baby-Fon bis zum Mikrowellen-Herd, medizinische Gefahren ausgehen, steht für die BN-Referentin außer Zweifel.

So präsentierte sie ein Plakat der Wiener Ärztekammer, mit dem ausführlich auf die Gefahren hingewiesen wird. "Das ist schon die sechste Auflage und die wurde in vielen Sprachen aufgelegt. Die österreichischen Ärzte sind viele schneller als unsere Behörden."

Von russischen Forschern gebe es Warnungen schon seit 2008. So werden bei 30 Minuten am Tag am Handy von einem erhöhten Krebsrisiko ausgegangen. Aber: "Unsere Politik versagt und knickt vor den Mobilfunk-Konzernen ein."

Freilich müssten Kinder, so Frau Krause, über und mit den neuen Medien lernen. "Aber bitte nicht über Funk." So habe der Europarat ein Wlan-Verbot an Schulen empfohlen, während der Bayerische Landtag genau das Gegenteil an allen Schulen anstrebe.
Zum Freifunk Franken sagte die Referentin, dass sie dessen Einrichtung als Verbindung für Flüchtlingen in die alte Heimat eigentlich ganz gut gefunden habe. "Aber das hat sich verselbstständigt. Private Anbieter wollen mit den Flüchtlingen nur ihre Geschäft machen."

Und in Ebern besonders. "Da wurden so viele Knoten aufgebaut, wofür ich kein Verständnis mehr habe", sagte sie und zeigte die entsprechenden Karten mit Einwählpunkten und Strahlungsrichtungen, die nicht einmal in der Stadtverwaltung vorliegen dürften.
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