Prozess

58-Jähriger kopierte Banknoten

Das Gericht in Haßfurt verdonnerte einen Mann aus dem Landkreis wegen Geldfälschung zu einer Bewährungsstrafe.
Geldscheine hat ein 58-jähriger Mann aus dem Landkreis auf einem Kopiergerät vervielfältigt. Deshalb wurde er jetzt verurteilt.  Foto: Helmut Will
 
von HELMUT WILL
-Als "Scherzla" sieht der 58-jährige Angeklagte seine Verfehlung an, als "Schnapsidee" bezeichnete sie die Vorsitzende des Schöffengerichts am Amtsgericht in Haßfurt, Ilona Conver. Das Gericht verurteilte den 58-Jährigen wegen Geldfälschung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten sowie zu einer Geldauflage von 880 Euro. Die Freiheitsstrafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Staatsanwalt Ralf Hofmann warf dem Rentner aus dem Landkreis vor, dass er im Juni 2015 Geldscheine auf seinem Farbkopierer kopiert und danach bis Oktober in Umlauf gebracht habe. Insgesamt habe er 44 "Blüten" (Fünfer, Zehner, Zwanziger und Fünfziger) mit einem Nennwert von 800 Euro hergestellt. Das alles geschah stümperhaft.


Ärger mit dem Bruder

Der Angeklagte bestritt zunächst, 44 Scheine kopiert zu haben. "Es waren höchstens 15 oder 20", sagte er. Auch habe er damit nicht bezahlen wollen. "Das war ein Scherzla gegenüber meinem Bruder."
Mit seinem Bruder, der im gleichen Ort neben ihm wohnt, habe es Erbstreitigkeiten gegeben, erklärte der 58-Jährige. Warum er seinem Bruder kopierte Geldscheine, die er teilweise zusammengeklebt hatte, vor die Haustüre warf, wurde nicht nachvollziehbar. "Ich legte die Scheine meinem Bruder vor die Tür, es war ein dummer Einfall, ich sah es als Scherzla, jetzt wird mir ein Strick daraus gedreht", sagte der Angeklagte.
Die "Blüten" tauchten auch in Bamberg, dem dortigen Umland und in Schweinfurt auf. Das konnte sich der Angeklagte nicht erklären, wie er auf Nachfrage des Gerichts angab.

Aufgeflogen ist die Geldfälschung, nachdem der Angeklagte mit einem falschen 50-Euro-Schein bei einer Tankstelle im Landkreis Bamberg seine Tankrechnung bezahlen wollte. Der Kassiererin war aufgefallen, dass es sich um einen "falschen Fuffziger" handelte und sie sprach den Angeklagten deshalb an, wie ein Kriminalbeamter der Kripo Bamberg als Zeuge berichtete.


Sicherstellung

Die Kassiererin rief die Polizei und der Falschgeldexperte der Polizei traf den Angeklagten noch an der Tankstelle an. Vor Ort versicherte der Angeklagte, er habe vorher irgendwo mit einem 100-Euro-Schein bezahlt und dabei diesen 50-Euro-Schein als Wechselgeld erhalten. "Ich habe ihm auf den Kopf zugesagt, dass ich das nicht glaube, und ihm auch gesagt, dass ich der Meinung bin, er habe den Geldschein kopiert, das war leicht erkennbar", betonte der Kriminalhauptkommissar. Der Kopierer und das Papier wurden von der Polizei noch am gleichen Tag bei dem Angeklagten sichergestellt.

Der Angeklagte gab schließlich zu, echte Geldscheine auf seinem Farbkopierer vervielfältigt zu haben. "Diese lagen zusammen mit den kopierten Scheinen auf dem Tisch, und als ich mein echtes Geld wieder in den Geldbeutel steckte, muss ein falscher mit reingerutscht sein", verteidigte er sich.
Deshalb sei es dazu gekommen, dass er ihn an der Tankstelle dabei hatte. Absicht sei das nicht gewesen, erklärte der Beschuldigte.

Geldscheine, so der Kripobeamte, seien auch bei der Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten im Garten gefunden worden. "Auf einem Geldschein konnten wir einen Fingerabdruck feststellen, der dem Angeklagten durch das Bayerische Landeskriminalamt zugeordnet werden konnte."


Geständnis

Rechtsanwalt Jens Urban erklärte nach einer Sitzungspause und Beratung mit dem 58-Jährigen: "Mein Mandant hat die Scheine hergestellt und auch willkürlich in der Gegend verteilt. Nur mit dem einen falschen 50-Euro-Schein wollte er eine Tankrechnung bezahlen. Ein Geschäft wollte er mit den falschen Scheinen nicht machen, sonst hätte er sie nicht einfach weggeworfen."

In seinem Plädoyer hielt der Staatsanwalt Ralf Hofmann dem Angeklagten sein spätes Geständnis zugute. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Geldauflage von 880 Euro.
Eine etwas mildere Strafe beantragte der Verteidiger. Er plädierte auf ein Jahr und einen Monat. "Es tut mir einfach leid, es ist halt einfach so gekommen", lautete das letzte Wort des Angeklagten.
Das Urteil des Schöffengerichts lautete auf ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Er hat auch die Kosten des Verfahrens zu tragen und muss eine Geldauflage von 880 Euro bezahlen.
"Objektiv gesehen ist es nicht schlimm, es entstand auch kein Schaden", sagte die Richterin Ilona Conver in ihrer Urteilsbegründung. Allerdings sei Geldfälschung kein leichtes Delikt.
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