Breitbrunn
Reise

1000 katholische Kirchen stehen vor der Schließung

Die Reisegruppe "Mit der Union durch Europa" erlebte eine wunderbare Holland-Fahrt mit allem Drum und Dran.
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Frau Antje lobte ihren Käse. Günther Geiling
Frau Antje lobte ihren Käse. Günther Geiling
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Die Niederländer sind seit Jahren die größte Gruppe ausländischer Gäste in Deutschland. Umgekehrt gilt das Gleiche: In den Niederlanden sind die meisten Touristen aus Deutschland. Zu ihnen zählte diesmal auch die Reisegruppe "mit der Union durch Europa" aus dem Haßbergkreis, die schon viele Länder Europas bereist hat, nur nicht die Niederlande. 80 Fahrtenfreunde wollten deswegen die Hauptstadt Amsterdam und das unglaublich flache Land erleben, von dem ein Viertel sogar unter dem Meeresspiegel liegt.


Größte Fahrradstation der Welt

Bei der Hinfahrt aus dem Haßbergkreis durch das Ruhrgebiet galt ein erster Stopp der Stadt Utrecht, einer richtigen Studenten- aber auch Fahrradstadt mit der größten Fahrradstation der Welt. Aber ein anderes niederländisches Problem wurde hier gleich deutlich. War Utrecht einmal die katholischste Stadt der Niederlande und befinden sich dort ungefähr 30 Kirchen, so sind heute nur noch fünf Prozent der Bevölkerung katholisch. 1000 katholische Kirchen stehen vor der Schließung, und die Holländer stehen damit vor der wichtigen Frage, was mit den nicht mehr genutzten Kirchen geschieht.

In dieser Kirche war deswegen ein großer Kongress von Psychologen, während man in anderen Kirchen auf Bars, Cafes, Museen oder gar Discos trifft. Aber der höchste Domturm des Landes, der Kreuzgang sowie die schöne Altstadt mit den Grachten waren sehr sehenswert.

Am nächsten Tag stand die Hauptstadt Amsterdam im Mittelpunkt, wobei Ausgangspunkt die so genannte "Rembrandt-Mühle" war, eine der über 1000 Windmühlen, die es in Holland gibt. Nicht leicht die Rundfahrt vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und im Labyrinth der 100 km an Kanälen und Grachten. Dazu noch die "Vorfahrt" der Radfahrer, für die es gesonderte Radwege und Regeln gibt. Sie sind ohne Zweifel "die Könige der Stadt" und man kann sich dabei schon eher vorstellen, dass jeder Niederländer im Durchschnitt 2,5 Fahrräder besitzt.


Das beste Fortbewegungsmittel

Kein Wunder, denn hier sind die Räder wirklich das beste Fortbewegungsmittel. Deswegen begab sich die Gruppe dann auch zu Fuß zum Stadtrundgang, um dabei in einem Cafe auch den typischen Apfelkuchen mit Schlagsahne "appeltart met Slagroom" und "Koffie verkeerd" zu genießen.

Ein Erlebnis war dann die Fahrt auf dem Wasser durch die Stadt der Grachten, wo man gemütlich die reizvolle Architektur, die Backsteinbauten oder auch die schwimmenden Häuser bestaunen konnte, in denen immerhin 2500 Amsterdamer leben. Aber auch von Hausputz in den Grachten, die rund drei Meter tief sind, erfuhr man so einiges. Ein Meter ist Schlamm, ein Meter Fahrräder und ein Meter Wasser. Spezielle Reinigungsschiffe fischen den Unrat von der Wasseroberfäche, und große Kähne bergen regelmäßig verrostete Fahrradwracks heraus, immerhin 10 000 pro Jahr.

Am "Damplatz" spürte man den verrückten Trubel der Stadt, und nicht wenige warfen auch einen Blick in den "Red-Light-District", der in manchen Metropolen eine "No-Go-Area" ist, während in Amsterdam bei Tag und Nacht dort das Leben pulsiert. Einige wagten sich sogar über die Treppe eines der berühmten "Coffe-Shops", den geduldeten Verkaufsstellen so genannter weicher Drogen.

Nach diesem aufregenden Trip durch Amsterdam genoss man einen kleinen Spaziergang am Dünenstrand unweit des Hotels und die Fischverkäufer machten ihr Geschäft mit Matjes oder dem typischen Kibbeling, mundgerecht frittierten Kabeljaustückchen mit Remoulade.

Nach dem guten Fisch galt die Aufmerksamkeit am nächsten Tag dem Käse auf dem weltberühmten Kaasmarkt in Alkmaar. Das Kaas-Spektakel lockte auch an diesem Freitag Scharen von Urlaubern an, welche die Gildenmitglieder bei ihrer Arbeit beobachteten. Das nächste Ziel war der Bilderbuchort Volendam mit dem Blick über das Ijsselmeer. Beschaulicher ging es dann in Edam zu.

Bei einem Spaziergang genoss man die Idylle dieses berühmten Ortes, aus dem viele alte Meister die weiß gestrichenen Zugbrücken auf ihre Bilder gebannt haben. Noch nicht vom Käse genug, schaute man dann im Freilichtmuseum Zanse Schaans der berühmten Antje über die Schultern, probierte Käsesorten, und so manche kleine Käsekugel wanderte dann in die Einkaufstasche, bevor man auch noch einen Holzschuhmacher bei seiner Arbeit beobachten konnte.

Das mondäne Seebad Scheveningen mit seinem 400 m langen Pier mit Aussichtsturm und dem Luxushotel, wo sich tausende Badegäste im Sommer tummeln, war dann der richtige Ort für den Bummel über die Strandpromenade und für das Flanieren auf dem Strandboulevard. Hier spürte man schon den Flair der königlichen Stadt und des Regierungssitzes Den Haag. Dieser wurde noch deutlicher in der glasüberdachten "Haagse-Passage" mit den besten Geschäften, und völlig überrascht waren die "Haßbergler" dann, als in der Fußgängerzone ein roter Teppich ausgelegt war, auf dem sie schnurstracks in Richtung Königspalast geleitet wurden.

Der Stadtführer meinte dazu, dass die "Haager" hiermit auch die besondere Bedeutung ihrer Stadt herausstellen wollten. Natürlich ließ man sich als "Unions-Reisende" eine Führung im Vredespaleis nicht entgehen und wurde mit der Arbeit des Internationalen Gerichtshofs vertraut. Den Abschluss für diesen Tag bot die Stadt Delft, die berühmt ist für Herstellung von blau bemalten Fayencen. In einer Manufaktur konnte man die Kunst dieses Handwerks verfolgen.

Auch die Rückfahrt in die Heimat nutzte man noch zu einem interessanten Zwischenstopp in Maastricht, das durch den Vertrag von Maastricht Geschichte geschrieben hat und alljährlich durch das große Konzert von Andre Rieu auf den Bildschirm kommt. Diesen Platz "Vrijthof" mit seinen historischen Bauwerken und Cafes wollte man einml genauer anschauen. Dabei kam man gerade recht zum "Preuvenemint", dem größten Gourmeefestival der Niederlande, genau neben der berühmten St. Servaasbasiliek über dem Grab des hl. Servatius.

Mit vielen Eindrücken kehrte man wieder nach Hause zurück und unter Reiseleiter Günther Geiling schmiedete man schon wieder Pläne für das nächste Reisejahr. Aber Anfang November geht es nun erst einmal auf die große 15-tägigen Südafrika-Rundreise mit Kapstadt und dem Kap der Guten Hoffnung und über das Kap-Weinanbaugebiet, die Gardenroute ins Swazi- und Zululand sowie dem Kruger-Nationalpark nach Johannesburg zum Rückflug.
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