Nahverkehr

Senioren tauschen in Fürth ihre Führerscheine gegen Fahrscheine

Senioren werden seit diesem Jahr von der Stadt ermuntert, ihren "alten Lappen" gegen neue Fahrscheine für den Nahverkehr einzutauschen.
Senioren tauschen in Fürth ihre Führerscheine gegen Fahrscheine Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Bis heute haben in Fürth schon 167 Senioren aus freien Stücken auf ihren Führerschein verzichtet. "Das ist sensationell", freut sich Hans-Joachim Gleißner (56), Leiter des städtischen Straßenverkehrsamtes.

Den Erfolg könne sich Gleißner selbst nicht vollständig erklären. Sicher liege es daran, dass die Senioren mit mehr als einem warmen Händedruck entschädigt werden. Die städtischen Verkehrsbetriebe versüßen den Senioren den Verzicht auf die Fahrerlaubnis mit drei Gutscheinen für Monatskarten für den Öffentlichen Nahverkehr im Stadtgebiet im Wert von insgesamt rund 150 Euro. 80 Jahre seien die Teilnehmer der "Führerschein-Tauschaktion" durchschnittlich alt. Ausnahmen bestätigen die Regel. "Kürzlich war ein Herr im stolzen Alter von 98 Jahren bei uns", berichtet Gleißner. Grundsätzlich seien mehr Frauen als Männer in Fürth bereit, freiwillig auf ihren Schein im Tausch gegen die drei Monatsfahrkarten zu verzichten. Ob die Senioren tatsächlich noch regelmäßig Auto fahren oder gar ein Fahrzeug ihr Eigen nennen, darüber hat die Behörde keine Erkenntnisse.

Vor der Aktion habe es faktisch aber keine freiwilligen Führerschein-Verzichte in Fürth gegeben, erinnert sich Hans-Joachim Gleißner. Früher sei das Amt eingeschritten, wenn beispielsweise Senioren im Straßenverkehr auffällig geworden seien und bei Polizeikontrollen beispielsweise Seh- oder Hörprobleme festgestellt worden seien. "Wir hatten auch schon Fälle, dass Fahrzeugführer mit starker Demenz im Straßenverkehr herausgewunken wurden." In solchen Fällen werde das Straßenverkehrsamt von der Polizei informiert und die Behörde entziehe nach einer Anhörung die Fahrerlaubnis. Rechtlich sei das Verfahren nicht einfach. "In der Regel stützen wir unsere Entscheidungen in solchen Fällen auf fachliche Gutachten von Sachverständigen." Schließlich kenne das Fahrerlaubnisrecht keine Altersbeschränkungen. Auch nach schweren Unfällen, an denen ältere Senioren beteiligt sind, werde der Führerschein in Frage gestellt. Senioren seien als Unfallverursacher eine genauso auffällige Gruppe wie Fahranfänger. Der Unterschied sei, dass sich junge Erwachsene mit der Zeit im Straßenverkehr sicherer bewegen würden. Bei Senioren sei dagegen von einer gegenteiligen Entwicklung auszugehen.

Allerdings sei es gerade im Seniorenalter eine höchst individuelle Entscheidung, ob man sich noch sicher hinter dem Steuer fühle. "Es gibt tausende Autofahrer, die mit weit über 80 Jahren noch sicher ein Auto führen können", betont Gleißner.

Der Behördenleiter macht keinen Hehl daraus, dass es ihm und seinen Kollegen viel lieber ist, wenn die Senioren freiwillig auf ihren Schein verzichten. Schließlich sei es gravierend, wenn Menschen auf ihre Fahrerlaubnis verzichten müssen. Umso mehr freut sich Gleißner über den Erfolg. "Damit appellieren wir an die Vernunft und die Eigenverantwortung der älteren Fahrzeugführer." Durch die "Führerschein-Aktion" würden sich ältere Autofahrer rechtzeitig Gedanken über ihre Fahrtauglichkeit machen.

Bislang sei es noch nicht vorgekommen, dass ein Teilnehmer später den Führerschein zurückhaben wollte. Genau genommen geben die Senioren, die an der Tausch-Aktion teilnehmen, nicht ihren Führerschein ab sondern verzichten auf ihre Fahrerlaubnis. Rechtlich sei das ein gewaltiger Unterschied. "Der Verzicht zielt in der Praxis auf eine endgültige Entscheidung ab, nicht mehr als Straßenverkehr teilzunehmen", ist sich Gleißner sicher.

Theoretisch könnten die Senioren zwar die Fahrerlaubnis erneut beantragen und bewilligt bekommen. Der Behördenchef glaubt aber nicht, dass dieser Fall in der Praxis eintreten werde. Schließlich hätten sich die Senioren diesen Schritt gut überlegt. Dafür können Oma und Opa in Fürth drei Monate mit zwei Kindern umsonst mit Bus und Bahn im Stadtgebiet unterwegs sein. Die Gutscheine sind sogar auf anderen Personen übertragbar. "Wir haben mit der Aktion offensichtlich einen Nerv und den Zeitgeist getroffen", freut sich der Behördenchef und hofft, dass die Aktion auch in den nächsten Jahren in Fürth weitergeht. "Wir gehen davon aus, dass die Aktion im weiterläuft", sagt Klaus Dieregsweiler-Grünsfelder, Leiter der Verkehrsbetriebe in Fürth. Schließlich seien 15 Prozent der Gutschein-Empfänger nach der "Führerschein-Tauschaktion" zu Abokunden mutiert. Vergleichbare Aktionen in Bayern habe es bereits in Schwabach und Coburg gegeben.


Ohne Führerschein weiterhin mobil

"Führerschein für Fahrschein" heißt eine Aktion, die von den städtischen Verkehrsbetrieben und der Stadt Fürth getragen wird und auf Freiwilligkeit setzt: Wer aufgrund seines Alters und/oder seiner gesundheitlichen Disposition aus eigenem Antrieb auf seine Fahrerlaubnis verzichtet, erhält künftig als Anerkennung einmalig drei voneinander unabhängige Gutscheine für 9-Uhr-MobiCards. Die 9-Uhr-MobiCard gilt Montag bis Freitag ab 9 Uhr sowie am Wochenende und feiertags rund um die Uhr im gesamten Stadtgebiet Fürth in allen Bussen, in der U-Bahn und in den Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn für jeweils zwei Erwachsene und vier Jugendliche.
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