Protest

Pegida-Demo verhindert Martinsumzüge: Stadt Fürth entschuldigt sich

Martinsumzüge von Kindern müssen am Freitag in Fürth wegen einer Pegida-Demo umgeleitet werden. Die Stadt entschuldigt sich für das "Versehen".
Pegida-Demo im Stadtgebiet Fürth im September. Auch am Freitag - dem Martinstag - will Pegida in Fürth auf die Straße gehen. Der Fürther Dekan Jörg Sichelstiel kritisierte die Route an der Kirche St. Michael vorbei. Foto: News5/Archiv
 
Der Fürther Dekan Jörg Sichelstiel kritisierte die Route einer Pegida-Demonstration an der Kirche St. Michael vorbei. Damit müssten Laternenumzüge von Kindergärten und Horten einen anderen Weg nehmen oder den Umzug ausfallen lassen, erklärte Sichelstiel. Er schätzt, dass um die 5000 Kinder und ihre Familien betroffen seien.

Die Stadt Fürth hatte eine zunächst vorgesehene Route am Bahnhof vorbei geändert und den Pegida-Zug in die Königstraße verlegt, damit weniger Straßen gesperrt werden müssten, wie sie erklärte. Vor allem Einzelhandel und Gastronomie sollten nicht schon wieder durch großräumige Absperrungen belastet werden. Sichelstiel sagte, er sei enttäuscht, dass die Stadt Pegida nicht klarer in die Schranken gewiesen habe. Man hätte lediglich eine Kundgebung erlauben können.


Stadt entschuldigt sich

Am Freitag reagierte die Stadt mit einer Stellungnahme. Darin heißt es: "Die heutige und zu recht kritisierte Kollision zwischen einem vergangene Woche angemeldeten Pegida-Auftritt und dem seit längerer Zeit bereits angezeigten Laternenumzug der Kirchengemeinde St. Martin bedauert die Stadt Fürth außerordentlich und entschuldigt sich bei den Kindern, Eltern und der Kirchengemeinde für das Versehen in der Stadtverwaltung."

Rechts- und Ordnungsreferent Mathias Kreitinger ergänzte, dass man "in einem kurzfristig anberaumten Gespräch mit Vertretern der Kirchengemeinde und der Polizei" intensiv verschiedene Lösungen beraten habe. Die Stadt habe dabei jede Unterstützung zugesagt, um den Laternenumzug in abgeänderter Form durchführen zu können.


Dekan ruft zu Protest auf

Dekan Sichelstiel protestiert jedoch nicht nur gegen die Route des Pegida-Zuges, sondern auch "gegen die Vereinnahmung des Heiligen Martin von Tours". Der sei "ein europäischer Heiliger der Solidarität". Pegida verhöhne ihn mit ihrem Auftreten. "St. Martin ist mit den Kindern und Eltern unterwegs. Nicht mit Pegida", sagte der Dekan. Er bitte alle Anwohner ihren Protest zu zeigen, indem sie Fensterläden oder Vorhänge schließen. Das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus sowie die Stadt Fürth selbst rufen zu Gegenprotesten auf. Die Evangelische Jugend plant eine Martinsfeier mit Punsch und Martinsweckla. "Rechte Parolen haben am Martinsabend keinen Raum, deswegen wollen wir uns bei unserer Feier darauf besinnen, dass St. Martin für das Teilen mit Armen, Schwachen, Ausgegrenzten und Vertriebenen steht", sagte Stadtjugendreferent Benjamin Greim. mit epd

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