Nürnberg
Webcam-Girl

Erotik- & Pornodarstellerin: "Privater Sex ist ganz anders"

Sarah aus Franken ist Erotikdarstellerin, Cam- und Escort-Girl. Die 27-Jährige verdient mit nackter Haut viel Geld. Sie sagt: Ihre Seele verkauft sie nicht.
Artikel einbetten
Blick in Sarahs Arbeitswelt: Als "Queen Paris" verdient die Fränkin ihr Geld mit intimen Dienstleistungen.  Foto: privat
Blick in Sarahs Arbeitswelt: Als "Queen Paris" verdient die Fränkin ihr Geld mit intimen Dienstleistungen. Foto: privat
+7 Bilder
Wie sie wohl sein wird? Am Telefon klang sie zurückhaltend, abwartend. Ich bin gespannt. In einem Vorort von Nürnberg habe ich mich mit Sarah verabredet. Die 27-jährige Fränkin ist ein sehr erfolgreiches Webcam- und Escort-Girl. Sie dreht Erotikfilme, trifft Männer aber auch persönlich. Man(n) kann sie buchen. Für vier, sechs, 18 oder auch 24 Stunden. All inclusive. Nicht billig.
Aber wie schafft sie es nur, ihren Körper zu verkaufen und ihre Seele nicht? Geht das überhaupt?
Wir treffen uns bei Sarah zuhause. Ihr kleiner Hund Presley bellt wie ein großer. Sarah lacht und sagt: "Toller Wachhund, was? Komm' rein." Die junge Frau hat ihre Wohnräume modern und zugleich edel eingerichtet. Sie ist eine freundliche Gastgeberin. Wir duzen uns fast automatisch, trinken Latte macchiato, essen Kuchen.
Sarah erweist sich als ein Mensch, mit dem man ganz unkompliziert und offen sprechen kann. Sie erzählt, wie sie zu "QueenParis" geworden ist - unter diesem Künstlernamen gehört sie, wenn man die Klickzahlen zugrunde legt, zu den gefragtesten Erotik-Amateurinnen im deutschen Internet.



"Einfach mal ausprobieren"

"Eigentlich wollte ich eine Lehre als Autolackiererin machen. Aber meine Eltern haben das verboten. Sie haben gemeint, das wär' nichts für ein Mädchen. Und ich war damals viel zu schüchtern und unsicher, um mich dagegen aufzulehnen." Also ließ sich die junge Frau nach dem Quali auf eine Hauswirtschaftslehre ein. "Ich koche und backe wirklich gern, aber damit verdient man halt einfach kein Geld." Sie heuerte in einer Backstube an, versuchte, ihr spärliches Gehalt durch einen Zweitjob an der Tanke aufzubessern. "Wohnung, Auto, Versicherungen - am Ende des Monats war nie Geld übrig, um zum Beispiel mal schön in Urlaub zu fahren oder so."
Dann kam der Abend, an dem sie vor dem TV-Bildschirm saß und auf RTL 2 "Die Reportage" sah. Darin ging es um die boomende Sex-Amateur-Branche.

Nach der Devise "Einfach mal ausprobieren" besorgte sie sich eine Webcam, "finanziert auf 24 Monate". Vor fünf Jahren war das. Ein Kumpel erwies sich hinter der Kamera als einfallsreich und talentiert - genau wie Sarah vor der Kamera. "Der Anfang war gar nicht schwer. Ich habe mich auf verschiedenen Portalen angemeldet und los ging's." Dass Sarahs Kurzfilme rasch unter die Top-Seller kamen, führt sie vor allem auf eines zurück: "Ich sehe halt in den Augen der Männer gut aus. Und ich bin gut in dem, was ich mache." Sie sei eher das Mädchen von nebenan, das zwar in verschiedene Rollen schlüpft, aber nicht abgehoben daher kommt. "Viele Leute mögen das lieber als getunte Profi-Pornos, mit deren Darstellern man sich kaum identifizieren kann."


Von der Familie als "Hure" abstempelt

Schließlich bekam Sarah Post von einer bekannten Erotikfirma aus der Branche: "Es hieß, sie wollten mit mir arbeiten." Nach einigem Überlegen sagte Sarah zu. Es war der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit. "Und außerdem eine super Werbung. Ich habe plötzlich Summen verdient - wow!"

Sarah wurde immer begehrter. Im Netz - aber auch live. Auf Portalen wie Big7.com können sich die Kunden darum bewerben, mit Sarah einen Live-Clip zu drehen. Die treuesten Kunden werden dafür ausgewählt. Als Sat1 einen Fernsehbericht darüber brachte, änderte sich Sarahs Privatleben schlagartig.

Ihren Verwandten gegenüber hatte die Fränkin verschwiegen, dass sie nicht mehr als Brötchenverkäuferin arbeitete. Aber nach dem Fernsehbeitrag gab es einen großen Aufschrei. "Die Familie hat mich abgestempelt mit Worten wie 'Hure', 'Flittchen' und 'dreckiges Geld'." Bis heute gibt es kaum Kontakt zwischen Sarah und ihren Eltern, die schon lange getrennt leben. Nur noch ihre Halbbrüder halten zu ihr.

Sarahs bernsteinfarbene Augen werden ganz dunkel, wenn sie von ihrer Familie erzählt. "Der Bruch ist schon schlimm für mich." Wenn sie einen Wunsch frei hätte, wäre es der, das sich das Verhältnis irgendwann normalisiert. "Aber das liegt ja nicht an mir."


Ein Job wie viele andere auch

"Für mich ist der Job noch nie was Schlimmes gewesen", betont die 27-Jährige. Es sei ein Job, wie viele andere auch, den man schäbig oder aber seriös ausführen könne. "Und bei mir ist alles ganz seriös und safe."

Aber kann man denn seinen Körper ganz nüchtern als "Arbeitsinstrument" sehen? Nimmt das Körperliche nicht automatisch Einfluss auf die Seele? Sarah schüttelt entschieden den Kopf: "Das ist ganz strikt getrennt. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Punkt. Aus. Ich könnte dabei nie echte Gefühle entwickeln." Ob beim Dreh oder beim Live-Sex: Sie sei einfach immer ganz darauf konzentriert, ihre Arbeit gut zu machen, Blicke und Posen richtig einzusetzen.

Es klingelt an der Tür. Timo, der Kameramann, kommt herein; er möchte kurz etwas mit seiner Kollegin besprechen. Er setzt sich zu uns an die Bar. In lässigen Jeans und Wollpulli wirkt er eher wie ein Student. "Ursprünglich war ich in einem Möbelhaus beschäftigt", erzählt er. "Aber wir Verkäufer haben eine so geringe Provision bekommen, dass es ein Witz war." Seine damalige Freundin, die heute seine Frau ist, hat ihn in die Erotikbranche gebracht.


Neid und fadenscheinige Gründe

"Bis heute hab' ich den Jobwechsel nicht bereut. Ich bin mir sicher, dass es oft fadenscheinige moralische Gründe - oder auch schlicht Neid - sind, die Menschen schlecht über unsere Arbeit sprechen lassen", sagt der 32-Jährige. Er redet sich richtig in Fahrt: "Dabei muss man doch nur die Augen aufmachen, um zu sehen: Die Erotik-Branche boomt, der Markt ist da, die Menschen wollen haben, was wir machen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter." Timo rollt mit den Augen.

Er sagt, sein Charakter habe sich durch seine Arbeit kein bisschen geändert. Noch immer bete er zum Beispiel jeden Abend. "Ich renne zwar nicht immerzu in die Kirche, aber ich bin ein gläubiger Christ." Es sei wichtig, dass man das, was man tut, vor sich selbst verantworten könne. "Das kann ich", stellt Timo klar und nimmt einen tiefen Schluck Kaffee.


"Privater Sex ist ganz anders"

Sarah nickt bestätigend. Trotzdem ist sie sich sehr bewusst, dass ihr Leben nicht jedermanns und -fraus Sache ist. "Ich verstehe das, schließlich hab' ich mich am Anfang selbst gefragt, ob das was für mich ist."

Und? Wie lautet die Antwort? "Ganz einfach: Ja." Und der Job wirkt sich nicht aufs Privatleben aus, auf die privaten Gefühle? "Nein, ich trenne das ganz klar. Und privater Sex ist auf jeden Fall ganz anders als der berufliche. Viel kuscheliger."

Natürlich sei der Job "immer präsent", allein schon, weil man täglich im Netz aktiv ist. Man stellt neue Clips ein und hat bis zu 200 Nachrichten pro Tag zu beantworten. "Oft endet der Arbeitstag erst um Mitternacht."


Sarah will sich nicht verstecken

Wie lange Sarah den Sex-Job machen will? "Noch hab' ich Spaß daran, mein eigener Chef zu sein. Und Ziele hab' ich auch." Ihr größtes Ziel ist ein Haus am Meer, vielleicht in Spanien. "Spätestens, wenn ich 40 bin, will ich sagen können: Das war's." Und dann? "Dann kann ich mir gut vorstellen, dass nochmal was ganz Anderes beginnt, was ganz Neues. Ich lass' das entspannt auf mich zukommen."

Für die Jahre bis dorthin wünscht sich Sarah nichts anderes als wohl die allermeisten Menschen: dass sie ein zufriedenes Leben führen kann. "Es gibt eine große Nachfrage für das, was ich mache. Warum sollte ich mich verstecken? Man ist noch lange kein schlechter Mensch, nur weil man diese Art von Arbeit macht. "
Verwandte Fotoserien
1 Kommentar
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren