Statistik

Bevölkerungsprognose bis 2035: Immer mehr Menschen ziehen nach Bayern

Die Bevölkerungsentwicklung in Bayern geht steil nach oben. Für das Wachstum gibt es einen Hauptgrund.
Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Die neuesten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung in Bayern hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag im Landesamt für Statistik in Fürth präsentiert. "Bayern wächst auch in den nächsten 20 Jahren", hat Herrmann die aktuelle Prognose der Statistikbehörde auf einen Nenner gebracht.

Die Bevölkerung in Bayern steige bis zum Jahr 2035 um satte 5,4 Prozent oder rund 700.000 Menschen auf insgesamt 13,5 Millionen Einwohner. Die hohen Zuwanderungszahlen der letzten Jahre würden laut Herrmann erheblich zur Bevölkerungsentwicklung in Bayern beitragen.

Allerdings ist die Entwicklung im gesamten Bundesland unterschiedlich. Der stärkste Wachstum findet in den Ballungsräumen statt. München verliert laut Prognose nichts von seiner Sogwirkung. Über den größten Zuwachs an "Neu-Bayern" darf sich deshalb wenig überraschend Oberbayern rund um die Landeshauptstadt freuen. Auf stagnierende Bevölkerungszahlen muss sich dagegen der Nordosten des Freistaates weiterhin vorbereiten. Die Prognose der Bevölkerungsentwicklung dürfe nicht ohne Folgen für die Politik bleiben, ist sich Herrmann sicher. Neuer Wohnraum müsse im Freistaat insbesondere in den Ballungszentren geschaffen werden, forderte der Innenminister am Donnerstag in Fürth. Dafür müssten auch neue Flächen als Wohngebiete ausgewiesen werden.

"Nur mit Nachverdichtung wird es nicht gehen", ist sich der Innenminister sicher. Schließlich wolle die Bayern auch in Zukunft nicht in den Boom-Städten wie Erlangen oder München "einpferchen", sagte Herrmann. Man könne nicht Ja zum Wachstum und Nein zum Flächenverbrauch in einem Atemzug sagen, kritisierte Herrmann. Gleichzeitig verwies Herrmann darauf, dass die Bevölkerungsdichte in Bayern im bundesweiten Vergleich immer noch unterdurchschnittlich sei. Lediglich elf Prozent des Freistaates seien versiegelt. Ein Drittel sogar von Wald bedeckt. Den ländlichen Raum will der Minister durch Infrastrukturmaßnahmen besser mit den Metropolen verbinden, um Berufstätigen das Pendeln über größere Entfernungen zu erleichtern.

In den Süden der Republik zieht es nicht nur Menschen aus Deutschland. Rund 55.000 "Preußen" kamen zwischen 2011 und 2015 nach Bayern. Schwerpunkt des Bevölkerungsgewinns liegt allerdings bei den EU-Bürgern, die jederzeit nach Bayern aufgrund der Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union (EU) einwandern können. Zwischen 2011 und 2015 seien über 330.000 Personen aus dem EU-Ausland nach Bayern gekommen. Zusätzlich seien über 100.000 Menschen aus Drittstaaten nach Bayern gezogen. "Ohne Zuwanderung würde der Freistaat 4,4 Prozent seiner Bevölkerung verlieren", sagte der Innenminister zu dieser Entwicklung. Allein in Oberbayern werden im Jahr 2035 so viele Menschen leben wie in ganz Bayern um das Jahr 1900.

Der Süden des Freistaats locke mit vielen Stellen und geringen Arbeitslosenquoten besonders viele Menschen an. Die Landeshauptstadt wachse überdurchschnittlich. Auch Mittelfranken, Niederbayern und Schwaben werden Bevölkerung hinzugewinnen. "Bis auf Oberfranken und Unterfranken wachsen alle Regierungsbezirke", sagte Herrmann. In Städten wie Hof, Kulmbach oder Kronach reiche die Zuwanderung nicht aus, um das Geburtendefizit auszugleichen.

Neben der Zuwanderung sprach Herrmann mit dem demographischen Wandel den zweiten Mega-Trend der nächsten Jahre an. Herrmann warnte in diesem Zusammenhang vor Panikmache. Leere Städte und Landkreise seien selbst im Nordosten des Freistaates nicht zu erwarten. Die Alterspyramide ändert sich freilich dramatisch bis 2035. Laut Herrmann werden die 70-Jährigen dann die Mehrheit stellen. Selbst in Rekordjahren sterben aktuell noch mehr Menschen als Kinder geboren werden. Genau 118.228 Kinder kamen 2015 in Bayern auf die Welt. Das sei seit 2000 ein neuer Rekord. Gleichzeitig waren allerdings rund 15.000 mehr Todesfälle im Freistaat zu beklagen. In 20 Jahren wird der Altersdurchschnitt bereits über 46 Jahre (heute 43 Jahre) betragen. Die Altersstruktur werde sich besonders deutlich in Regionen mit relativ wenig Zuwanderung bemerkbar machen.


Herrmann betonte, dass der Integration von Zuwanderern vor diesem Hintergrund eine entscheidende Bedeutung zukomme. Zuwanderer in den Arbeitsmarkt einzugliedern, bezeichnete der Innenminister als "Mammutaufgabe". Bis Ende 2019 hofft Herrmann rund 60.000 neue Stellen für Zuwanderer in Bayern schaffen zu können.
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