Forchheim
Amtsgericht

Wegen Schmerzschüben selbst Cannabis verordnet

Ein 60-jähriger Forchheimer ist wegen unerlaubten Waffenbesitzes und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln vom Amtsgericht verurteilt worden.
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Symbolfoto: Matt Masin/dpa
Symbolfoto: Matt Masin/dpa
Da stehen seltsame Pflanzen beim Nachbarn auf dem Balkon, teilten Forchheimer der Polizei bei einem Routineeinsatz mit. Die Ordnungshüter wurden hellhörig und schauten sich um. Der Nachbar musste sich nun wegen unerlaubten Waffenbesitzes und unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln vor Gericht verantworten. Amtsrichterin Silke Schneider verurteilte den 60-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 35 Euro.

Der Mann ist Sportschütze und wegen Schwerbehinderung bereits in Rente. Er leidet immer wieder an Schmerzschüben. Deswegen wollte er sich mit den Marihuana-Pflanzen ein Schmerzmittel selber züchten. Ihm kam es dabei keineswegs auf den Gehalt an THC, des berauschenden Wirkstoffs der Pflanzen, an, sondern auf den weiteren, eben schmerzlindernden.


14 Pflanzen beschlagnahmt

Die Richterin informierte den Angeklagten, dass er durchaus Cannaboide als Schmerzmittel verwenden könne, wenn sie ihm der Arzt verschreibe, aber nicht einfach so. Dass er keinen Handel mit seiner Ernte treiben wollte, ergab sich für sie schon daraus, dass der berauschende Wirkstoffgehalt sehr gering war. Die Polizei beschlagnahmte die 14 Pflanzen und gut 100 Gramm getrocknete Substanz.

Bei der Wohnungsdurchsuchung stießen die Polizeibeamten allerdings auch auf Waffen, deren Besitz nach dem Waffengesetz nur mit einer besonderen Erlaubnis gestattet ist: eine Luftpistole und eine Pistole der Waffenfirma Sauer. Erstere hat der Mann schon vor langer Zeit erworben, als dieser Waffentyp noch nicht erlaubnispflichtig war. Er räumte sofort seinen Verstoß gegen das Waffengesetz ein.


Halbautomatische Kurzwaffe

Die halbautomatische Kurzwaffe, wie eine Pistole im Sprachgebrauch des Waffenrechts genannt wird, hätte er auch bei der laufenden Amnestie für Schusswaffen abgeben können.

Gleichwohl forderte die Sitzungsstaatsanwältin eine Freiheitsstrafe von acht Monaten - zur Bewährung, denn der Angeklagte ist bislang nie straffällig geworden. "Er ist nicht der typische Kriminelle, der durch die Gegend läuft und Schabernack anrichtet", beschrieb ihn denn auch sein Anwalt. Um seine Vergehen zu ahnden, genüge eine Geldstrafe.

So entschied auch die Richterin, weil ihrer Ansicht nach hier ein minderschwerer Fall vorlag, der Angeklagte aber als Sportschütze wusste, was er in seiner Wohnung hatte.
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