Kirchehrenbach
Kunstrad

Lukas Kohl drückt den Reset-Knopf

Titelverteidigung? Davon möchte Lukas Kohl nicht sprechen. Der amtierende Weltmeister im 1er der Männer geht demütig in den Wettkampf am Sonntag.
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Vor wenigen Wochen wurde Lukas Kohl deutscher Meister im 1er Kunstrad der Männer - und gilt auch für die WM als großer Favorit. Oliver Stoll/Archiv
Vor wenigen Wochen wurde Lukas Kohl deutscher Meister im 1er Kunstrad der Männer - und gilt auch für die WM als großer Favorit. Oliver Stoll/Archiv
Er ist ja fast schon ein alter Hase, trotz seiner erst 21 Jahre: Lukas Kohl vom RMSV Concordia Kirchehrenbach bestreitet seine zweite WM, im österreichischen Dornbirn finden am Wochenende die Hallenrad-Weltmeisterschaften statt. Und der "Lukinator" greift am Sonntag erneut nach dem Titel im 1er Kunstrad der Männer. Der Titelverteidiger gilt als großer Favorit, erst recht, nachdem er kürzlich auch seinen DM-Titel wiederholte und mit großem Vorsprung gewann.

Bevor Lukas Kohl am Sonntag auf die Fläche geht, sprach er im Interview über die Titelkämpfe, mehr Ruhe und Gelassenheit in der Vorbereitung, aber auch über die Fallstricke, die auf ihn noch warten könnten.

Herr Kohl, das Wort Titelverteidigung hören Sie nicht so gern. Warum?
Lukas Kohl: Weil es nicht darum geht, den Titel zu verteidigen, sondern ihn erneut zu gewinnen. Mental ist das für mich ein sehr großer Unterschied. Mit dieser Herangehensweise kann man nur gewinnen, ich mache mir selbst nicht so viel Druck. Es ist eine Ehre, bei einer WM teilnehmen zu dürfen, ich möchte es genießen, dort zu fahren. Als Weltmeister wird von einem wohl erwartet, wieder gewinnen zu müssen. Das sind dann aber eher die Erwartungen anderer. Von all dem will ich mich nicht allzu sehr beeinflussen lassen. Vielleicht schaffe ich es ja, den Titel erneut zu gewinnen. Das oberste Ziel ist es aber, ins Finale der besten Vier zu kommen.

207 Punkte haben Sie zur WM eingereicht, mehr als jeder andere und sogar noch ein Zähler mehr als bei Ihrer vergangenen WM-Kür. Wo liegen die Unterschiede?
In fünf Minuten sind 30 Elemente zu zeigen, mit der Seitvorhebehalte rückwärts ist in dieser Saison ein neues Element dazugekommen. Dieses ist in der Mitte meiner Kür eingebaut. Die Schwierigkeit ist, dass ich mich auf beiden Armen stütze und dennoch mit der linken Hand möglichst feinfühlig am Lenker steuere. Rückwärts gefahren ist das viel schwerer als vorwärts. Man kann das mit dem Rückwärtsfahren mit Hänger vergleichen. Vorwärts ist das auch um ein Vielfaches leichter. Die Kunst dabei ist, dass ich einen möglichst runden Kreis fahren muss, sonst gibt es Abzüge, auch droht ein Sturz mit großem Punkteverlust. Auf jedem Boden ist die Übung anders. Auf einem welligen und schnellen Boden wie bei der WM tue ich mir schwerer, er ist nicht komplett eben. Ich spüre ständig ein Rattern, wenn es von einem Parkettstäbchen zum nächsten geht.

Letztes Jahr waren Sie der WM-Neuling. Merken Sie, dass die gewonnene Erfahrung Ihnen hilft?
Mit Sicherheit, ich kenne die Abläufe und das Drumherum. Trotzdem ist diese WM wieder ganz anders. In Stuttgart letztes Jahr war es eine weitläufige Halle mit 6000 Zuschauern, in Dornbirn fasst die Halle zwar nur 3000 Zuschauer, dafür sitzen diese viel näher an der Wettkampffläche. Ein hitziger Kessel, die Reaktionen der Zuschauer bekommt man hautnah mit.

Unvergessen ist, wie Sie beim WM-Sieg vergangenes Jahr von ihrem ärgsten Konkurrenten Michael Niedermeier auf eine Ehrenrunde auf seinem Rad eingeladen wurden. Heuer ist er nicht mehr dabei, dafür haben Sie mit Moritz Herbst einen neuen und großen Konkurrenten...
Michael hat seine aktive Karriere inzwischen beendet, im Juni gab er seine Abschiedsgala, ist aber als Trainer aktiv. Ich hoffe, dass wir uns bei der WM sehen werden. Letztes Jahr habe ich mir mit ihm das Zimmer geteilt, heuer mit Moritz Herbst. Michael gab mir sehr viele Tipps, nun bin ich derjenige, der sie weitergibt. Für Moritz Herbst ist es die erste WM, vergangenes Jahr war er lange verletzt und konnte nicht teilnehmen. Es ist selbstverständlich für mich, ihm ein paar Tipps zu geben. Er hat 204,8 Punkte eingereicht, der zweithöchste Wert.

Als Weltmeister werden Sie in der Rolle des Gejagten sein...
Zuerst hoffe ich, ins Finale zu kommen. Dann beginnt wieder alles bei Null. Da ich den höchsten Punktwert eingereicht habe, muss ich als Letzter ran. Während einer Kür kann so viel passieren, ein Sturz reicht, um weit zurückzufallen. Ich muss ruhig und konzentriert bleiben.
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